Helle Empörung über Stellenstreichungen

Zurücknahme gefordert Eine recht überschaubare Zahl an Mitgliedern war zur diesjährigen wahlfreien Jahreshauptversammlung gekommen, die mit der Einladung versandte Kurzfassung des Rechenschaftsberichts des Kreisvorsitzenden Andreas Salomon schien informativ genug. Dabei waren seine mündlichen Ergänzungen erhellend und interessant und die Aussprache wurde sehr solidarisch und zielorientiert geführt. Für Empörung sorgte die Ankündigung des Kultusministeriums, 800 Lehrerstellen zu streichen. Am Ende verteilte Salomon nun schon zum neunten Mal das von ihm persönlich zusammengestellte Jahrbuch der GEW Rosenheim und kündigte dabei sein letztes Jahr als Vorsitzender an. Vor einem Jahr, so Salomon in seinem Rückblick, stand auf der Tagesordnung, die Studiengebühren zu Fall zu bringen. Diese sind zwar mittlerweile Geschichte, aber das Ergebnis der Landtagswahl sei so, „dass eine Änderung des Schulsystems in unserem Sinne nicht einmal ansatzweise zu erwarten ist.“ Unter den vielen Aktivitäten hob er deshalb auch den Besuch der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal hervor. Hier zeige sich exemplarisch, was ein auf Hochleistung und Selektion getrimmtes Schulsystem anrichte; die Herausgefallenen und Zurückgelassenen blieben mit mehr oder weniger Glück, sprich Finanzkraft, der privaten Initiative überlassen. Die private Grundschule wurde gegründet, weil das bestehende öffentliche Schulsystem Inklusion nicht ermögliche. Diese hervorragende Einrichtung sei ausgesprochen förderungswürdig. Sie nehme unter schwierigen Bedingungen einiges an Visionen der GEW-Bildungspolitik vorweg. Andreas Salomon, als Vorsitzender zugleich Vertreter der GEW im Kreisvorstand des DGB, lobte dessen harmonische Zusammenarbeit. Ein Schwerpunkt bleibe weiterhin der kritische Umgang mit der Geschichte. Er mahnte die bleibende Erinnerung an das Schicksal des verfolgten jüdischen Mädchens Elisabeth Bloch an und berichtete über die geplante Aktion Stolpersteine: Bodenplaketten vor den ehemals jüdischen Kaufhäusern. Er hoffte auf einen aufgeschlosseneren Stadtrat und nannte als Negativbeispiel die Gemeinde Dietramszell. An die Neujahrsansprachen erinnernd, deren vielfacher Tenor „2014 wird ein gutes Jahr“ war, hielt Salomon es mit Bertolt Brecht: Solche Verheißungen der Herrschenden geben immer Anlass zu größter Sorge. Wie zur Bestätigung kam die Ankündigung des Kultusministeriums 800 Lehrerstellen zu streichen – nach der Nichtübernahme von 600 erfolgreich ausgebildeten Lehrer die nächste Horrornachricht. In der Diskussion erinnerten mehrere Redner an das Versprechen der Regierungspartei vor der Landtagswahl, dass alle Planstellen, die durch die so genannte demographische Rendite angeblich nicht mehr gebraucht würden, im Bildungssystem verbleiben werden. Ganztagesbetreuung, Individualisierung und Inklusion als Großbaustellen des Bildungswesens bräuchten mehr und nicht weniger Lehrer. In einer Blitzumfrage berichtete fast jeder Anwesende von Unterrichtsausfall und fachfremden Unterrichtsvertretungen, wie z. B. Englischunterricht durch Wirtschaftslehrer. Angesichts dieser gewaltigen Reformaufgaben widersprechen Stellenstreichungen der Fürsorgepflicht des Dienstherrn. Die Versammlung forderte die Rücknahme der geplanten Stellenkürzung. „Wir sind kein Sparverein“ – so eröffnete Kassier Toni Reil seinen Finanzbericht. Nach zwei Jahren eher prekärer Finanzen und entsprechender Sparbemühungen konnte Reil eine gefüllte Kasse vorweisen und erhielt einstimmige Entlastung. Als Delegierte für die Landesvertreterversammlung wurden dem GEW Bezirksverband Andreas Salomon und Michael Mende, als Ersatzdelegierter Wolfgang Orlowski vorgeschlagen. In seinem Schlusswort dankte Salomon seinen Mitstreitern im Vorstand für die geleistete Arbeit, er sehe die Rosenheimer GEW auf einem guten Weg. Ob 2014 ein gutes Jahr werde, hänge von uns, den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen ab. Eine Entscheidung hierzu werde es mit den bevorstehenden Tarifauseinandersetzungen im Öffentlichen Dienst geben.

