Freie Schule Glonntal

Pressemitteilung von Lothar Walter über den Besuch der Freien Schule Glonntal

Lehrer-Gewerkschaft auf der Suche nach Alternativen

Besuch der Freien Schule Glonntal

Zehn Lehrerinnen und Lehrer der Bildungsgewerkschaft GEW des Kreisverbands Rosenheim besuchen am unterrichtsfreien Samstag die Freie Schule Glonntal in Piusheim bei Glonn. Schulgründer und Schulleiter Hartmut Lüling fesselt die interessierten Pädagogen mit seinem ambitionierten Vortrag, so dass am Ende der Führung aus den veranschlagten 90 Minuten drei Stunden geworden sind.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat weitergehende bildungsreformerische Vorstellungen, z. B. fordert sie eine Schule für alle ohne Leistungsdruck und Auslese. Die überwiegende Zahl der Mitglieder kennen aus der Praxis die Schwächen und Krankheiten des gegliederten Schulsystems. So ist der Kreisverband Rosenheim seit Jahren auf der Suche nach praktikablen Alternativen und besucht jedes Jahr eine pädagogische Alternative zur staatlichen Schule. Heuer stand nun die Freie Schule Glonntal auf dem Programm.

Schulleiter Hartmut Lüling wies sich in seiner kurzweiligen Einführung als engagierter Pädagoge aus, dessen Lebens- und Berufsweg konsequenterweise in die Gründung seiner Schule mündete. Sie beruhe auf einem erweiterten Waldorf-Konzept und ist staatlich genehmigt. Sie biete einen integrativen und einheitlichen Bildungsgang von der 1. bis zur 12. Klasse an und führe zu Abitur oder mittlere Reife. Eine Auslese auf Grund der Begabungslage oder der vorherigen Leistungen und Verhaltensauffälligkeiten der Schüler/innen finde nicht statt. Erwartet werde aber ein pädagogisches wie finanzielles Engagement der Eltern.

Die Schule wurde vor vier Jahren mit 220 Kindern gegründet, hat derzeit 370 Schüler und 64 Mitarbeiter; auf der Warteliste sind 160 Kinder vorgemerkt. Diese gestiegene Nachfrage spricht für eine erfolgreiche Schulgründung. Ist der Grund des Erfolgs auch in den drei Segelschiffen, vor Elba liegend, zu suchen? Mehrwöchige Segeltörns seien in der Tat, so Lüling, eine tragende Komponente des pädagogischen Konzepts der Schule und hätten nichts mit Dolce Vita zu tun, er erachte sie als einen wesentlichen Baustein der Menschenbildung. Das pädagogische Konzept sieht Schule als „Quelle der Kultur“, sie dürfe nicht den Zwecken der Wirtschaft untergeordnet werden. Es gelte, so Lüling, dem jungen Menschen eine „Berufsgestaltungskompetenz“ mitzugeben in einem angstfreien Schulklima ohne Sitzenbleiben und Notendruck.

Lülings Vortrag enthielt genügend Stichworte, die das Herz jedes Lehrergewerkschafters höher schlagen ließen und die zu einer kritischen Diskussion einluden. Es wurde auch zu Bedenken gegeben, ob es nicht trotz aller hehren pädagogischen Ziele zu einer sozialen Auslese der Schülerschaft komme. Das monatliche Schulgeld beträgt 270 Euro, hinzu kommen Essensgeld und Zusatzkosten für die schulischen Aktivitäten wie z. B. der Segeltörn. Die Schulfamilie sei, so Lüling, eine Solidargemeinschaft, in der jeder das gibt, was er geben kann. Aus finanziellen Gründen sei noch keine Aufnahme eines Schülers gescheitert. Ein anderer finanzieller Aspekt, gerade für Lehrer von Interesse, sei die gleiche Bezahlung.

Nach einem Rundgang durch das leere Schulgebäude und ohne natürlich die Fragen ausdiskutiert zu haben bedankte sich Kreisvorsitzender Andreas Salomon beim Gastgeber für die bereitwillige Auskunft und offene Atmosphäre, die viele interessante Informationen brachte und einen engagierten Meinungsaustausch ermöglichte.

