Freie Schule Glonntal

Pressemitteilung von Lothar Walter über den Besuch der Freien Schule Glonntal

Lehrer-Gewerkschaft auf der Suche nach Alternativen

Besuch der Freien Schule Glonntal

Zehn Lehrerinnen und Lehrer der Bildungsgewerkschaft GEW des Kreisverbands Rosenheim besuchen am unterrichtsfreien Samstag die Freie Schule Glonntal in Piusheim bei Glonn. Schulgründer und Schulleiter Hartmut Lüling fesselt die interessierten Pädagogen mit seinem ambitionierten Vortrag, so dass am Ende der Führung aus den veranschlagten 90 Minuten drei Stunden geworden sind.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat weitergehende bildungsreformerische Vorstellungen, z. B. fordert sie eine Schule für alle ohne Leistungsdruck und Auslese. Die überwiegende Zahl der Mitglieder kennen aus der Praxis die Schwächen und Krankheiten des gegliederten Schulsystems. So ist der Kreisverband Rosenheim seit Jahren auf der Suche nach praktikablen Alternativen und besucht jedes Jahr eine pädagogische Alternative zur staatlichen Schule. Heuer stand nun die Freie Schule Glonntal auf dem Programm.

Schulleiter Hartmut Lüling wies sich in seiner kurzweiligen Einführung als engagierter Pädagoge aus, dessen Lebens- und Berufsweg konsequenterweise in die Gründung seiner Schule mündete. Sie beruhe auf einem erweiterten Waldorf-Konzept und ist staatlich genehmigt. Sie biete einen integrativen und einheitlichen Bildungsgang von der 1. bis zur 12. Klasse an und führe zu Abitur oder mittlere Reife. Eine Auslese auf Grund der Begabungslage oder der vorherigen Leistungen und Verhaltensauffälligkeiten der Schüler/innen finde nicht statt. Erwartet werde aber ein pädagogisches wie finanzielles Engagement der Eltern.

Die Schule wurde vor vier Jahren mit 220 Kindern gegründet, hat derzeit 370 Schüler und 64 Mitarbeiter; auf der Warteliste sind 160 Kinder vorgemerkt. Diese gestiegene Nachfrage spricht für eine erfolgreiche Schulgründung. Ist der Grund des Erfolgs auch in den drei Segelschiffen, vor Elba liegend, zu suchen? Mehrwöchige Segeltörns seien in der Tat, so Lüling, eine tragende Komponente des pädagogischen Konzepts der Schule und hätten nichts mit Dolce Vita zu tun, er erachte sie als einen wesentlichen Baustein der Menschenbildung. Das pädagogische Konzept sieht Schule als „Quelle der Kultur“, sie dürfe nicht den Zwecken der Wirtschaft untergeordnet werden. Es gelte, so Lüling, dem jungen Menschen eine „Berufsgestaltungskompetenz“ mitzugeben in einem angstfreien Schulklima ohne Sitzenbleiben und Notendruck.

Lülings Vortrag enthielt genügend Stichworte, die das Herz jedes Lehrergewerkschafters höher schlagen ließen und die zu einer kritischen Diskussion einluden. Es wurde auch zu Bedenken gegeben, ob es nicht trotz aller hehren pädagogischen Ziele zu einer sozialen Auslese der Schülerschaft komme. Das monatliche Schulgeld beträgt 270 Euro, hinzu kommen Essensgeld und Zusatzkosten für die schulischen Aktivitäten wie z. B. der Segeltörn. Die Schulfamilie sei, so Lüling, eine Solidargemeinschaft, in der jeder das gibt, was er geben kann. Aus finanziellen Gründen sei noch keine Aufnahme eines Schülers gescheitert. Ein anderer finanzieller Aspekt, gerade für Lehrer von Interesse, sei die gleiche Bezahlung.

Nach einem Rundgang durch das leere Schulgebäude und ohne natürlich die Fragen ausdiskutiert zu haben bedankte sich Kreisvorsitzender Andreas Salomon beim Gastgeber für die bereitwillige Auskunft und offene Atmosphäre, die viele interessante Informationen brachte und einen engagierten Meinungsaustausch ermöglichte.