Jahreshauptversammlung der GEW Rosenheim

Relative Erfolge bei dünner Personaldecke

Die erste Mitgliedersammlung im noch neuen Jahr ist traditionell die Jahreshauptversamm-lung. Hier wird im Kreisverband Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rückschau auf das abgelaufene Jahr gehalten und die Planung für das laufende aufgestellt. Die Chance für Weichenstellungen nutzten aber kaum mehr Mitglieder als die sonst Aktiven. Und bei den Anwesenden offenbare sich auch das Dilemma, wie Kreisvorsitzender Andreas Salomon zur Eröffnung feststellte: zu alt und männlich. Die Jahreshauptversammlung war durch die Versendung des Rechenschaftsberichts gut vorbereitet, so dass sich Salomon auf einige Höhepunkte und mündliche Ergänzungen zum Rechenschaftsbericht beschränkte, so dass wiederum mehr Zeit für die kritische Aussprache übrig blieb. Der Kreisverband verzeichne zwar einen langsamen, aber stetigen Mitgliederzuwachs, vornehmlich durch Eintritte, aber es gelinge nicht, mehr Aktive zu motivieren. Frauen und Kindergartenpersonal zählen nicht zu den Aktiven und so, bedauerte Salomon, seien sie auch nicht im Kreisvorstand vertreten. Sorgen bereiteten auch die sich abzeichnende Überalte- rung. Es sei bisher nicht gelungen, jüngere Mitglieder in die Vorstandsarbeit einzubinden. Glanzpunkte waren die Kabarettveranstaltung der PISAker mit 150 Zuschauern und die zwei Ausflüge, im Sommer nach Bergen in das Industriemuseum Maxhütte und im Herbst die zwei tägige Exkursion nach Nürnberg in die Stadt der NS-Reichsparteitage und der Nürnberger Prozesse. Salomon hob besonders die gute Vorbereitung durch seinen Stellvertreter Reiner Schober hervor, wie er sich auch bei Webmaster Helmut Pritschet für die Betreuung der GEW-Homepage und bei Kassier Toni Reil für die Kassenführung bedankte. Damit war das Stichwort für den Kassenbericht gefallen. Die Kassenlage sei prekär, aber nicht dramatisch, so Reil. Er verwies auf die strukturelle Unterfinanzierung der Kreis-GEW: Schon seit Jahren sind die Ausgaben höher als die Einnahmen. Allein die jährlich zehn Rundschreiben an die Mitglieder verschlängen den Beitragsanteil des Kreisverbands. Sparen bedeute aber weniger Aktivitäten, was in der Diskussion abgelehnt wurde. „Politische Maßnahmen des Kreisverbandes sind bisher noch nie am Geld gescheitert“, so Vorsitzender Salomon. Also vertrauten die versammelten Mitglieder wie bisher auf die Fähigkeit des Vorsitzenden, Zuschüsse von der Bezirks- und Landes-GEW „loszueisen“ und für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen. In seinem Resümee hob Kreisvorsitzender Salomon den starken Zusammenhalt und die guten persönlichen Beziehungen im Vorstand und unter den Aktiven hervor, was ein nicht zu unterschätzender Motivationsfaktor für die Arbeit, Mühe und den Zeitaufwand sei. Auch als Dank verstanden, verteilte er am Schluss an die Anwesenden das mittlerweile fünfte Jahrbuch der GEW Rosenheim.