Rundgang Räterepublik

Auf den Spuren der Räterepublik

Informativer Rundgang durch Kolbermoor mit Gedenken an Schuhmann und Lahn

Anlässlich der gewerkschaftlichen Feierlichkeiten zum 1.Mai führte der Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Andreas Salomon einen historischen Rundgang durch Kolbermoor durch, um die Erinnerung an die Geschichte der Arbeiterbewegung und vor allem an die Rätezeit 1918/19 wachzuhalten. Dabei wurden rote Nelken und ein Gesteck für die am 4. Mai 1919 ermordeten Opfer, den Volksratsvorsitzenden Georg Schuhmann und seinen Sekretär Alois Lahn, an der Gedenktafel bei der Tonwerksunterführung niedergelegt. Salomon gab zunächst einen Überblick über die Entwicklung und Organisation der hiesigen Arbeiterbewegung, um sichtbar zu machen, aus welchen Wurzeln das Kolbermoorer Rätesystem sich entfalten und viel Zustimmung finden konnte. Der Rundgang führte vom Bahnhof über die Schuhmannstraße zu den Gräbern von Schuhmann und Lahn auf dem alten Friedhof, wo Salomon die Verdienste der Ermordeten für Kolbermoor würdigte. Vorbei am Lahn-Haus wurde dem Heimatmuseum ein kurzer Besuch abgestattet, für den dankenswerter Weise kein Eintritt erhoben wurde. Dort konnten verschiedene Dokumente zur Rätezeit angeschaut werden. Schließlich erinnerte Salomon an der Gedenkstätte, wie grausam Schuhmann und Lahn ums Leben gekommen waren. Vor dem Mareissaal, in dem die großen Volksversammlungen stattfanden, endete die informative Führung unter viel Beifall.

Rudolf Link – ein Kolbermoorer Revolutionär

Maiveranstaltung des DGB am 30.4.2011 in Kolbermoor

Die Maiveranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Kolbermoor wurde dieses Jahr von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gestaltet. In einem packenden Vortrag referierte der Kreisvorsitzende Andreas Salomon über den jungen Lehrer Rudolf Link, der während der Rätezeit 1919 in Kolbermoor Mitglied des 3. Volksrates, des revolutionären Arbeiterrates, gewesen war. Im voll besetzten Nebenzimmer der Pizzeria Milano zum Mareis, einem historischen Ort in Bezug auf die damalige Zeit, gelang es Salomon auf lebendige und anschauliche Weise das Leben und Wirken von Rudolf Link und seine Bedeutung für Kolbermoor sichtbar zu machen.

Der 24-jährige Link trat am 16. September 1918 seinen Dienst als Hilfslehrer an der Kolbermoorer Volksschule an und übernahm die Klasse V b. Nach 17 Monaten Kriegseinsatz war dies seine erste Stelle. In den „Schulgeschichtlichen Aufzeichnungen“ weiß Schulleiter Wilhelm Zerr über seinen Kollegen in den kommenden Monaten nichts Besonderes zu vermerken. Nach neun Monaten liest man allerdings: wegen „spartakistischer“ Aktivitäten nach Hilgertshausen versetzt.

Was war passiert? Zwei Monate nach dem Amtsantritt von Link war in Kolbermoor im Mareissaal der 1. Volksrat gebildet worden (11. November) und Link dürfte dessen Aktivitäten mit großem Interesse beobachtet und möglicherweise auch inhaltlich begleitet haben. Noch taucht sein Name nirgends im Zusammenhang mit den Räten auf. Aus späteren polizeilichen Vernehmungen wissen wir, dass er am 1.4.1919 der Kommunistischen Partei beitrat. Vier Wochen später, am 29.4.1919 wurde er in den neunköpfigen Revolutionären Arbeiterrat gewählt und übernahm die Aufgabe des Schriftführers. Link fällt mit dieser Mitgliedschaft eine ausgesprochen bedeutsame Aufgabe zu. Denn der Volksratsvorsitzende Georg Schuhmann ist zu dieser Zeit der 5. Kolbermoorer Bürgermeister und der Volksrat mit Rudolf Link ist gewählt, um die Geschicke der Stadt mitzubestimmen.