Mythos Schule

Schulkritiker Professor Dr. Ulrich Klemm im „Z“

Bericht von Lothar Walter

Auf Einladung der GEW Rosenheim und der infogruppe Rosenheim hielt Professor Dr. Ulrich Klemm im „Z -linkes Zentrum in Selbstverwaltung“ einen Vortrag zu „Mythos Schule – Warum Bildung entstaatlicht und entschult werden muss“ . Quasi-Hausherr Stephan Geuenich begrüßte die zahlreichen Zuhörer und stellte anfangs gleich klar, dass Entstaatlichung nicht mit Privatisierung gleichzusetzen sei. Der GEW-Kreisvorsitzende Andreas Salomon hieß den Referenten zu dieser Veranstaltung mit einem für die GEW eher ungewöhnlichen Thema willkommen, sei doch Klemms theoretischer Ansatz „jenseits des offiziellen Standpunkts der GEW“. Professor Klemm wunderte sich selbst über die Einladung, da es ihm nicht um Reformen gehe, sondern die Schule müsse „als Ganzes neu gedacht werden, das System Schule ist in Frage zu stellen“. Der Vertreter einer libertären Pädagogik versuchte seine Theorie in vier Anti-Thesen zum staatlichen Schulsystem zu komprimieren. Er argumentierte dagegen, dass die jetzige Schule Wissen sichert, Kinder schützt, kulturellen Fortschritt garantiert und dass Schulreformen Schule verbessern – alles Attribute des Mythos Schule, dessen Entzauberung Klemm sich vornahm. Leitmotivisch zitierte er aus der Rede eines Rektors einer Schule in Helsinki anlässlich dessen Ansprache zum Schuljahres beginn: „Ich bin ein glücklicher Mensch, weil ich mit Euch wieder ein ganzes Jahr zusammen arbeiten darf“ und stellte dies der Wirklichkeit an deutschen Schulen gegenüber, wo Stress und Frust für alle Beteiligten, ob Schüler, Lehrer, Eltern, herrschten. Klemm kritisierte, dass die Schulpflicht das Elternrecht breche. Seiner Meinung nach sollten Eltern eigenverantwortlich entscheiden können, was, wann, wie und wo ihre Kinder lernen. Damit alle Kinder aber auch wirklich die Möglichkeit des Lernens wahrnehmen können, forderte er statt einer Schulpflicht ein Bildungsrecht für alle. Ob es Professor Klemm gelungen war, am Ende seines Vortrags den Schulmythos bei allen Zuhörern zu entzaubern, war sicher ungewiss, wie sich in der intensiven und kontroversen Diskussion zeigte. Es herrschte weitgehend Einigkeit in der Beschreibung aktueller Schwachpunkte des deutschen Schulwesens wie z. B. einer großen Zahl von Schülern ohne Abschluss oder von funktionalen Analphabeten, der Entstehung eines großen Nachhilfemarktes, von Schul- und Lernverweigerung. Um dieser Schulmisere die Alternative einer „entstaatlichten und entschulten Schule“ entgegenzusetzen, forderte Klemm vier Strukturänderungen, nämlich die Aufhebung des Lehrer-Schüler-Prinzips zugunsten eines partnerschaftlichen Unterrichtens; die Aufhebung des Lernorts Schule, stattdessen sollte das Lernen auf der Straße ermöglicht werden; die Aufhebung fremdbestimmter Lehrpläne und schließlich die Aufhebung des Unterrichts als zentrale Lernmethode. Damit würde, so Klemm, die Schule eine größere Unabhängigkeit vom Staat erhalten und zugleich würde eine demokratische Schulkultur gefördert werden. Ein kritisches Hinterfragen von Klemms antistaatlichen Positionen zeigte, dass weniger Staat zu mehr Markt führe und in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung sich der kapitalkräftigere Marktteilnehmer durchsetze – am Ende bestimme die Wirtschaft, welche Bildung die Absolventen haben müssten und das humanistische Ideal der Klemmschen Pädagogik bliebe auf der Strecke. GEW-Kreisvorsitzender Andreas Salomon dankte dem Referenten für sein spannendes Referat und stellte in seinem Schlusswort fest, dass wohl das Unbehagen am selektiven Schulsystem von allen geteilt werde, aber über Ziele und Wege einer alternativen Schule noch ein großer Diskussionsbedarf bestehe.

Das „Wunder von Rosenheim“

Am Samstag gegen 15 Uhr konnte man auf dem May-Josefs-Platz eine Flashmob sehen, eine lange Schlange von Lehramtsreferendaren, die schweigend mit Transparenten darauf aufmerksam machten, dass ihnen trotz bestandenen Examens eine Anstellung als Lehrkraft versagt wird. Die wohlwollende Unterstützung der Bevölkerung war ihnen gewiss. Zumal auch noch durch die Presse ging, dass über 800 Stellen von Kolleginnen und Kollegen, die in den Ruhestand gehen, nicht mehr neu mit Junglehrern besetzt werden, obwohl Seehofer dies ausdrücklich vor der Wahl zugesagt hatte. Die großen Lehrerverbände haben sich alle auf Initiative des Philologenverbands, der Standesvereinigung der Gymnasiallehrer, zusammengeschlossen und sprechen in Bezug auf die Nichteinstellung der Referendare von einem „volkswirtschaftlichen Wahnsinn“. Nicht weniger Lehrer an den Schulen sei das Gebot der Stunde, sondern mehr. „Angesichts immer neuer Zusatzaufgaben müssen neue Stellen im Haushalt für mehr Lehrkräfte geschaffen werden.“ Dem steht jetzt die Behauptung der Schulleiter der Rosenheimer Gymnasien entgegen: „Wir sind alle sehr zufrieden!“ Wie ist das möglich? Dort gibt es doch auch zahlreiche Referendare, die in ihrem zweiten Ausbildungsabschnitt 16-18 Unterrichtsstunden unterrichten müssen. Diese hohe Zahl an Stunden dient doch einzig dazu, den Lehrermangel zu verdecken und die Kosten niedrig zu halten. Denn die Referendare bekommen dafür nur halb so viel wie ein voll ausgebildeter Lehrer. Würde man die Pflichtstundenzahl der Referendare nur um wenige Stunden reduzieren, könnte man hunderte von frisch ausgebildeten Lehrern neu anstellen. Und wie wäre es mit einer Verringerung der Klassengrößen, die gerade an Gymnasien besonders hoch sind? Und erfordert nicht die konsequente Umsetzung der Inklusion deutlich mehr Lehrerstellen? Vielleicht sollte man einmal die Schüler der Gymnasien und die Elternbeiräte befragen, ob sie die Situation auch so rosig sehen wie die Schulleitungen.