Helmut erklärt den Gruppen-IQ

Stellungnahme des Kreisvorstandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu den Schmierereien auf der Schuhmann-Gedenktafel in Kolbermoor

In der Nacht zum 1. Juni 2014 wurde in Kolbermoor die Gedenktafel, die an den am 4. Mai 1919 ermordeten Kolbermoorer Volksratsvorsitzenden Georg Schuhmann und seinen Kampfgenossen Alois Lahn erinnert, von Unbekannten mit schwarzer Farbe beschmiert. Sie schrieben: „Noske, do it again!“ und dazu hinterließen sie zwei große Hakenkreuze. Ein weiteres Hakenkreuz wurde in der Tonwerksunterführung, die zu der Gedenkstelle führt, an die Wand gesprüht. Im Namen unserer Gewerkschaft habe ich bei der Polizei in Bad Aibling Anzeige erstattet. Dies ist bereits der dritte Anschlag in Kolbermoor auf die Erinnerungsarbeit der GEW an die Kolbermoorer Rätezeit. Die erste Tafel wurde im Januar 2000, also nicht einmal ein Jahr nach der Errichtung mit blauer Farbe so zugesprüht, dass wir sie ersetzen mussten. Am 10. Mai 2009 führte ich einen Rundgang durch Kolbermoor auf den Spuren der Räterepublik durch, an dem auch zwei junge Männer in der Tracht der Weißgardisten teilnahmen. Einer von ihnen trug auf dem Rücken eine Schreibmaschine. Dies war eine ungeheure Provokation, wurde doch Alois Lahn, der der Schreiber von Schuhmann war, mit einer Schreibmaschine der Schädel eingeschlagen. Ich ließ mich damals nicht irritieren und ließ sie mitgehen – in der Hoffnung, dass sie was dazulernen würden. Sie verhielten sich ruhig, zogen danach ab und stiegen in ein Auto, in dem NPD-Flugblätter lagen. Der jetzige dritte Anschlag spricht ebenfalls eine deutliche Sprache. Als es um die Niederschlagung der Revolution von 1918/19 ging, war es allen voran der Polizeiminister Noske, der zuerst in Kiel und sodann im Reich mit äußerster Brutalität vorging, wobei Hunderte von Menschen ermordet wurden. „Einer muss der Bluthund werden, ich scheue die Verantwortung nicht.“ Rücksichtslos schlug er den Spartakusaufstand nieder, wobei er auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht umbringen ließ. Wenn die Nazis in Kolbermoor auf die Tafel schmierten, Noske solle es doch noch einmal tun (do it again), so ist das eine unmissverständliche Aufforderung, dass es wieder jemanden brauche, der mit Gewalt sich alle fortschrittlichen Kräfte entledige. Der Anschlag auf die Tafel in Kolbermoor ist ein Anschlag auf uns alle. Er enthält eine Morddrohung an uns, die wir nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Derartigen Aktionen der Nazis müssen wir entschieden entgegentreten und vor allem geschlossen. Unsere ganze Wachsamkeit ist gefordert, den braunen Umtrieben keinen Raum zu lassen und für Freiheit und Demokratie einzutreten.

Inklusion

GEW Rosenheim bleibt am Ball

Film und Diskussion zur Inklusion

Ein aktuelles pädagogisches Schlagwort: Inklusion – die Homepage des Kultusministeriums bietet hierzu viele Seiten Information an, doch was kommt „unten“ an? Der Kreisverband Rosenheim der GEW beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit diesem Thema, und nach dem Besuch der inklusiven Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal, der einzigen weit und breit, vor einiger Zeit, luden die GEWler zur Filmvorführung „Schule Berg Fidel“ ins „Z“ ein. Kreisvorsitzender Andreas Salomon konnte zur gut besuchten Veranstaltung Lehrer verschiedener Schularten, betroffene Eltern, Physiotherapeuten und die Leiterin der Privaten Grundschule, Frau Rita Mechtl, begrüßen. Der Film begleitet vier Schüler der vierten Klasse der Grundschule Berg Fidel, einem Stadtteil von Münster, während des Schuljahres: behindert, nichtbehindert, hochbegabt, lernschwach. Mit dem Ende des Schuljahres ist die Inklusion vorbei und die Schüler werden auf weiterführende Schulen verteilt. Als Fazit aus Film und lebhafter Diskussion, teilweise auch auf Grund persönlicher Erfahrung, war zu folgern: Inklusion, also die gemeinsame Beschulung von Kindern mit ohne Beeinträchtigung ist wünschenswert und möglich, allerdings bei einem hohen finanziellen, materiellen Aufwand und mit hohem persönlichen Einsatz. Frau Mechtl hob u. a. auch hervor, dass Inklusion nicht nach der vierten Klasse enden darf und bis zum Schulabschluss weitergeführt werden muss. In seinem Schlusswort bedankte sich Kreisvorsitzender Salomon für die engagierten Beiträge und fragte, ob Inklusion mit dem bayerischen, vielfach gegliederten Schulsystem möglich sei. Die Antwort der GEW wäre: möglichst lange gemeinsam zur Schule gehen, idealerweise „eine Schule für alle“.