Aber der Volksrat ist nur noch wenige Tage im Amt, denn 6000 Mitglieder der Regierungstruppen und Weißgardisten ziehen am 2. Mai einen Belagerungsring um Kolbermoor, um endgültig der Räterepublik in Bayern ein Ende zu bereiten. Kolbermoor ist bayernweit die letzte Bastion. Im Mareissaal kommt es zu erregten Diskussionen, die Link in seinem Notizbuch notiert, aus dem Salomon erstmalig zitiert. Was ist zu tun? Soll man mit Waffengewalt verteidigen und sich bedingungslos ergeben wie von den Kolbermoorern verlangt wird? Schließlich kommt es mit den Belagerern zu Verhandlungen und Link ist einer der beiden Verhandlungsführer der Räte. Dank Schuhmanns großem Einfluss wird von einer Verteidigung mit Waffen abgesehen und die Stadt übergeben.

Einen Tag später werden Georg Schuhmann und Alois Lahn aus ihren Wohnungen gezerrt und bei der Tonwerksunterführung von Grafinger Weißgardisten erschossen. Am 7. Mai findet unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung die Beerdigung statt. Rudolf Link spricht „namens der Genossen und Genossinnen“ und legt einen Kranz nieder. Weniger Tage später erscheint sein Nachruf in der Zeitung. Dort heißt es unter anderem: „Wir mussten unseren Schuhmann begraben, ihn, dessen selbstlose Hingabe für die werktätige Einwohnerschaft auch der politische Gegner würdigen muß. Alles für andere, für sich nichts! (…).“ Link appelliert an die Anhänger der Räterepublik, in ihrem Kampf um Freiheit nicht nachzulassen.

Link, der bereits am 4. Mai verhaftet worden war, wurde nur für die Beerdigung kurz freigelassen, um erneut inhaftiert zu werden. Seine Lehrerkollegen und der Schulleiter setzen sich für seine Freilassung ein und wollen für ihn bürgen. Sein Kollege Johann Lorenz gibt zu Protokoll, Link sei ein sehr ruhiger Mensch, habe auch beruhigend auf die Regierungstruppen eingewirkt und sei nie „hetzerisch“ aufgetreten. Als seine Wohnung nach Waffen durchsucht wird, werden stattdessen Liebesbriefen gefunden, die auf zarte und empfindsame Weise Zeugnis von seiner Beziehung mit der Kolbermoorerin Marie Schrank ablegen.

Auch der Betriebsratsvositzende der Spinnerei Adolf Pesold setzte sich für Link ein. Dieser gibt selbst zu Protokoll unschuldig zu sein, alle Anklagepunkte seien unzutreffend. Nie habe er ein Gewehr benutzt, allerdings sich bewaffnet wie alle anderen Arbeiter, zu denen er sich zugehörig fühle, auch. Es gelingt nicht, Link eine strafbare Handlung nachzuweisen und schließlich muss er entlassen werden, wird aber nach Hilgertshausen strafversetzt. 1933 mit dem Machtantritt der Nazis wird Rudolf Link aus dem Schuldienst entlassen. Dann verliert sich seine Spur.

Die Anwesenden dankten dem Referenten mit anhaltendem Applaus für seine kenntnisreiche und spannende Darstellung.

Kurt Eisner – Revolutionär des Alltags


Pressebericht von Andreas Salomon über den Veranstaltung am 4.5.09

Im Rahmen der Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Kolbermoorer Räterepublik vor 90 Jahren referierte Prof. Dr. Klaus Weber über den bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, den er als „Revolutionär des Alltags“ vorstellte.