Inklusion

GEW Rosenheim bleibt am Ball

Film und Diskussion zur Inklusion

Ein aktuelles pädagogisches Schlagwort: Inklusion – die Homepage des Kultusministeriums bietet hierzu viele Seiten Information an, doch was kommt „unten“ an? Der Kreisverband Rosenheim der GEW beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit diesem Thema, und nach dem Besuch der inklusiven Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal, der einzigen weit und breit, vor einiger Zeit, luden die GEWler zur Filmvorführung „Schule Berg Fidel“ ins „Z“ ein. Kreisvorsitzender Andreas Salomon konnte zur gut besuchten Veranstaltung Lehrer verschiedener Schularten, betroffene Eltern, Physiotherapeuten und die Leiterin der Privaten Grundschule, Frau Rita Mechtl, begrüßen. Der Film begleitet vier Schüler der vierten Klasse der Grundschule Berg Fidel, einem Stadtteil von Münster, während des Schuljahres: behindert, nichtbehindert, hochbegabt, lernschwach. Mit dem Ende des Schuljahres ist die Inklusion vorbei und die Schüler werden auf weiterführende Schulen verteilt. Als Fazit aus Film und lebhafter Diskussion, teilweise auch auf Grund persönlicher Erfahrung, war zu folgern: Inklusion, also die gemeinsame Beschulung von Kindern mit ohne Beeinträchtigung ist wünschenswert und möglich, allerdings bei einem hohen finanziellen, materiellen Aufwand und mit hohem persönlichen Einsatz. Frau Mechtl hob u. a. auch hervor, dass Inklusion nicht nach der vierten Klasse enden darf und bis zum Schulabschluss weitergeführt werden muss. In seinem Schlusswort bedankte sich Kreisvorsitzender Salomon für die engagierten Beiträge und fragte, ob Inklusion mit dem bayerischen, vielfach gegliederten Schulsystem möglich sei. Die Antwort der GEW wäre: möglichst lange gemeinsam zur Schule gehen, idealerweise „eine Schule für alle“.

Helle Empörung über Stellenstreichungen

Zurücknahme gefordert Eine recht überschaubare Zahl an Mitgliedern war zur diesjährigen wahlfreien Jahreshauptversammlung gekommen, die mit der Einladung versandte Kurzfassung des Rechenschaftsberichts des Kreisvorsitzenden Andreas Salomon schien informativ genug. Dabei waren seine mündlichen Ergänzungen erhellend und interessant und die Aussprache wurde sehr solidarisch und zielorientiert geführt. Für Empörung sorgte die Ankündigung des Kultusministeriums, 800 Lehrerstellen zu streichen. Am Ende verteilte Salomon nun schon zum neunten Mal das von ihm persönlich zusammengestellte Jahrbuch der GEW Rosenheim und kündigte dabei sein letztes Jahr als Vorsitzender an. Vor einem Jahr, so Salomon in seinem Rückblick, stand auf der Tagesordnung, die Studiengebühren zu Fall zu bringen. Diese sind zwar mittlerweile Geschichte, aber das Ergebnis der Landtagswahl sei so, „dass eine Änderung des Schulsystems in unserem Sinne nicht einmal ansatzweise zu erwarten ist.“ Unter den vielen Aktivitäten hob er deshalb auch den Besuch der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal hervor. Hier zeige sich exemplarisch, was ein auf Hochleistung und Selektion getrimmtes Schulsystem anrichte; die Herausgefallenen und Zurückgelassenen blieben mit mehr oder weniger Glück, sprich Finanzkraft, der privaten Initiative überlassen. Die private Grundschule wurde gegründet, weil das bestehende öffentliche Schulsystem Inklusion nicht ermögliche. Diese hervorragende Einrichtung sei ausgesprochen förderungswürdig. Sie nehme unter schwierigen Bedingungen einiges an Visionen der GEW-Bildungspolitik vorweg. Andreas Salomon, als Vorsitzender zugleich Vertreter der GEW im Kreisvorstand des DGB, lobte dessen harmonische Zusammenarbeit. Ein Schwerpunkt bleibe weiterhin der kritische Umgang mit der Geschichte. Er mahnte die bleibende Erinnerung an das Schicksal des verfolgten jüdischen Mädchens Elisabeth Bloch an und berichtete über die geplante Aktion Stolpersteine: Bodenplaketten vor den ehemals jüdischen Kaufhäusern. Er hoffte auf einen aufgeschlosseneren Stadtrat und nannte als Negativbeispiel die Gemeinde Dietramszell. An die Neujahrsansprachen erinnernd, deren vielfacher Tenor „2014 wird ein gutes Jahr“ war, hielt Salomon es mit Bertolt Brecht: Solche Verheißungen der Herrschenden geben immer Anlass zu größter Sorge. Wie zur Bestätigung kam die Ankündigung des Kultusministeriums 800 Lehrerstellen zu streichen – nach der Nichtübernahme von 600 erfolgreich ausgebildeten Lehrer die nächste Horrornachricht. In der Diskussion erinnerten mehrere Redner an das Versprechen der Regierungspartei vor der Landtagswahl, dass alle Planstellen, die durch die so genannte demographische Rendite angeblich nicht mehr gebraucht würden, im Bildungssystem verbleiben werden. Ganztagesbetreuung, Individualisierung und Inklusion als Großbaustellen des Bildungswesens bräuchten mehr und nicht weniger Lehrer. In einer Blitzumfrage berichtete fast jeder Anwesende von Unterrichtsausfall und fachfremden Unterrichtsvertretungen, wie z. B. Englischunterricht durch Wirtschaftslehrer. Angesichts dieser gewaltigen Reformaufgaben widersprechen Stellenstreichungen der Fürsorgepflicht des Dienstherrn. Die Versammlung forderte die Rücknahme der geplanten Stellenkürzung. „Wir sind kein Sparverein“ – so eröffnete Kassier Toni Reil seinen Finanzbericht. Nach zwei Jahren eher prekärer Finanzen und entsprechender Sparbemühungen konnte Reil eine gefüllte Kasse vorweisen und erhielt einstimmige Entlastung. Als Delegierte für die Landesvertreterversammlung wurden dem GEW Bezirksverband Andreas Salomon und Michael Mende, als Ersatzdelegierter Wolfgang Orlowski vorgeschlagen. In seinem Schlusswort dankte Salomon seinen Mitstreitern im Vorstand für die geleistete Arbeit, er sehe die Rosenheimer GEW auf einem guten Weg. Ob 2014 ein gutes Jahr werde, hänge von uns, den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen ab. Eine Entscheidung hierzu werde es mit den bevorstehenden Tarifauseinandersetzungen im Öffentlichen Dienst geben.