Helle Empörung über Stellenstreichungen

Zurücknahme gefordert Eine recht überschaubare Zahl an Mitgliedern war zur diesjährigen wahlfreien Jahreshauptversammlung gekommen, die mit der Einladung versandte Kurzfassung des Rechenschaftsberichts des Kreisvorsitzenden Andreas Salomon schien informativ genug. Dabei waren seine mündlichen Ergänzungen erhellend und interessant und die Aussprache wurde sehr solidarisch und zielorientiert geführt. Für Empörung sorgte die Ankündigung des Kultusministeriums, 800 Lehrerstellen zu streichen. Am Ende verteilte Salomon nun schon zum neunten Mal das von ihm persönlich zusammengestellte Jahrbuch der GEW Rosenheim und kündigte dabei sein letztes Jahr als Vorsitzender an. Vor einem Jahr, so Salomon in seinem Rückblick, stand auf der Tagesordnung, die Studiengebühren zu Fall zu bringen. Diese sind zwar mittlerweile Geschichte, aber das Ergebnis der Landtagswahl sei so, „dass eine Änderung des Schulsystems in unserem Sinne nicht einmal ansatzweise zu erwarten ist.“ Unter den vielen Aktivitäten hob er deshalb auch den Besuch der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal hervor. Hier zeige sich exemplarisch, was ein auf Hochleistung und Selektion getrimmtes Schulsystem anrichte; die Herausgefallenen und Zurückgelassenen blieben mit mehr oder weniger Glück, sprich Finanzkraft, der privaten Initiative überlassen. Die private Grundschule wurde gegründet, weil das bestehende öffentliche Schulsystem Inklusion nicht ermögliche. Diese hervorragende Einrichtung sei ausgesprochen förderungswürdig. Sie nehme unter schwierigen Bedingungen einiges an Visionen der GEW-Bildungspolitik vorweg. Andreas Salomon, als Vorsitzender zugleich Vertreter der GEW im Kreisvorstand des DGB, lobte dessen harmonische Zusammenarbeit. Ein Schwerpunkt bleibe weiterhin der kritische Umgang mit der Geschichte. Er mahnte die bleibende Erinnerung an das Schicksal des verfolgten jüdischen Mädchens Elisabeth Bloch an und berichtete über die geplante Aktion Stolpersteine: Bodenplaketten vor den ehemals jüdischen Kaufhäusern. Er hoffte auf einen aufgeschlosseneren Stadtrat und nannte als Negativbeispiel die Gemeinde Dietramszell. An die Neujahrsansprachen erinnernd, deren vielfacher Tenor „2014 wird ein gutes Jahr“ war, hielt Salomon es mit Bertolt Brecht: Solche Verheißungen der Herrschenden geben immer Anlass zu größter Sorge. Wie zur Bestätigung kam die Ankündigung des Kultusministeriums 800 Lehrerstellen zu streichen – nach der Nichtübernahme von 600 erfolgreich ausgebildeten Lehrer die nächste Horrornachricht. In der Diskussion erinnerten mehrere Redner an das Versprechen der Regierungspartei vor der Landtagswahl, dass alle Planstellen, die durch die so genannte demographische Rendite angeblich nicht mehr gebraucht würden, im Bildungssystem verbleiben werden. Ganztagesbetreuung, Individualisierung und Inklusion als Großbaustellen des Bildungswesens bräuchten mehr und nicht weniger Lehrer. In einer Blitzumfrage berichtete fast jeder Anwesende von Unterrichtsausfall und fachfremden Unterrichtsvertretungen, wie z. B. Englischunterricht durch Wirtschaftslehrer. Angesichts dieser gewaltigen Reformaufgaben widersprechen Stellenstreichungen der Fürsorgepflicht des Dienstherrn. Die Versammlung forderte die Rücknahme der geplanten Stellenkürzung. „Wir sind kein Sparverein“ – so eröffnete Kassier Toni Reil seinen Finanzbericht. Nach zwei Jahren eher prekärer Finanzen und entsprechender Sparbemühungen konnte Reil eine gefüllte Kasse vorweisen und erhielt einstimmige Entlastung. Als Delegierte für die Landesvertreterversammlung wurden dem GEW Bezirksverband Andreas Salomon und Michael Mende, als Ersatzdelegierter Wolfgang Orlowski vorgeschlagen. In seinem Schlusswort dankte Salomon seinen Mitstreitern im Vorstand für die geleistete Arbeit, er sehe die Rosenheimer GEW auf einem guten Weg. Ob 2014 ein gutes Jahr werde, hänge von uns, den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen ab. Eine Entscheidung hierzu werde es mit den bevorstehenden Tarifauseinandersetzungen im Öffentlichen Dienst geben.

