Gehrke: Druck zur Aufwertung der SuE-Berufe aufrechterhalten!

Nach dem Tarifergebnis im Sozial- und Erziehungsdienst fordert der GEW-Experte für Tarif- und Beamtenpolitik, Andreas Gehrke, den Druck aufrechtzuerhalten: „Nicht beendet ist die weitere politische Auseinandersetzung um die Aufwertung.“ Gehrke: Druck zur Aufwertung der SuE-Berufe aufrechterhalten! weiterlesen

Maikundgebung 2013

„Die Entwürdigung der Arbeit stoppen“

Karsten Kuttnik von der IG Metall plädiert bei der Maikundgebung des DGB in Rosenheim für höhere Löhne

Rosenheim – Sehr emotional verlief die Kundgebung zum Tag der Arbeit des DGB-Kreises Rosenheim. Festred-ner Carsten Kuttnik, Projektsekretär für Luft- und Raumfahrt der IG Metall, der gemeinsam mit der DGB-Kreis-und Stadtverbandsvorsitzenden Ingrid Meindl-Winkler den Demonstrationszug durch die Innenstadt anführte, war überrascht von der Atmosphäre. Von der Mädchenrealschule, die Elisabeth Block in der NS-Zeit besuchte und als Jüdin verlassen musste, marschierte der Zug mit über 200 Gewerkschaftern und Unterstützern zunächst zum ehemaligen Gewerkschaftshaus an. der Gießereistraße, wo Meindl-Winkler auf die Geschichte der Gewerkschaften in Rosenheim verwies. Vor dem Gewerkschaftshaus in der Brixstraße trafen inzwischen weitere Besucher der Maikundgebung ein. Lie-dermacher Martin Piper verkürzte die Zeit bis zum Eintreffen des Demozuges. Inzwischen war die Zuhörer-zahl auf über 400 angewachsen. Meindl-Winkler wollte den außergewöhnlichen Ablauf der Kundgebung als Bei-trag zur Geschichte der Stadt verstanden wissen. Ihr Vorschlag, die Mädchenrealschule mit dem Namen Elisabeth Block zu verbinden, fand nachhaltigen Beifall. Landrat Josef Neiderhell ging in seinen Grußworten auf den 2. Mai 1933 ein, als um 10 Uhr SA-Truppen das alte Gewerkschaftshaus stürmten und Gewerkschafter verhafteten: „Das darf nie wieder geschehen.“ Festredner Carsten Kuttnik war „überwältigt von – der emotionalen Stimmung dieser Maidemo, die Mut macht und gefällt“. Er sprach sich klar für ein Verbot der NPD aus und erhielt dafür von den Zuhörern breite Zustimmung. Die Lage am Arbe itsmarkt schilderte Kuttnik eher düster: „Seit den 80er Jahren erleben wir eine Entwürdigung von Arbeit. Die Arbeitsarmut nimmt immer mehr zu.“ Deshalb müsse man dem Niedriglohnsektor und schlechter Arbeit entgegentreten. Während die Gewerkschaften laut Kuttnik wachsen, allein 2012 um 900 Mitglieder, entzögen sich die Arbeitgeber zunehmend der Mitgliedschaft in den Arbeitgeberverbänden und damit der Anwendung von. Tarifverträgen. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Betriebsrat und in den Aufsichtsräten sei gelebte Demokratie. Doch. mit der Agenda 2010 sei der Kündigungsschutz deutlich verschlechtert worden. „Der Kündigungsschutz muss wieder ausgebaut werden. Und wir brauchen bessere Bildung“, forderte der Redner. 2,2 Millionen junge Menschen im Alter von 20 bis 24- Jahren hätten keine abgeschlossene Ausbildung. Das Volksbegehren gegen Studiengebühren habe gezeigt: „Das Volk kann der Staatsregierung Beine machen.“ Hingegen breite sich die sogenannte atypische Beschäftigung immer mehr aus: Befristungen, Leiharbeit, Minijobs. „Während die Mieten „explodierten“, arbeiteten fünf Millionen Menschen. zu Hungerlöhnen unter 8,50 Euro – und über eine Million sogar zu Stundenlöhnen unter fünf Euro“, so Kuttnik.