PISAker 2013

Bericht über das Lehrerkabarett „Die PISAker“ mit ihrem 7. Programm „Nachsitzen!“ am 28.6.2013 auf der Bühne im Lokschuppen

Bericht: Lothar Walter

Die PISAker mit ihrem siebten Programm Nachsitzen bei der GEW Rosenheim

Zu einer Doppelstunde Nachsitzen lud die GEW Rosenheim in den Saal des Stadtjugendrings im Lokschuppen ein. Statt eines Nachhilfelehrers kam das Lehrerkabarett „PISAker“ mit ihrem siebten Programm „Nachsitzen“. Vielleicht wegen eines Missverständnisses über nicht existente Karten – „Es gibt keine Karten“ meinte der Eintritt war frei, nicht dass die Vorstellung ausverkauft sei – waren die Stuhlreihen nur zu einem Drittel besetzt, weit überwiegend von noch aktiven und ehemaligen LehrerInnen. Aber Kleinkunst lebt von der Unverdrossenheit und so meinte GEW-Kreisvorsitzender Andreas Salomon ob der doch etwas enttäuschenden Resonanz bei seiner kurzen Begrüßung, so lange das Ensemble gegenüber den Zuschauern nicht in der Überzahl ist, könne nicht von einem Reinfall gesprochen werden. Es sei aber anerkennenswert, dass doch etliche Kollegen und Kolleginnen bereit seien, zu ihrer Selbstwahrnehmung im Beruf einen Blick in den Spiegel der nicht immer schmeichelhaften Fremdwahrnehmung zu riskieren, ach was, sich lustvoll hinzugeben.

In dem flotten zweistündigen Programm in zwölf Sketchen und sechs Liedern -alte Schlagermelodien mit neuen Texten- wurden die bekannten Lehrertypen – den „Dampfhammerlehrer“, den schrulligen Altachtundsechziger, den durchsetzungsunfähigen Schöngeist usw. – in skurril überzeichneten Situationen des Klassenkampfes im Klassen- und Lehrerzimmer vorgeführt. Das Publikum wusste bei „Nomen est Omen“ die Satire auf die Entwicklung sprachlich immer anspruchsvollerer Lehrpläne, die in einem mehrstufigen Prozess aus einem Vogelhäuschen im Werkunterricht ein ornithologisches Domizil macht, während der Lehrer im Unterricht dankbar auf den High-Tech-Trichter Nürnberger Provenienz zurückgreift, der alle Inhalte aller Fächer sekundenschnell in lerngerechte Papierstreifen zerschnipselt – in einer gelungenen Persiflage auf den Typus amerikanische Verkaufsshow witzig dargeboten. Andere Szenen strapazierten die Vorstellungskraft des Absurden schon sehr. So wenn sich der nicht zu Wort kommende neue Kollege als mobile Reserve mit Zusatzqualifikation für Kriseninterventionen entpuppt, in dessen Geigenkasten eine Maschinenpistole für alle Fälle bereit liegt. Oder wenn Rektorin bzw. Rektor der Förderschule bzw. der Mittelschule und die Gymnasialdirektorin um Ali als neuen Schüler bei der Mutter konkurrieren und als Gegenleistung Bügeln, Obststandaufbau oder die Steuererklärung für Alis Papa sich abpressen lassen, um im globalen Kampf um schrumpfende Humanressourcen ihre Schule nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen. Nach kräftigem Applaus und Dank an das Ensemble bat Kreisvorsitzender Andreas Salomon die Zuschauer um einen Obolus, den das Publikum großzügig