Zunächst zeigte Weber auf, warum gerade Eisner zum Anführer der revolutionären Bewegung im Herbst 1918 wurde. Schon Anfang des Jahres war er wegen seiner führenden Beteiligung am großen Streik der Münchner Arbeiter für die Beendigung des Krieges inhaftiert worden. Und als er im Oktober freigelassen wurde, setzte er sich gleich wieder mit Vehemenz für einen klaren Trennungsstrich zwischen dem deutschen Kaiserreich und der noch zu schaffenden demokratischen Gesellschaft ein.

Eisners Auftreten bei Massenversammlungen, so der Referent, habe wesentlich dazu beigetragen, die Menschen in Bewegung zu versetzen. Der spätere bayerische Ministerpräsident habe die einfachen Menschen bis in ihr Alltagsleben hinein mit all ihren Sorgen und Nöten sehr gut gekannt und ihre Sprache gesprochen. Bei der großen Friedenskundgebung am 7. November 1918 auf der Theresienwiese vermag er die Massen zu begeistern, die schließlich die Kasernen stürmen. Noch am gleichen Tag wird er von den neu gebildeten Arbeiter- und Soldatenräten zu ihrem Vorsitzenden gewählt und zum Ministerpräsidenten ausgerufen.

In seinen folgenden Ausführungen lässt sich Weber ausführlich auf die Revolutionsfeier vom 17. November 1918 ein, die im Großen Haus des Münchner Nationaltheaters stattfindet. Eingeleitet wird die Feier durch Beethovens Leonoren-Ouvertüre, die für Eisner den Widerstand gegen die reaktionären Kräfte in Europa symbolisiert.

Im Weiteren widmet sich Weber dem Journalisten und Erzähler Eisner, allerdings nicht ohne vorher wesentliche Errungenschaften der Revolution zu erwähnen wie die Erkämpfung des Frauenwahlrechts, die Etablierung von Religion an Schulen als Wahlfach oder die Abschaffung der Adelstitel. Nach einer Wahlniederlage seiner Partei, der USPD, habe Eisner zurücktreten wollen und sei auf dem Weg zum Landtag am 21. Februar 1919 ermordet worden.

Von Beruf war Eisner eigentlich Journalist, und zwar ein recht erfolgreicher. Weber berichtet, dass er „mit feinem Strich“ Menschen gezeichnet habe, die aus erstarrender Passivität wieder zu befreiender Handlung gefunden hätten. So habe er sich auch immer wieder religiösen Themen gewidmet, um die mit den kirchlichen Ritualen verbunden Demutshaltungen der einzelnen Menschen in Frage zu stellen. Ihm sei es darum gegangen, so der Referent, „die Selbsttätigkeit der Einzelnen in der Masse anzuregen“, sodass sie ihre „veränderungsfähigen Potentiale“ erkennen.

Abschließend zog Dr. Weber das Resümee, dass Eisner immer auf die Menschen gesetzt habe, um einen demokratischen Neuanfang zu versuchen. Das habe ihn für die Anhänger des alten Systems so gefährlich gemacht.

Revolution! Bayern 1918/19

Pressebericht über den Besuch der Ausstellung „Revolution! Bayern 1918/19“ im Haus der Bayerischen Geschichte von Lothar Walter

Ausflug in die Vergangenheit

Rosenheimer GEW fährt zur „Räterepublik“

Neunzig Jahre „Revolution! Bayern 1918/19“ – so der Titel der vom Haus der Bayerischen Geschichte zusammen mit der Universität München im Münchner Literaturhaus gezeigten Ausstellung- waren das Ziel einer fünfzehnköpfigen Schar Rosenheimer GEWler, die auf Einladung des Kreisvorstands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft einen gemein samen Ausstellungsbesuch unternahmen.