Ergänzender Bericht von Andreas Salomon

zur Startveranstaltung vor der Städtischen Mädchenrealschule in Rosenheim sowie zum Verlauf der Demonstration

Da die Startveranstaltung der diesjährigen 1.- Mai – Demonstration von der GEW organisiert wurde, soll darüber auch kurz berichtet werden. Im November 2012 wurden während einer Feierstunde im Rosenheimer Rathaussaal von Prof. Treml die Tagebücher der Elisabeth Block der Stadt zur Aufbewahrung im Stadtarchiv übergeben. In diesem Zusammenhang äußerte Prof. Treml den Wunsch, dass die Rosenheimer Städtische Realschule für Mädchen den Namen Elisabeth Block tragen möge. Diesen Gedanken machte ich mir zueigen. Das jüdische Mädchen Elisabeth Block aus Niedernburg bei Rosenheim besuchte in der Nazizeit diese Schule, bis sie sie als Jüdin verlassen musste. Auf keine Weise könnte die Erinnerung an Elisabeth Block und ihr schreckliches Schicksal sowie damit das Schicksal aller Juden besser wachgehalten werden als durch eine Schulbenennung. Immer neue Generationen von Schülern würden informiert werden, was es mit dem Namen ihrer Schule auf sich hat, ja ständig wäre der Name Elisabeth Block in aller Munde. Ich bekräftigte diese Forderung in einem Leserbrief im „OVB“ und schlug im DGB – Kreisvorstand vor, die diesjährige DGB – Demon-stration vor dieser Schule mit entsprechender Forderung beginnen zu lassen. Der Gedanke fand allgemeine Zustimmung. In einem Gespräch mit der Schulleiterin Frau Ramm, bei der auch unser GEW – Kollege Wolfgang Lentner, Lehrer dieser Schule, anwesend war und sich produktiv in die Unterhaltung einbrachte, wurden weitere Modalitäten geklärt. Es solle die Schulsprecherin an Elisabeth Block „erinnern“ und Wolfgang Lentner war bereit, passende Lieder herauszusuchen, die der Ansprache einen Rahmen geben sollten. Überraschend viele Menschen folgten dem Aufruf des DGB und versammelten sich auf dem Hof vor der Schule. Ich konnte die Schulleiterin Frau Ramm, die Schülersprecherin Anna sowie Wolfgang Lentner und alle Versammelten begrüßen. Auch die Schulleiterin selbst hieß uns alle herzlich willkommen. Wolfgang hatte zwei antifaschistische Lieder ausgewählt und entsprechende Liedzettel zum Mitsingen verteilt. Zunächst wurden „Die Moorsoldaten“ gesungen, ein Lied, das in einem KZ entstand, die Mühen und Plagen der Häftlinge beschreibt und der Hoffnung auf ein Leben danach Ausdruck verleiht. Dann hielt die Schülersprecherin eine alle sehr beeindruckende Rede und erinnerte an Elisabeth Block und wie schwer es für heutige Schüler nachvollziehbar sei, was damals vor aller Augen passierte. Frau Ramm war so beeindruckt, dass sie spontan das Mikrofon ergriff und ihr dankte. Wir Gewerkschafter schlossen uns diesem Dank an. Dann sangen wir zur Gitarrenbegleitung von Wolfgang Lentner das Partisanenlied „Bella chiao“. Damit hatte der 1.Mai 2013 einen so berührenden Beginn genommen wie noch nie und der Wunsch und die Hoffnung, dass die Nazis nie wieder die Macht übernehmen dürfen, ließ uns die Demonstration beginnen, an der mehrere hundert Menschen teilnahmen – soviel wie lange nicht. Die Demonstration, bei der unzählige Transparente zu sehen waren, zog dann in einem unendlich langen Zug durch die Stadt, wozu revolutionäre Lieder über Lautsprecher gespielt wurden. Das nächste Ziel war der Ort in der Salinstraße, an dem 1933 das Versammlungshaus der Gewerkschaft stand, das am 2. Mai (wie es überall in Deutschland geschah) von den Nazis überfallen und geplündert wurde. Die DGB-Kreisvorsitzende Ingrid Meindl-Winkler legte dort Blumen nieder und schilderte ausführlich, was sich seinerzeit dort abgespielt hatte. Eine Gedanktafel konnte an dem Haus (das Kathrein gehört) leider nicht angebracht werden, da dieses abgerissen werden soll. Man wird sich für den 1. Mai 2014 etwas Passendes überlegen. Dann zog die Demonstration weiter zum Gewerkschaftshaus in der Brixstraße, wo schon viele Menschen auf den Beginn der Ansprachen warteten.