KV-Versammlung Februar 13


Pressemitteilung Nr. 3/2013

Solidarisch mit Streik im öffentlichen Dienst Auf dem Mitgliedertreffen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Kreisverband Rosenheim, berichtete Michael Mende über die Streikaktivitäten von Ver.di. Auch wenn die GEW in Bayern noch nicht streikt, war allen Anwesenden bewusst, dass die streikenden Ver.di-Mitglieder auch für die Lehrer den Kopf hinhalten. Aktuell geht es um eine Lohnforderung von 6,5 % und um die Abwehr der Urlaubskürzung von vier Tagen bei neu eingestellten Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes. Für die Lehrergewerkschaft kommt noch als wichtiges Problem hinzu, die Eingruppierung der Lehrkräfte durch Tarifvertrag zu regeln und nicht wie bisher durch einseitige Festlegung des Dienstherrn. In diesem Zusammenhang berichtete Kreisvorsitzender Andreas Salomon von Fällen von Lohndumping im Privatschulbereich. Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt drehte sich um die aktuellste schulpolitische Forderung: Inklusion. Damit ist die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung gemeint, wobei -im Unterschied zur „bloßen“ Integration – nicht die Behinderten sich den Gegebenheiten anzupassen hätten, sondern sich die Schule auf die besonderen Bedürfnisse von behinderten Menschen einzustellen habe, wobei neben körperlicher Behinderung auch lernschwache, erzie hungsschwierige oder verhaltensauffällige Schüler zu verstehen sind. Mit einem gewissen Sarkas mus sahen mehrere Mitglieder Inklusion in mancher Privatschule, Mittelschule oder manchen Berufs schulklassen bereits als realisiert an. Tenor der intensiven Diskussion war, dass die Idee gut und zu begrüßen sei, aber eine große Skepsis herrschte hinsichtlich ihrer bildungspolitischen Umsetzung. Ohne ausreichende materielle und personelle Ressourcen würde die flächendeckende Einführung der Inklusion nur auf dem Rücken der Lehrer geschehen.