Meinungsaustausch zum Thema Sitzenbleiben

Leserbrief Andreas Salomon 2.3.2013

Sitzenbleiben abschaffen!

Über dem Eingang einer finnischen Schule fanden Besucher den Satz: „Kein Kind darf verloren gehen.“ In unserem nordischen Nachbarland gibt es kein Sitzenbleiben mehr und die PISA-Sieger fahren sehr gut damit. Auch in Deutschland reift zunehmend die Einsicht, das Sitzenbleiben abzuschaffen.

Der Leistungsabfall eines Schülers – oft in der Pubertät – hat in aller Regel erkennbare Ursachen. Frühzeitig muss in jedem Einzelfall Klärung erfolgen und frühzeitige Hilfe organisiert werden. Eltern, Lehrer und auch die Schüler selbst sind gefragt zu handeln. Meist sind es ja nur wenige Fächer, in denen Probleme auftreten. In Finnland wird den betroffenen Schülern in Kleingruppen kostenlose Nachhilfe angeboten. Manchmal lockern sich aber Lernblockaden schon, wenn häusliche Probleme, die die Kinder belasten, eine Lösung erfahren oder durch persönliche Zuwendung der Lehrkräfte begehbare Wege gefunden werden. In Einzelfällen kann auch ärztliche Hilfe sinnvoll sein bzw, die Unterstützung durch Psychologen und Therapeuten. Schüler sitzenbleiben zu lassen ist eine pädagogische Bankrotterklärung. Diese Maßnahme ist Ausdruck des Unvermögens, dem betroffenen Kind rechtzeitig geholfen zu haben. Allein schon die Gefahr des Sitzenbleibens am Ende des Schuljahres produziert unnötige Ängste, die den Leistungsabfall noch verstärken. Zu Hause gibt es bei jeder neuen schlechten Note dann auch noch Zank und Streit, Strafen werden verhängt und unbeschadet davon nimmt die drohende Katastrophe ihren Lauf, ja nimmt durch den Stress zu Hause erst richtig an Fahrt auf.

Schüler sitzenbleiben zu lassen ist eine teure disziplinarische bildungspolitische Maßnahme des Staates, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Pädagogisch sinnvoll ist diese Vorgehensweise nicht und human schon gar nicht. Das bayerische Schulsystem ist auf Aussortierung und Abstieg programmiert, auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Sinnvoll wäre es aber, niemanden zurückzulassen, niemanden zu demütigen und zu kränken und keinen zu zwingen, ein Jahr wiederholen zu müssen.

Antwort von Helmut Pritschet

Es ist immer das Gleiche: Es gilt, die eigene Ideologie durchzusetzten, da setzt man Scheuklappen auf, um von Gegenargumenten nicht verunsichert zu werden, da verwendet man in der Argumentation absolute Formulierungen wie „alle“ , „keiner“, „muss“ oder „darf nicht“, da werden mit einer falschen Logik Schlüsse gezogen, da verschweigt man Alternativen und Folgen werden einfach ignoriert. Auf die gleiche Weise wird der Einsatz für die Gesamtschule zu einem fundamentalistischen Gesamtschulismus.

Wie unseriös Gesamtschulbefürworter gegen jegliche Erkenntnistheorie verstoßen, möchte ich hier an einem häufig zitierten Beispiel zeigen:

Wenn zwei Kennzeichen A und B korrelieren

  1. kann A eine Folge von B sein.
  2. Es kann aber auch umgekehrt B eine Folge von A sein.
  3. Beide können aber auch völlig unabhängig voneinander sein.
  4. Oder beide sind von einem dritten Faktor C abhängig.

Welcher Zusammenhang besteht nucn zwischen Gesamtschulen in Skandinavien und den Pisa-Ergebnissen?