KV-Versammlung Februar 13


Pressemitteilung Nr. 3/2013

Solidarisch mit Streik im öffentlichen Dienst Auf dem Mitgliedertreffen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Kreisverband Rosenheim, berichtete Michael Mende über die Streikaktivitäten von Ver.di. Auch wenn die GEW in Bayern noch nicht streikt, war allen Anwesenden bewusst, dass die streikenden Ver.di-Mitglieder auch für die Lehrer den Kopf hinhalten. Aktuell geht es um eine Lohnforderung von 6,5 % und um die Abwehr der Urlaubskürzung von vier Tagen bei neu eingestellten Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes. Für die Lehrergewerkschaft kommt noch als wichtiges Problem hinzu, die Eingruppierung der Lehrkräfte durch Tarifvertrag zu regeln und nicht wie bisher durch einseitige Festlegung des Dienstherrn. In diesem Zusammenhang berichtete Kreisvorsitzender Andreas Salomon von Fällen von Lohndumping im Privatschulbereich. Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt drehte sich um die aktuellste schulpolitische Forderung: Inklusion. Damit ist die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung gemeint, wobei -im Unterschied zur „bloßen“ Integration – nicht die Behinderten sich den Gegebenheiten anzupassen hätten, sondern sich die Schule auf die besonderen Bedürfnisse von behinderten Menschen einzustellen habe, wobei neben körperlicher Behinderung auch lernschwache, erzie hungsschwierige oder verhaltensauffällige Schüler zu verstehen sind. Mit einem gewissen Sarkas mus sahen mehrere Mitglieder Inklusion in mancher Privatschule, Mittelschule oder manchen Berufs schulklassen bereits als realisiert an. Tenor der intensiven Diskussion war, dass die Idee gut und zu begrüßen sei, aber eine große Skepsis herrschte hinsichtlich ihrer bildungspolitischen Umsetzung. Ohne ausreichende materielle und personelle Ressourcen würde die flächendeckende Einführung der Inklusion nur auf dem Rücken der Lehrer geschehen.

Eröffnungsrede Mai 2011

Eröffnungsbeitrag zur Demonstration und Kundgebung am 1. Mai 2011 in Rosenheim von Andreas Salomon

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Personal- und Betriebsräte, Vertreter aus der Politik und dem öffentlichen Leben, liebe Schüler und Studenten, Freunde von attac, der Infogruppe und der Aktion Bildungsstreik, der Friedengruppen und aller Menschen, die für die sofortige Abschaltung der todbringenden Atomkraftwerke eintreten, am 1. Mai in Rosenheim kann uns niemand trennen, am 1. Mai in Rosenheim demonstrieren wir gemeinsam für unsere Ziele, die darin gipfeln, dass wir in einer demokratischen Gesellschaft leben wollen, die frei ist von Profitgier und Unterdrückung, frei von Rassismus und Intoleranz und frei von Entfremdung und Fremdbestimmung.

Millionen von Menschen gehen heute auf der ganzen Welt auf die Straße. Sie kämpfen gegen Diktatoren, die sie ihrer Menschenrechte berauben und sie in Gefängnissen der Folter unterziehen und sie kämpfen für Demokratie und für ein freies und selbstbestimmtes Leben.

Die Demonstrationen und Kundgebungen am 1. Mai haben eine lange Tradition und gehen zurück auf den 1. Mai 1886,als in den USA 400.000 Menschen aus mehr als 11.000 Betrieben dem Aufruf der 8-Stunden-Bewegung zum Generalstreik folgten. Allein in Chicago legten an diesem Tag 40.000 die Arbeit nieder. Es kam zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei, die ohne Warnung die Arbeiter mit Schlagstöcken und Revolvern angriff. In den folgenden Wochen eskalierte die Gewalt und schließlich wurden acht Anarchisten und Aktivisten der 8-Stunden-Bewegung wegen „Verschwörung“ und „Beihilfe zum Mord“ angeklagt, obwohl bekannt war, dass die Polizei selbst anarchistische Vereinigungen gegründet und mit Waffen und Bomben ausgestattet hatte. Am 11. November wurden die Angeklagten trotz weltweiter Proteste hingerichtet.