Mit vorsichtigem Optimismus ins neue Jahr

Mit vorsichtigem Optimismus startet der Kreisverband Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ins neue Jahr: Der Generationenwechsel wurde angegangen. Angesichts der aktuellen Lage wurde die Rückschau auf das abgelaufene Jahr gestrafft. Breiten Raum in der Diskussion nahm das Volksbegehren gegen die Studiengebühren ein. Die GEW Rosenheim unterstützt einhellig das Volksbegehren. In der Diskussion wurde herausgestellt, dass das Menschenrecht auf Bildung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig gemacht werden darf. Jeder junge Mensch sollte die seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechende Ausbildung, ohne zahlen zu müssen, machen können und schuldenfrei in das Berufsleben starten. Die Lehrergewerkschafter wollen aber keine Privilegien für bestimmte Bevölkerungsgruppen, sondern sehen auch das Problem der Eigenfinanzierung bei der beruflichen Bildung, z. B. bei der Meisterausbildung. Fernziel müsse sein, Bildung als öffentliches Gut für alle kostenfrei anzubieten. Deutschland als eine reiche Nation kann sich das leisten, wenn man die Steuergeschenke der letzten Jahrzehnte an die Reichen rückgängig mache und die Verschwendung von Steuergeldern, wie z. B. das Landesbankdebakel, verhindert. Der Erfolg des Volksbegehrens sei aber nicht sicher. Die Rosenheimer GEW ruft nicht nur die direkt Betroffenen auf, in die Rathäuser zu gehen und gegen Studiengebühren zu stimmen. Dies wäre ein erster Schritt, um das Menschenrecht auf Bildung für alle zu gewährleisten. Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt war, wie die Erinnerung an Elisabeth Block würdig und dauerhaft wach gehalten werden kann. Sie ist durch ihre Tagebücher bekannt geworden, die die zunehmende Entrechtung und Vernichtung ihrer Familie als Juden in der Nazizeit dokumentieren. Einen Vorschlag, der schon bei der Übergabe der Originaltagebücher an die Stadt Rosenheim geäußert wurde, griff Kreisvorsitzender Andreas Salomon auf und sprach sich dafür aus, dass die Städtische Realschule für Mädchen den Namen „Elisabeth Block“ tragen sollte. Mit dieser Namensgebung könne das Andenken und das antifaschistische Vermächtnis bewahrt und an die nächste Generation weitergegeben werden. Da der Rechenschaftsbericht mit der Einladung versandt wurde, konnte Kreisvorsitzender Salomon bei seinem Vortrag sich auf einige Schwerpunkte beschränken. So lobte er die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Rosenheimer DGB- Kreisvorstand, wo auch die Stimme der kleinen Gewerkschaft GEW zählt. Kassier Toni Reil konnte erstmals seit drei Jahren wieder einen positiven Kassenbericht vorlegen. Es wurde ein Überschuss in der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung erzielt, so dass die Finanzlage des GEW Kreisverbandes stabil ist. Bevor es zu der Neuwahl des Vorstands kam, hob Salomon in seinem Dank an die Vorstandskollegen besonders Reiner Schober hervor, der als sein Stellvertreter viele wichtige Impulse für den Kreisverband gegeben habe und der Spiritus Rector der antifaschistischen Erinnerungsarbeit war. Schober hatte viele Exkursionen der Rosenheimer GEW zu Mahn- und Gedenkorten in der Umgebung wie auch bayernweit organisiert. Nach seiner Pensionierung stand Schober für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Die Vorstandswahlen brachten folgendes Ergebnis: Wiedergewählt wurden Vorsitzender Andreas Salomon, Kassier Toni Reil und Schriftführer Lothar Walter, neu ins Amt kam Stephan Geuenich als Stellvertretender Kreisvorsitzender. Beisitzer sind Helmut Pritschet, Michael Mende und Wolfgang Orlowski. In seinem Schlusswort bedauerte der alte und neue Vorsitzende Andreas Salomon zwar das Ausscheiden seines bisherigen Stellvertreters, mit dem er sehr harmonisch zusammengearbeitet habe, er freute sich aber, dass es gelungen sei, zwei engagierte Mitglieder aus der Generation der Dreißig-jährigen für die Vorstandsarbeit zu gewinnen und zugleich den Bereich der Sozialpädagogen und ErzieherInnen fachlich abzudecken. Als „Zuckerl“ für die Anwesenden verteilte er das in Eigenarbeit erstellte mittlerweile siebte Jahrbuch der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft des Kreisverbandes Rosenheim.