  1. Die Pisa-Ergebnisse sind in den skandinavischen Ländern, in denen es Gesamtschulen gibt, gut ausgefallen. Die GEW zieht mit dem Slogan „Von den Siegern lernen“ den Schluss, dass die Gesamtschulen Ursachen für die guten Pisa-Ergebnisse sind. Wäre dies der Fall, könnte man mit dem gleichen Recht mit dem Schlagwort „Von den Verlierern abschrecken lassen“ gegen die Gesamtschulen argumentieren, immerhin sind Berlin und NRW mit ihren Gesamtschulen im unteren Bereich der Tabelle zu finden.
  2. Nicht selten berichten Skandinavien-Reisende begeistert von der menschenfreundlichen Atmosphäre in diesen Ländern. Gäbe es diesen Menschenschlag bei uns öfter, würde es den Reisenden nicht auffallen. Man könnte folglich auch zu dem Schluss kommen, dass sich Finnland und Schweden wegen ihrer motivierten Schüler Gesamtschulen leisten kann.
  3. Für die schlechten Pisa-Ergebnisse in Deutschland spielt es sicher auch eine Rolle, dass viele unserer unmotivierten Kinder nur durch Notendruck zu besonderen Leistungen zu bewegen sind. Fehlt der Notendruck oder die Sorge vor dem Durchfallen, tun die Kinder nichts.
  4. Pisa-Sieger sind Länder wie Kanada, Australien oder Skandinavien. Das sind alles Länder mit einer geringen Bevölkerungsdichte. Auch innerhalb Deutschlands schneiden Länder mit einer geringen Bevölkerungsdichte besser ab. Eigentlich schaut es doch so aus, als sei nicht das Schulsystem für die Pisa-Ergebnisse verantwortlich, sondern ganz andere Faktoren wie die Bevölkerungsdichte. Lehrer aus dem Bayerischen Wald wissen zu berichten, dass menschenleere Waldgebiete beruhigend aufs Gemüt und den Unterricht wirken. Eine Enge wie in unseren Ballungsgebieten führt nicht nur bei Ratten zur Aggressivität. Mir wurde von Münchner Großbetrieben berichtet, die wegen der mangelnden Motivation keine Azubis aus der Stadt, sondern nur noch aus der Region nehmen. Finnland würde mit jedem Schulsystem gut abschneiden und in Ballungsgebieten helfen nicht einmal Gesamtschulen.

Beim Thema Sitzenbleiben wird ähnlich schludrig argumentiert:

„Kein Kind darf verloren gehen“, zitiert Salomon finnische Pädagogik. Klar, beim Klassenausflug darf keiner verloren gehen. Was ist aber zu tun, damit keiner verloren geht?

  • Man teilt die Kinder in Leistungsklassen, damit jeder in seinem ihm angemessenem Tempo marschieren kann. Beim Sport, bei Kursen aller Art, werden die Teilnehmer in möglichst homogene Gruppen aufgeteilt, damit man jedem gerecht werden kann. Da fühlt sich keiner beschämt, wenn er in der C-Klasse Fußball spielt. Nur der Gesamtschulismus verpönt diese Maßnahme als „Trennung von Spreu und Weizen“. Selbst Gesamtschulen trennen in Leistungsgruppen, der eine lernt Integralrechnung, der andere bleibt bei der Prozentrechnung stecken. Im Berufsleben geht es weiter, der eine bekommt eine attraktive Lehrstelle, der andere nicht, der eine macht Mikro-, der andere Kartoffel-Chips. In Berlin und Hamburg, wo die von der GEW propagierte Gesamtschule die Regelschule ist, wird tatsächlich die Spreu vom Weizen getrennt, dort schicken die Besserverdiener, denen an einer guten Schulbildung liegt, ihre Kinder auf private Gymnasien. Dies ist umso mehr verwunderlich, als es ein Anliegen der GEW ist, dass nicht nur die Kinder der Reichen eine gute Schulbildung bekommen.
  • Damit keiner verloren geht, bestimmt der Langsamste das Tempo. Dann geht aber das Potential der Schnellsten verloren. Ist es wirklich in unserem Sinne, Schüler, die beim Lernfortschritt mit dem ICE fahren können, in die Bimmelbahn zu setzen?
  • Die dritte Möglichkeit, niemanden zurück zu lassen, besteht darin, den langsamen Schülern zu helfen. Und hier zeigt sich die Unredlichkeit der Salomonschen Argumentation, er weiß zwar, dass das Sitzenbleiben teuer ist, erwähnt aber nicht, dass die von ihm vorgeschlagenen Hilfen wesentlich mehr kosten, besonders dann, wenn sie wie in Finnland, für die Eltern kostenlos sind.

Salomons Leserbrief suggeriert, dass das Sitzbleiben die Schüler demütigt und die Schule versagt hat. Er verschweigt, dass es für viele Kinder eine Chance zum Neuanfang bedeutet und dass viele Schüler Hilfen gar nicht annehmen wollen. Mit dem Begriff „demütigen“ kann man ja sehr gut Propaganda für einen -ismus machen.

Das Problem liegt meines Erachtens ganz wo anders: Lehrer mit längeren Berufserfahrung berichten übereinstimmend, dass sie Schulaufgaben, die sie vor vielen Jahren geschrieben haben, heute nicht mehr gehalten werden können, weil sie zu schlecht ausfallen würden. Und dies nicht, weil die Schüler dümmer würden, sondern weil die Leistungsbereitschaft sinkt. Dafür steigt sie Erwartungshaltung an die Schule. Viele Schüler wollen sich nicht anstrengen, aber Alles auf dem Silbertablett serviert bekommen. Die letzte Motivation mehr zu lernen, ist für Viele das Bestehen des Klassenziels. Für viele Lehrer ist die drohende Wiederholung der Klasse das letzte Mittel, Disziplin zu halten. Und genau dieses Mittel soll jetzt wegfallen. Und wenn ein Schüler nicht die Noten zum Durchkommen oder zum Übertritt bekommt, zweifeln manche Eltern nicht die Motivation des Kindes an, sondern beauftragen einen Rechtsanwalt, der die Sache richten soll. Ist es tatsächlich im Sinne der GEW, dass deshalb das Sitzenbleiben abgeschafft werden soll, weil man vor denen einknickt, die sich einen Rechtsanwalt leisten können?