Drei Jahre später am 14.Juli 1889, also genau 100 Jahre nach dem Sturm auf die Bastille, wurde in Paris ein internationaler Arbeiterkongress eröffnet, auf dem die II. Internationale begründet und in Erinnerung an die Auseinandersetzungen in Chicago der 1. Mai als Tag der Internationalen Arbeiter-bewegung festgelegt wurde.

Im Rosenheimer DGB-Kreisvorstand haben wir uns entschieden, ins Zentrum der heutigen Demonstration die Bildungspolitik zu stellen. Denn Bildung ist die Voraussetzung für ein aufgeklärtes, selbstbestimmtes Leben und die Voraussetzung, in dieser Hochleistungsgesellschaft überhaupt bestehen zu können. Und Bildung ist auch die Voraussetzung, um die gesellschaftlichen Zusammenhänge des kapitalistischen Gesellschaftssystems verstehen und in dieses System politisch eingreifen zu können.

Wir wollen, dass niemand von Bildung ausgeschlossen wird. Jeder muss ein Recht auf eine umfassende Bildung haben, niemand darf zurückgelassen werden. In Deutschland leben 4 Millionen Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Und jedes Jahr verlassen 65.000 junge Menschen die Schule ohne einen Abschluss. Und noch immer haben 1.5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung.v Wie gering die bayerische Regierung Bildung schätzt, wird daran deutlich, wie die Kindergärten, öffentlichen Schulen und Universitäten unterfinanziert werden. Immer wieder wird der Sparstift angesetzt. Überfüllte Klassen besonders an den Realschulen und Gymnasien und ständiger Unterrichtsausfall sind die Regel, während gleichzeitig hunderte von ausgebildeten Lehrern nicht eingestellt werden. In Bayern wurden dieses Jahr allein bei den Grundschullehrerinnen, die erfolgreich ihre Ausbildung abgeschlossen hatten, nur 30 % übernommen. Während die Schüler unter immer stärkerem Leistungsdruck leiden, werden die Aufgaben der Lehrer immer umfangreicher. Die Quote der Lehrer, die die Schule krank macht und die frühzeitig aufhören müssen, wächst und wächst, während gleichzeitig die Arbeitsdauer bis zum 67. Lebensjahr ausgedehnt wurde. Aber auch die Schüler und Studenten müssen sich immer häufiger in ärztliche Behandlung begeben und sich Therapien unterziehen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lehnt ein derartiges Schulsystem strikt ab. Wir wollen keine dreigliedrige Schule, bei der nach der 4. Klasse die Schüler aussortiert und dabei viele um ihre Bildungschancen gebracht werden. Die bayerische Regierung will diese Auslese, will Eliten züchten und die angebliche Spreu vom Weizen trennen. Wir halten dem entgegen. Lasst alle Kinder bis zur 10. Klasse zusammen! Wir wollen Eine Schule für alle. Wir wollen niemand von Bildung ausschließen. Dies gilt auch ganz besonders in Bezug auf die Schüler, die aus anderen Ländern zu uns kommen und bei dem bestehenden Schulsystem immer den Kürzeren ziehen. Und noch immer ist Bayern Schlusslicht in Deutschland, was den Zusammenhang von Bildung und sozialer Herkunft anbelangt. Wer nicht aus einem Akademikerhaushalt kommt, dem ist meist auch geringerer Schulerfolg beschieden. Das ist ein Skandal, der nur durch eine Änderung des Schulsystems behoben werden kann. Deshalb fordern wir: Eine Schule für alle und sagen: Die Kinder müssen sich nicht nach der Schule richten, sondern die Schule muss sich nach den Kindern richten.

Fortschrittliche Pädagogen in der GEW fordern, dass das Sitzenbleiben abgeschafft wird und kritisieren die Willkür der Notengebung. Schulen dürfen nicht zu Steigbügelhaltern der Wirtschaft degradiert werden, sondern müssen darauf ausgerichtet sein, jedem jungen Menschen ein Optimum an Bildung zu vermitteln, mit dem er dann sein eigenes Leben organisieren kann.