Jahreshauptversammlung der GEW Rosenheim

Relative Erfolge bei dünner Personaldecke

Die erste Mitgliedersammlung im noch neuen Jahr ist traditionell die Jahreshauptversamm-lung. Hier wird im Kreisverband Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rückschau auf das abgelaufene Jahr gehalten und die Planung für das laufende aufgestellt. Die Chance für Weichenstellungen nutzten aber kaum mehr Mitglieder als die sonst Aktiven. Und bei den Anwesenden offenbare sich auch das Dilemma, wie Kreisvorsitzender Andreas Salomon zur Eröffnung feststellte: zu alt und männlich. Die Jahreshauptversammlung war durch die Versendung des Rechenschaftsberichts gut vorbereitet, so dass sich Salomon auf einige Höhepunkte und mündliche Ergänzungen zum Rechenschaftsbericht beschränkte, so dass wiederum mehr Zeit für die kritische Aussprache übrig blieb. Der Kreisverband verzeichne zwar einen langsamen, aber stetigen Mitgliederzuwachs, vornehmlich durch Eintritte, aber es gelinge nicht, mehr Aktive zu motivieren. Frauen und Kindergartenpersonal zählen nicht zu den Aktiven und so, bedauerte Salomon, seien sie auch nicht im Kreisvorstand vertreten. Sorgen bereiteten auch die sich abzeichnende Überalte- rung. Es sei bisher nicht gelungen, jüngere Mitglieder in die Vorstandsarbeit einzubinden. Glanzpunkte waren die Kabarettveranstaltung der PISAker mit 150 Zuschauern und die zwei Ausflüge, im Sommer nach Bergen in das Industriemuseum Maxhütte und im Herbst die zwei tägige Exkursion nach Nürnberg in die Stadt der NS-Reichsparteitage und der Nürnberger Prozesse. Salomon hob besonders die gute Vorbereitung durch seinen Stellvertreter Reiner Schober hervor, wie er sich auch bei Webmaster Helmut Pritschet für die Betreuung der GEW-Homepage und bei Kassier Toni Reil für die Kassenführung bedankte. Damit war das Stichwort für den Kassenbericht gefallen. Die Kassenlage sei prekär, aber nicht dramatisch, so Reil. Er verwies auf die strukturelle Unterfinanzierung der Kreis-GEW: Schon seit Jahren sind die Ausgaben höher als die Einnahmen. Allein die jährlich zehn Rundschreiben an die Mitglieder verschlängen den Beitragsanteil des Kreisverbands. Sparen bedeute aber weniger Aktivitäten, was in der Diskussion abgelehnt wurde. „Politische Maßnahmen des Kreisverbandes sind bisher noch nie am Geld gescheitert“, so Vorsitzender Salomon. Also vertrauten die versammelten Mitglieder wie bisher auf die Fähigkeit des Vorsitzenden, Zuschüsse von der Bezirks- und Landes-GEW „loszueisen“ und für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen. In seinem Resümee hob Kreisvorsitzender Salomon den starken Zusammenhalt und die guten persönlichen Beziehungen im Vorstand und unter den Aktiven hervor, was ein nicht zu unterschätzender Motivationsfaktor für die Arbeit, Mühe und den Zeitaufwand sei. Auch als Dank verstanden, verteilte er am Schluss an die Anwesenden das mittlerweile fünfte Jahrbuch der GEW Rosenheim.