Mir ist ein Fall einer Schule bekannt, in der das Sitzenbleiben nicht offiziell aber de facto abgeschafft wurde. Unterricht mit dem Ziel eines mittleren oder höheren Abschlusses ist dort nicht mehr möglich. Kein Wunder, dass das durchschnittliche Verfallsdatum der Lehrer weit unter 60 Jahren liegt. Dabei frage ich mich, wer die Lehrer in so einer Situation unterstützt, die GEW offenbar nicht, der geht es offenbar nur um die Würde der Schüler. Lieber sendet man das falsche Signal, indem man im Fall des Sitzenbleibens vom „Unvermögen“ der Schule spricht.

Die Kinder sollen nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen. Und so erscheint es mir zweifelhaft, ob man die Kinder wirklich aufs Berufsleben vorbereitet, wenn ihnen der Eindruck vermittelt wird, dass sie immer wieder aufgefangen werden. Es gibt schon genügend junge Leute, die bei den geringsten Problemen ihre Berufsausbildung abbrechen, weil sie an der Schule nicht ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz erworben haben.

Es ist klar, dass man mit der Forderung, das Sitzenbleiben abzuschaffen, die Zustimmung vieler Eltern erreicht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es einer mittleren Katastrophe gleich kommt, wenn sich abzeichnet, dass das Kind wiederholen muss. Die Schüler selbst sehen das anders, ein Großteil spricht sich für das Sitzenbleiben aus, wahrscheinlich weil sie wissen, dass sie ohne Druck nicht lernen würden und weil ihnen nicht geholfen ist, wenn ihnen alle Hürden aus dem Weg geräumt werden. Befürworter der Abschaffens, Otto Herz, meint dazu: „Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihre Metzger selber.“ Die Frage muss gestattet sein, was das für ein Pädagoge ist, der 80% der Schüler mit den allerdümmsten Kälbern vergleicht.

Was will man als Nächstes abschaffen, damit keiner beschämt oder gedemütigt wird? Noten? Abschlussprüfungen? Soll die Zukunft etwa so aussehen: Diejenigen, die für die Arbeitswelt geeignet sind, erwirtschaften das Bruttosozialprodukt und der Rest bleibt bis zur Promotion in der Ausbildung, um dann schließlich Reformpädagoge zu werden.

Schwedisches Schulsystem

Pressemitteilungvon Lothar Walter über den Vortrag von Peter Caspari am 22.4.2010 über das schwedische Schulsystem „Eine Schule für alle“

Eine Schule für alle – Einblicke in das schwedische Schulsystem

Die Rosenheimer Lehrergewerkschaft ließ sich von ihrem Bezirksvorsitzenden Peter Caspari Einblicke in das schwedische Schulsystem, einem PISA-Spitzenreiter, gewähren. Caspari kam von einer einwöchigen Fortbildungsreise nach Helsingborg und Malmö und konnte in seiner Power-Point-Präsentation auch eine bildliche Vorstellung des dortigen Schulwesens vermit-teln.

In seiner Begrüßung erinnerte der Kreisvorsitzende Andreas Salomon an das humane Ziel der GEW, eine Schule ohne Angst zu schaffen, in welcher das Kind im Mittelpunkt steht. Er wünsche sich ein Bildungssystem, das niemand ausschließe und jedem zu einem Abschluss führe. Er könne sich das nur in einem integrativen Schulsystem vorstellen.

In Schweden gehen die Kinder einfach zur Schule, von Klasse 1 bis 9, ohne weitere Bezeichnung wie Mittel-oder Realschule, eben weil es nur eine Schule für alle Kinder gibt. Diese Schule ist eine Ganztagsschule mit Verpflegung und einem Freizeitangebot. Nach der neunten Klasse gehen 97 % der Schüler weiter auf das dreijährige Gymnasium, das sowohl berufsbildende wie auch studienvorbereitende Inhalte vermittelt.