In Bezug auf die Hochschulen und besonders den Doppeljahrgang 2011 fordern wir die unverzügliche Schaffung der im Koalitionsvertrag vereinbarten 10.000 Studienplätze und langfristig den nachhaltigen und bedarfsgerechten Ausbau von Studienplätzen. Statt Zugangsbeschränkungen und finanziellen Hürden muss ein freier und kostenloser Zugang zu Bildung die Hochschullandschaft bestimmen und auch die finanziellen Mittel für die Hochschulen sind deutlich aufzustocken.

Kolleginnen und Kollegen, wir werden uns mit diesem Bidlungssystem nicht zufrieden geben. Beginnen wir unsere Demonstration mit den Forderungen: Mehr Geld für die Bildung, für ein Bildungssystem, das an den Interessen der Bevölkerung ausgerichtet ist!

1. Mai 2011

Bericht über die Veranstaltungen zum 1. Mai 2011 in Kolbermoor und Rosenheim von Andreas Salomon

Die gewerkschaftlichen Feierlichkeiten zum 1. Mai wurden in diesem Jahr sowohl in Kolbermoor wie vor allem in Rosenheim in einem neuen zeitgemäßen Rahmen veranstaltet und mit aktuellen Themen versehen. Daran war die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft maßgeblich beteiligt.

Kolbermoor – Referat über Rudolf Link

Auf Vorschlag der DGB – Kreisvorsitzenden Ingrid Meindl – Winkler wurde in Kolbermoor Bezug auf die Geschichte der Arbeiterbewegung genommen. Der GEW – Kreisvorsitzende hielt daher ein Referat zu Rudolf Link, der 1919 Mitglied im Revolutionären Arbeiterrat war. Zuvor berichtete er aber anlääslich des 1. Mai von dessen Entstehungsgeschichte.

Der 24-jährige Volksschullehrer Rudolf Link, der in Kolbermoor 1918 seine erste Stelle antrat, unterstützte bald die Rätebewegung vor Ort und wurde in den 3. Volksrat als Schriftführer hineingewählt. Bei der Beerdigung von Schuhmann und Lahn hielt er die Rede für die Kampfgefährten der Ermordeten. Nach der Übergabe der Stadt wurde er vor Gericht gestellt. Es konnten ihm aber keine strafbaren Handlungen nachgewiesen werden. Dennoch wurde er nach Hilgertshausen versetzt, wo sich 1933 seine Spur verliert.

Im Anschluss des Referates und einer Aussprache begaben sich die 30 Besucher gewissermaßen in einer unangemeldeten Demonstration zur Gedenkstätte von Schuhmann und Lahn an der Tonwerksunterführung und legte dort rote Nelken nieder.

Rosenheim – Demonstrationszug

Der 1. Mai in Rosenheim begann mit einer Demonstration vor der Berufsschule in der Wittelsbacher Straße, die laut Beschluss des DGB – Kreisvorstandes dem Thema Bildungspolitik gewidmet war. Die Eröffnungsansprache zum Thema hielt der GEW – Kreisvorsitzende Andreas Salomon. Im Laufe der Demonstration stoppte der Zug noch mehrmals vor anderen Schulen, wo weitere Redner das Wort ergriffen. So sprachen Vertreter von Verdi, der Schülergruppe „Bildungsstreik“, der Infogruppe sowie ein Elternvertreter des Finsterwalder Gymnasiums.

Alle Ansprachen insgesamt ergaben ein umfassendes Bild, wie sehr die Bildungspolitik in Bayern vernachlässigt wird. Ob es um die Kindertagesstätten ging, die Schulen, die Behindertenpolitik an Schulen, die Universitäten und die Erwachsenenbildung – überall zeigen sich deutlich Mängel und Fehlentwicklungen.

Rosenheim – Kundgebung

Nachdem die Demonstration das DGB-Haus in der Brixstraße erreicht hatte, hatte der GEW-Vorsitzende erneut die Möglichkeit jetzt vor den 300 Versammelten zur Bildungspolitik zu sprechen.

Die Eröffnungsrede kann hier nachgelesen werden. Der Hauptreferent der Kundgebung vor dem DGB-Haus war Franz Möllenberg, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Nahrung Genus Gaststätten. Sein Referat war sehr aktuell, ausgesprochen inhaltsreich und überzeugend vorgetragen.

Der Liedermacher Martin Piper und das Jugendtheater Bruckmühl trugen zur Unterhaltung bei.