Jahreshauptversammlung 2011

Prekariat der Dichter und Denker

Dank des im Voraus versandten Rechenschaftsberichts konnte Kreisvorsitzender Andreas Salomon sich eine Litanei aller Vorkommnisse ersparen und stattdessen in launigen Worten Stärken und Schwächen des Kreisverbandes Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft schlaglichtartig beleuchten. Mit leichtem Stolz präsentierte er zum fünften Mal sein Jahrbuch. Spiralgeheftet dokumentieren achtzig Seiten akribisch alle Ereignisse und Aktivitäten der GEW Rosenheim im abgelaufenen Jahr. Die langsame, aber stetige Aufwärtsentwicklung der Mitgliederzahlen und die stillen Erfolge im Rechtschutz – was nach Salomon „mehr Bares im Geldbeutel für die vor Gericht obsiegenden Mitglieder“ bedeutet – sowie eine nun stabile Kassenlage und die Vielzahl an Veranstaltungen stehen auf der Habenseite der Jahresbilanz. Großen Zuspruch fanden die kulturellen Angebote. Der Besuch bei politischen Veranstaltungen lasse aber zu wünschen übrig, so Salomon. Er plädierte daher für eine sinnvolle Beschränkung. Quasi eine Leerstelle im Kreisverband sei die Organisierung und Vertretung der Erzieherinnen und sozial-pädagogischen Berufe – entgegen dem Landes- und Bundestrend, wo die GEW große Erfolge verzeichnen könne. Ein aufgeräumter Vorsitzender blickte optimistisch in die Zukunft, da es angesichts des momentanen Zustandes des Kapitalismus zu vermehrter Gegenwehr der Betroffenen kommen würde. Den thematischen Schwerpunkt der Jahreshauptversammlung eröffnete der Gast des Abends, Christine Seiz-Livadas, Mitglied des Landesvorstands im Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung der Gewerkschaft ver.di, Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft. Obwohl beide Gewerkschaften in diesem Organisationsbereich Konkurrenten sind, war der gemeinsame Wille vorhanden, im Interesse der Arbeitnehmer am gleichen Strang zu ziehen. In ihrem Grußwort brachte Seiz-Livadas erschütternde Beispiele prekärer Beschäftigung im Wissenschafts- und Weiterbildungsbereich. Hochqualifizierte Akademiker hangeln sich jahrelang von einer kurzfristigen Beschäftigung zur nächsten, unterbrochen durch Zeiten der Arbeitslosigkeit während der Semester- oder Schulferien. Gerade Weiterbildungsträger sparen sich hier gerne Personalkosten, obwohl sie mit Zertifizierungssiegeln, die fest angestellte Kursleiter vorschreiben, um Auftragsmaßnahmen werben. Nur zu oft sei es außen hui, innen pfui! Den Schaden haben neben den ausgebeuteten Beschäftigten die Kursteilnehmer, denen Qualität vorenthalten werde. Es scheine so, dass die Kostenträger gar nicht genau hinschauen und gar nicht wissen wollen, was tatsächlich abläuft; Hauptsache die Maßnahme kostet nicht viel und die Statistik stimmt. In der Diskussion wurde anhand weiterer Beispiele deutlich, dass ungeschützt Arbeitende als neue soziale Gruppierung ein stetig wachsender, fester Bestandteil unserer Arbeitswelt sind. Prekarisierung ist mittlerweile kein Unterschichtphänomen mehr, Teile der Mittelschicht sind direkt vor dem sozialen Abstieg bedroht. Prekariat bedeutet ein Leben mit materiellem Mangel, Unsicherheit, ungünstige Arbeitsbedingungen und Anerkennungsdefizite, was eine längerfristige Lebensplanung verunmögliche. Seiz-Livadas forderte die Politik auf, das Teilzeit- und Befristungsgesetz sowie das Wissenschaftszeitvertragsgesetz zu novellieren. Beide Gewerkschaften wollen einen Branchentarifvertrag „Weiterbildung“ erreichen. Als Kreisvorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW und Deutschlehrer zeigte sich Salomon überzeugt, dass in diesem bevorstehenden schweren Kampf der Gewerkschaften „Goethe auf unserer Seite stünde, denn ohne soziale Absicherung aller Bildungsarbeiter und -arbeiterinnen ist es vorbei mit dem Land der Dichter und Denker“.

Jahreshauptversammlung 09

Pressemitteilung vom 02.02.2009 von Lothar Walter

Rückblick auf erfolgreiches Jahr

Jahreshauptversammlung der GEW Rosenheim

Auf ein erfolgreiches Jahr nach der Umstrukturierung im Vorstand konnte der Kreisvorsitzende der Gewerk schaft Erziehung und Wissenschaft, Andreas Salomon, zurückblicken. Das hohe Niveau der Aktivitäten, wie z. B. regelmäßige Information der Mitglieder und etliche Veranstaltungen politischer und geselliger Art, eine stabile Kassenlage sowie ein leichter Mitgliederzuwachs ließen viel Freude aufkommen.

In seinem Rechenschaftsbericht sah Salomon den Rosenheimer GEW-Kreis an der Spitze der ländlichen Kreisverbände in Oberbayern. Erfolgsfaktoren seien eine weitgehende Harmonie im Verband und eine emotionale Bindungskraft, die einen aktiven Kern von GEWlern entstehen ließen. Salomon dankte für stabile und verläßliche Arbeitsstrukturen im Vorstand, namentlich seinen Stellvertretern Reiner Schober und Wolfgang Orlowski, dem Kassier Toni Reil, dem Homepage-Master Helmut Pritschet und dem Pressewart Lothar Walter. Einen eigenen Rechenschaftsbericht brachte Michael Mende für die Junge GEW ein.