Eine kriegsmüde, hungernde Bevölkerung demonstriert massenhaft spontan vor der Residenz, der König flieht, das Machtvakuum lässt Hoffnungen auf eine bessere Zukunft für breite Volksschichten aufkeimen, die Revolution bricht sich -vorerst ruhige- Bahn. Ein tragischer Wendepunkt ist die Ermordung des Revolutionsführers und Ministerpräsidenten Kurt Eisner. Die Ereignisse überschlagen sich, überstürzte Ausrufung der Räterepublik, Bewaffnung der Arbeiter und der Freikorps. Was friedlich begann, nimmt an Heftigkeit und Gewalttaten zu und führt zu einem Bürgerkrieg, an dessen Ende ein hemmungsloses Morden der Weißen stand. Es wurde gründlich „aufgeräumt“ unter den Roten. Aus der Bayerischen Räterepublik wurde die „Ordnungszelle Bayern“ – eine ideale Brutstätte der Nazis.

Die Gewerkschafter waren beeindruckt von der von Studenten gemachten und geführten Aus stellung. Als Resümee zog Kreisvorsitzender Andreas Salomon einen Vergleich zur Kolber moorer Rätezeit, deren anderer und durchwegs friedlicher Verlauf von der Reaktion in Blut ertränkt wurde.

Auf den Spuren der Kolbermoorer Räterepublik

Ein historischer Rundgang mit Andreas Salomon von der GEW

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Kreisverband Rosenheim) führte anlässlich der bayernweiten Feierlichkeiten zum Gedenken an die Räterepublik vor 90 Jahren einen historischen Rundgang durch Kolbermoor durch, um die Erinnerung an diese Zeit wachzuhalten und der in Kolbermoor ermordeten Opfer, Georg Schuhmann und Alois Lahn, zu gedenken.

Andreas Salomon, der Kreisvorsitzende der GEW, konnte für die fast zweistündige Führung zahlreiche Besucher von nah und fern begrüßen, worunter sich auch eine größere Gruppe von Freidenkern befand, die extra aus München angereist waren und Blumen mitbrachten, die sie an den Gräbern sowie bei der Gedenktafel an der Tonwerksunterführung niederlegten.

Salomon gab zunächst in der Schuhmannstraße einen Überblick über die Kolbermoorer Geschichte, wobei er den Schwerpunkt auf die Entwicklung und Organisation der Arbeiterbewegung legte, um sichtbar zu machen, aus welchen Wurzeln die Kolbermoorer Räterepublik sich entfalten und soviel Zustimmung finden konnte.

1863 nahm die Baumwollspinnerei ihren Betrieb auf und bereits zwei Jahre später zählte man in Kolbermoor schon über 1000 Einwohner. Allerdings waren die Arbeiter, Taglöhner, Gesellen und Dienstboten von der Mitbestimmung in kommunalen Fragen ausgeschlossen. Die politischen Angelegenheiten wurden weitgehend von der Direktion der Baumwollspinnerei geregelt. Aber schon 1869 kam es zur Gründung einer Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und 1899 durch den Gastwirt Franz Sperber zur Gründung einer Ortsgruppe der SPD.

Während des 1. Weltkrieges, in dem 153 Kolbermoorer fielen, hatten sich die Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten in Kolbermoor wie überall dramatisch verschlechtert. Es kam zu ernsthaften Versorgungsschwierigkeiten und einer starken Verteuerung. Bekannt ist der Hungermarsch der Kolbermoorer Arbeiterfrauen nach Bad Aibling zum Bezirksamt, wo die Frau des Bezirksamtmannes aus dem Fenster gerufen haben soll, wenn die Kolbermoorer kein Gemüse hätten, sollten sie doch Gras fressen. Unzufriedenheit und Mangel an allen Dingen kennzeichneten die Lage.