Insgesamt lässt sich sagen, dass der 1. Mai 2011 in Rosenheim so erfolgreich war wie lange nicht mehr. Der DGB – Kreisvorstand war gut beraten, die Demonstration unter das Thema Bildungspolitik zu stellen. Und es war ein deutlicher Schritt nach vorn, sich zu öffnen und auch anderen Gruppen die Möglichkeit anzubieten, am 1. Mai Position zu beziehen.

Die Gewerkschaftsbewegung bekommt deutlich wieder mehr Bodenhaftung, wenn sie diesen Kurs weiterverfolgt, eine breite Bündnispolitik praktiziert und zunehmend den Weg in die Öffentlichkeit sucht. Es steht ihr auch gut an, wenn sie ihre Themenpalette verbreitert (siehe Atompolitik) und sich nicht zu engstirnig nur auf die Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezieht. Die Politik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der gesamte DGB der Region sich jetzt in diese Richtung entwickelt.

Rückblick auf den 1. Mai 2010 in Rosenheim

Gedanken von Andreas Salomon
Bilder: Helmut Pritschet

Die Gestaltung des 1. Mai in Rosenheim wurde in den letzten Jahren der politischen Bedeutung dieses Tages immer weniger gerecht. Ein immer kleiner werdender Kreis von aktiven Gewerkschaftern traf sich vor dem Gewerkschaftshaus hörte sich ein mehr oder weniger interessantes Maireferat an, erlebte ein wenig Kultur, trank ein Bier und ging wieder nach Hause. Der 1. Mai wurde in der Öffentlichkeit weitgehend nur noch als Familientag wahrgenommen.

Ingrid Meindl-Winkler

Dieses Jahr wurde erstmals seit Jahren in Rosenheim eine Weiche anders gestellt. Man begann im Kreisvorstand des DGB sich zu entsinnen, dass seit dem 1. Mai 1890 Menschen an die Öffentlichkeit, sprich auf die Straße gehen, um für bessere Lebensbedingungen und gegen die ungerechten kapitalistischen Lebensbedingungen zu kämpfen.

Die Verhältnisse in Deutschland haben sich inzwischen so dramatisch verändert, dass der DGB-Kreisvorstand es für notwendig hielt, erstmals seit Jahren wieder zu demonstrieren. Der Tenor im DGB Kreisvorstand war: Die Öffentlichkeit muss den Protest der Gewerkschaften sehen, muss erkennen, dass die Gewerkschaften, die zunehmende Verschlechterung der Lebensverhältnisse nicht einfach duldend hinnehmen, sondern sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind, dem neoliberalen Wirtschaftskurs entschieden entgegenzuwirken.

Folgt man dem OVB-Artikel vom 3. Mai, so konnte man meinen, alles sei wie bisher abgelaufen. Dass es gleich zwei Demonstrationen gab, wird schlichtweg verschwiegen.

Luise Klemens

Am 1. Mai um 9 Uhr versammelten sich rund 150 KollegInnen vor dem Sitz der ARGE im Sozialrathaus, um ihren Unmut über die Hartz-IV-Politik zum Ausdruck zu bringen. Ausführlich wurde am Beispiel Rosenheims vor Augen geführt, welche Auswirkungen diese Politik vor Ort hat und wie sich Armut immer weiter ausbreitet.

Dann führte die Demonstration zum Gewerkschaftshaus, wo erstmals nicht der Regionsvorsitzende Günter Zellner, sondern die DGB-Kreisvorsitzende Ingrid Meindl-Winkler die Anwesenden begrüßte, wodurch die Autonomie des Kreisvorstandes unterstrichen wurde. Nach dem Referat von Luise Klemens, der Landesbezirksleiterin von Verdi Bayern, in dem ausführlich die Wirtschaftskrise analysiert und deren Verursacher gegeißelt wurden, trat mit gekonnten Beiträgen die Jugend-Theatergruppe Bruckmühl auf.

Jugend-Theatergruppe Bruckmühl

Dann ging es auf zur 2. Demonstration bis zur Vetternwirtschaft, die unter dem Motto stand „Kapitalismus ist Krise-unsere Chance heißt Widerstand“. Sie wurde unterstützt von attac, der Infogruppe u.a. Gut 200 meist jüngere Teilnehmer demonstrierten stundenlang mit zahlreichen Zwischenkundgebungen zu Armut, Leih- und Zeitarbeit, Frauenkämpfen, Bildungspolitik, der Praxis der Bundespolitik usw.. Der große Zuspruch zu den Demonstrationen zeigt, dass die Entwicklung in dieser Richtung nächstes Jahr weitergehen muss.