In der anschließenden Dikussion nahmen die aktuellen tarif- und beamtenpolitischen Probleme einen breiten Raum ein. Im Nachfolgetarifvertrag für den früheren BAT, dem Tarifvertrag für die Landesangestellten TV-L seien von der Gewerkschaft Fehler gemacht worden. Bei einem Arbeitsplatzwechsel nach vielen Berufsjahren werde der Besitzstand nicht gewahrt, es sei nicht zwingend die Anrechnung der Berufserfahrung vorgeschrieben, was sich vor allem private Arbeitgeber zu Nutze machten. Das könne bis zu 1 000 Euro Einkommensverlust pro Monat führen. Als einen Fortschritt mit Nebenwirkungen bezeichnete Reiner Schober die für September 2009 vorgesehenen ersten funktionsunabhängigen Beförderungen für Grund- und Hauptschullehrer nach A 12 plus Zulage. Dies ergebe nun einen Beurteilungsmarathon, dem fast alle Lehrkräfte, auch jenseits der bisherigen Altersgrenze, unterworfen seien, was zu verständlicher Unruhe in den Kollegien führe. Ein Riesenproblem für die Kollegialität sah Schober in der Zukunft, da natürlich nur Wenige auch befördert werden. Er warnte vor Miss gunst und Demotivation. Die GEW Rosenheim sieht die unterschiedliche Eingruppierung und Laufbahnchance als nicht gerechtfertigt an und fordert für alle Lehrer eine gleiche Eingangsbesoldung nach A 13 und eine funk tionsunabhängige Beförderungsmöglichkeit.

Kinder brauchen Grenzen

Pressemitteilung vom 29.10.2010 von Lothar Walter zum Vortrag von Prof. Dr. Klaus Weber bei der GEW Rosenheim

„Kinder brauchen Grenzen – brauchen Kinder Grenzen?“

Kinder und die Probleme, die Eltern und Lehrer mit deren Erziehung haben, sind in aller Munde. Für die einen sind sie „Tyrannen“, denen die Erziehenden nichts entgegenzusetzen haben, für die anderen „kleine Menschen“, die Hilfe und Schutz benötigen, um „in die Gesellschaft hineinzuwachsen“. Pädagogen und Psychologen scheinen zu wissen, wie viel Disziplin Kinder brauchen, damit sie auch zu dem werden, was man von ihnen erhofft. Landauf, landab hört man von den Grenzen, welche Kindern unbedingt gesetzt werden müssten.

Zu diesem aktuellen Thema sprach auf Einladung des Kreisverbandes Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Professor Dr. Klaus Weber, der an der Hochschule München für angewandte Sozialwissenschaften Psychologie und Suchttheorien lehrt. Kreisvorsitzender Andreas Salomon knüpfte in seinen einführenden Worten an die banale Tatsache an, dass jeder Erwachsene rechtliche und moralische Grenzen einzuhalten habe, sonst er mit Konsequenzen rechnen müsse. Das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit in der Erziehung und Setzen von Grenzen müsse jede Generation immer wieder neu bestimmen, so interpretierte Salomon das Fragezeichen im Vortragsthema.

Professor Klaus Weber betonte, dass es unmöglich sei, die Leitfrage mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten. Das Kind solle sich in seine Umwelt einfügen und lernen Pflichten zu erfüllen. Die Ratgeberliteratur widerspreche sich oft und biete Erziehern und Eltern kaum echte Hilfe. Professor Weber untersuchte nun in seinem Vortrag die vom Bayerischen Staats-ministerium für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen kostenlos an alle Kinderärzte verteilte CD-ROM bzw. DVD, die diese bei der FrüherkennungsuntersuchungU7a zum dritten Geburtstag des Kindes den Eltern überreichen. Diese DVD gibt praktische Erziehungstipps und beruht auf dem Konzept Freiheit in Grenzen des emeritierten Psychologieprofessors Klaus Schneewind.

Weber analysierte zunächst, dass die Filmszenen in einer Familie der wohlhabenden Mittel-schicht spielen und somit für die Bevölkerungsmehrheit, also für Familien in engen wirt-schaftlichen Grenzen, kaum bedeutsam seien. Es werde ständig an den Gefühlen der Kinder „herumgepolt“. Die Eltern sollen das Einmaleins des Gefühlsmanagements beherrschen. Damit können sie erreichen, dass Kinder das, was sie tun sollen, auch tun wollen. Weber kritisierte dies als eine Erziehung zur Herstellung von Untertanen.

Professor Weber lehnt also eine „Pseudo-Partnerschaft“, in der die „Machtverhältnisse ausgeblendet werden“, ab. Letztlich gebieten doch die Eltern über die Kinder. Er plädierte für eine ehrliche und liebevolle Erziehung. Die Grenzen, die Eltern tagtäglich selbst erfahren und ihren Kindern weitergeben müssen, sollten den Kindern einsichtig gemacht werden. Kinder brauchen keine Regeln an sich, so Weber, sondern begründete Regeln.