Als in München Kurt Eisner am 7. November 1918 die Republik ausrief und ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat gegründet wurde, zögerte man auch in Kolbermoor nicht lange und die SPD rief die Bevölkerung auf, im Mareissaal zusammenzukommen, wo am 11.November ein 25-köpfiger 1. Volksrat gewählt wurde. Dieser setzte sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammen und war ein Kontrollorgan des Gemeinderates. Der 32-jährige Georg Schuhmann kam erst wenige Tage später nach Kolbermoor. Offensichtlich fand er sich schnell in die Situation vor Ort hinein und wurde bei der 2.Volksratwahl am 8. Januar 1919 nicht nur gleich gewählt, sondern auch noch am gleichen Tag dessen!.Vorsitzender. Schuhmann war, so ist aus dem Beschlussbuch der Räte zu entnehmen, außerordentlich rührig und war bei der Bevölkerung bald sehr beliebt, kümmerte er sich doch um Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, gründete mit den anderen Räten einen Lebensmittelausschuss zur Überwachung der Geschäfte, damit es zu gerechter Verteilung kam, ging der Ärztefrage nach, wandte sich gegen die Überteuerung von manchen Gebrauchsgegenständen und ging viele andere Probleme an. Ihm zur Hand stand sein erst 18-jähriger Sekretär Alois Lahn.

Der Rundgang führte von der Schuhmannstraße und dem Schuhmannhaus weiter zum Straßenschild. Und Salomon erläuterte, dass die Schuhmannstraße erst 1947 diesen Namen erhalten habe mit der Begründung: „Herr Schuhmann, der in der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges infolge seiner demokratischen Gesinnung das Leben lassen musste, soll dadurch geehrt werden, dass die Straße seines Geburts- bzw. Wohnhauses seinen Namen erhält.“ Dieser Beschluss wurde von CSU, SPD und KPD einstimmig gefasst.

An den Gräbern der zwei Ermordeten wurden deren Verdienste für Kolbermoor gewürdigt und hervorgehoben, dass Schuhmann, der inzwischen Bürgermeister war, dafür eingetreten war, die Stadt ohne Blutvergießen zu übergeben, als Weißgardisten einen Ring um sie gezogen hatten. Als Schuhmann und Lahn zu Grabe getragen wurden, geleitete sie ganz Kolbermoor zur letzten Ruhestätte. Ein Trauerzug war verboten worden, weil man Unruhen befürchtete. So war der Friedhof, so berichten es die Chroniken, schwarz von Menschen. Aufgestellte Maschinengewehre sorgten dafür, dass kein Tumult ausbrach.

Auf dem weiteren Rundgang wurde auch dem Heimatmuseum ein kurzer Besuch abgestattet, um die dort gezeigten Dokumente zur Rätezeit anzuschauen. Stefan Reischl vom Verein Heimatmuseum ist es zu danken, dass die ganze Gruppe dafür keinen Eintritt zu zahlen brauchte. Andreas Salomon sah darin eine Geste, die in Zukunft auf mehr Zusammenarbeit aller an der Geschichte Kolbermoors Interessierten hinweist.

Tief beeindruckt erfuhren die Zuhörer schließlich bei der Gedenkstätte an der Tonwerksunterführung wie Schuhmann und Lahn auf brutalste Weise von Grafinger Weißgardisten zu Tode gekommen waren und dennoch später vor Gericht freigesprochen wurden.

Vor dem Mareissaal, in dem die großen Volksversammlungen stattfanden und wo schließlich die Übergabe und damit das Ende der Kolbermoorer Räterepublik beschlossen wurde, endete unter viel Beifall die ausgesprochen informative Führung.

Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass auch vier junge Männer an der Führung teilnahmen, die von sich behaupteten, Mitglieder der Grafinger Weißgardisten zu sein und die sich auch extra entsprechend gekleidet hatten. Sie wollten ganz offensichtlich die Veranstaltung durch ihr provokatives Auftreten stören. Als besonders niederträchtig empfanden die Teilnehmer des Rundgangs, dass einer von ihnen auf dem Rücken eine alte Schreibmaschine trug. Mit einer solchen war Alois Lahn vor 90 Jahren der Schädel eingeschlagen worden. Andreas Salomon verstand es sehr geschickt ihre Provokationen ins Leere laufen zu lassen, behandelte sie freundlich als interessierte Teilnehmer und verhinderte dadurch offensichtlich beabsichtigte Ausschreitungen. Anschließend stiegen die „Weißgardisten“ in ein Auto, das ein Hitlerbild zierte.