Jahreshauptversammlung 09

Pressemitteilung vom 02.02.2009 von Lothar Walter

Rückblick auf erfolgreiches Jahr

Jahreshauptversammlung der GEW Rosenheim

Auf ein erfolgreiches Jahr nach der Umstrukturierung im Vorstand konnte der Kreisvorsitzende der Gewerk schaft Erziehung und Wissenschaft, Andreas Salomon, zurückblicken. Das hohe Niveau der Aktivitäten, wie z. B. regelmäßige Information der Mitglieder und etliche Veranstaltungen politischer und geselliger Art, eine stabile Kassenlage sowie ein leichter Mitgliederzuwachs ließen viel Freude aufkommen.

In seinem Rechenschaftsbericht sah Salomon den Rosenheimer GEW-Kreis an der Spitze der ländlichen Kreisverbände in Oberbayern. Erfolgsfaktoren seien eine weitgehende Harmonie im Verband und eine emotionale Bindungskraft, die einen aktiven Kern von GEWlern entstehen ließen. Salomon dankte für stabile und verläßliche Arbeitsstrukturen im Vorstand, namentlich seinen Stellvertretern Reiner Schober und Wolfgang Orlowski, dem Kassier Toni Reil, dem Homepage-Master Helmut Pritschet und dem Pressewart Lothar Walter. Einen eigenen Rechenschaftsbericht brachte Michael Mende für die Junge GEW ein.

In der anschließenden Dikussion nahmen die aktuellen tarif- und beamtenpolitischen Probleme einen breiten Raum ein. Im Nachfolgetarifvertrag für den früheren BAT, dem Tarifvertrag für die Landesangestellten TV-L seien von der Gewerkschaft Fehler gemacht worden. Bei einem Arbeitsplatzwechsel nach vielen Berufsjahren werde der Besitzstand nicht gewahrt, es sei nicht zwingend die Anrechnung der Berufserfahrung vorgeschrieben, was sich vor allem private Arbeitgeber zu Nutze machten. Das könne bis zu 1 000 Euro Einkommensverlust pro Monat führen. Als einen Fortschritt mit Nebenwirkungen bezeichnete Reiner Schober die für September 2009 vorgesehenen ersten funktionsunabhängigen Beförderungen für Grund- und Hauptschullehrer nach A 12 plus Zulage. Dies ergebe nun einen Beurteilungsmarathon, dem fast alle Lehrkräfte, auch jenseits der bisherigen Altersgrenze, unterworfen seien, was zu verständlicher Unruhe in den Kollegien führe. Ein Riesenproblem für die Kollegialität sah Schober in der Zukunft, da natürlich nur Wenige auch befördert werden. Er warnte vor Miss gunst und Demotivation. Die GEW Rosenheim sieht die unterschiedliche Eingruppierung und Laufbahnchance als nicht gerechtfertigt an und fordert für alle Lehrer eine gleiche Eingangsbesoldung nach A 13 und eine funk tionsunabhängige Beförderungsmöglichkeit.

Maifeier 2009

Alle Jahre wieder …

Wie jedes Jahr war auch heuer wieder die Vorstandschaft der GEW Rosenheim auf der Maikundgebung des DGB komplett vertreten.

Der Hauptredner Johann Schredl vom IG-Metall Bezirk Bayern sprach zum Thema „Arbeit für alle bei fairem Lohn“. Dabei kritisierte er die verantwortungslosen Lenker der Finanzfonds und dass die Arbeitnehmer für die daraus resultierende Krise übermäßig herangezogen würden.

Das Jugend-Theater-Bruckmühl sorgte auch dieses Jahr wieder mit 2 kurzen Stücken für Unterhaltung.

Das musikalische Rahmenprogramm übernahmen in diesem Jahr die Edelweiß Piraten aus Weyarn. Für ihre frechen Songs bekam die Gruppe viel Applaus. Der Höhepunkt war wohl das Lied „Bayern gehört nicht der CSU“. Alle Anwesenden reckten ihren Hals um zu sehen, welche Gesichter dabei Landrat Neiderhell und Bürgermeisterin Bauer (beide CSU) machten.