Dieser einfache, überschaubare gerade Weg in die Arbeitswelt oder auf die Universität kommt bis zur achten Klasse ohne Noten, unter Verzicht auf Sitzenbleiben und demzufolge ohne Angst vor Versagen und Abstieg aus. Eltern können also bei den intensiv in Anspruch genommenen, halbjährlichen Elterngesprächen kaum schlechte Nachrichten über Sohn oder Tochter hören, Schulsorgen sind im Prinzip unbekannt. Auf die Eltern kommen auch keine Ausgaben für Bücher, Unterrichtsmaterialien oder Schulveranstaltungen zu, nur das Mittagessen auf dem Gymnasium ist zu bezahlen. Die Kostenfreiheit der Schule ist verwirklicht. Der herkömmliche Unterricht an bayerischen Schulen, Frontalunterricht im Klassenverband, ist in Schweden weitgehend durch individualisierte Formen abgelöst. Für jeden Schüler gibt es einen individuellen Entwicklungsplan mit Projektvorhaben und wöchentlichen Schwerpunkten. Der Lehrer wird zum Coach für 12 bis 15 Schüler, er bespricht mit ihnen die Lernleistungen und überwacht die Erfüllung der Pläne und Projekte. In den Jahrgangsstufen 3, 5 und 9 gibt es nationale Prüfungen von jeweils vier Wochen Dauer mit 20 Tests in den Fächern Schwedisch, Mathematik und Englisch.

Der Referent war von den selbständig arbeitenden Schülern und der guten Ausstattung mit Lehrmaterialien und Computern beeindruckt. Wichtiger war es ihm aber, auf die gute Lehrerversorgung hinzuweisen sowie auf den hohen Stellenwert der Elternarbeit. Der schwedische Staat gibt in einem nationalen Lehrplan einen Mindestrahmen vor. Diesen füllen die Gemeinden, angepasst an die örtlichen Verhältnisse. Sie sind die für das gesamte Schulwesen einschließlich Lehrereinstellung verantwortlich. Ein kommunaler Finanzausgleich garantiert, dass in diesem dezentralen Schulsystem überall annähernd gleiche Bildungschancen bestehen. Nach Referat und Diskussion zog der Kreisvorsitzende Andreas Salomon das Fazit, dass „unterm Strich die schwedische Schule die bessere sei“. Die GEW wolle das dreigliedrige Schulsystem durch „eine Schule für alle“ ablösen. Sollte es in Bayern hierzu eines Tages kommen, so könne man auf die Erfahrungen Schwedens beim Umbau des Schulwesens zurückgreifen, denn dieses war bis in die 1990er-Jahre dreigliedrig.

PISAker 2010

Sozialschmarotzer mit Lexikongesicht Lehrerkabarett Pisaker zeigt
„Die Schule ist ein grausames Spiel“ am 12.3.2010 im Lokschuppen
Bericht im OVB am 19.03.2010 von Raphaela Hinterberger


„Alles muss raus, aber bitte die Ware nicht begrapschen, denn sie wollen doch auch keine Pädagogin kaufen, an der schon jemand rumgefingert hat“, hieß es beim Lehrerkabarett der Pisaker auf der Bühne im gut besuchten Rosenheimer Lokschuppen. Unter dem vielsagenden Titel „Die Schule ist ein grausames Spiel“ hatte der Kreisverband Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die engagierte Pauker-Truppe aus dem Chiemgau eingeladen, um den Lehrerberuf auf humoristisch-kritische Art und Weise zu beleuchten.

So packte man die Kunsterzieherin oder den Rektor im Ruhestand ohne Computerkenntnisse kurzerhand in Kartons im Factory-Outlet-Center, um sie möglichst schnell an den Mann zu bringen. Mit derart überzogenen. amüsanten Aktionen thematisierten die Pisaker gelungen die Bildungsdiskussion und brachten alle typischen Lehrer-Klischees aufs Tapet. Gerade weil die einfallsreichen Akteure selbst aktiv als Lehrer tätig sind, waren ihre kleinen Sketche vor wechselnder Kulisse von ansprechend-frischen, ja lebensnahen Ideen und einer guten Prise Kreativität geprägt.

Der Schnupper-Computerkurs für die „Generation 50 Plus“, in dem die Teilnehmer ihre Systemadministratorin durch dümmliche Zwischenfragen schier in den Wahnsinn trieben, die Dozenten, die sich im Lehrerzimmer über ihren Hass-Schüler, den „Sozialschmarotzer mit Lexikongesicht“, beklagen oder der Elternabend mit Kampf um das heiß begehrte Übertritts-Zeugnis waren im Grundgedanken und der Umsetzung besonders ansprechend. Auch die ehemalige Schülerin, die inzwischen mit ihrem Professor verheiratet ist und sich immer zu Wort melden muss, wenn sie etwas sagen möchte, und deren Mutter das Gespräch mit dem Schwiegersohn nicht etwa am Telefon, sondern gefälligst in der Sprechstunde suchen soll, sorgte für viel Begeisterung. Abwechslung brachten zudem immer wieder mit in das Programm eingebaute Songs wie „Ich will nen Lehrer als Mann“ oder „Junge, werd nie Lehrer“.

Auch weil nicht immer alles ganz perfekt und reibungslos ablief, ließ das Lehrerkabarett, dessen Mitwirkende sich schließlich im Hauptberuf nicht der Schauspielerei verschrieben haben, so charmant und authentisch wirken. Die Lehrer verkörperten die jeweiligen Charaktere offensichtlich aus erlebten Situationen heraus und überzeichneten ihre Erfahrungen mit viel Spielfreude. Applaus für wirklich beachtliche darstellerische Leistungen in einem sehenswerten Kabarett!