Hitlers „Mein Kampf“

GEW Rosenheim mit Prof. Dr. Klaus Weber, München

Hitlers „Mein Kampf“ – die Banalität des Bösen entmystifiziert

Zur kommentierten Neuausgabe des Instituts für Zeitgeschichte

Auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Kreisverband Rosenheim sprach Professor Dr. Klaus Weber von der Hochschule München, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften, zur gerade vorbereiteten kommentierten Neuausgabe des „verbotenen Buches“ durch das Münchner Institut für Zeitgeschichte im Rosenheimer „Z – linkes Zentrum in Selbstverwaltung“. Kreisvorsitzender Andreas Salomon konnte ein „volles Haus“ begrüßen mit Interessierten weit über den üblichen Kreis der GEWler. Professor Dr. Klaus Weber ist Erzieher und Diplompsychologe und forscht seit 30 Jahren zu den Themen Rassismus und Faschismus. Er ist ehrenamtlicher Projektberater für psychologische und sozialpsychologische Fragestellungen für das Institut für Zeitgeschichte im Zusammenhang mit der kommentierten Neuausgabe von Hitlers „Mein Kampf“. Gleich vorneweg, so Klaus Weber, das „Buch“ sei nicht verboten. Sein Besitz, Erwerb und Verkauf ist, anders als Kinderpornographie, nicht verboten. Man kann es im Internet oder Antiquariaten kaufen. Nicht erlaubt ist der Nachdruck, weil der Freistaat Bayern das Urheberrecht darauf hat; dieses läuft 2015 aus. Weber glaubt nicht, dass rechte Kreise dann eine Neuauflage auf den Markt bringen werden, denn „Nazis würden sich eh antiquarisch eindecken – Kaufpreis je nach Auflage und Ausstattung von 40 bis 8 000 Euro“. Gedacht ist an eine vierbändige kommentierte Ausgabe für ca. 98 Euro – Weber schätzt deshalb eine Auflage von 5 000 Exemplaren, also für einen engen Kreis an, vorzugsweise institutionellen, Käufern. Allerdings plant die Bundeszentrale für politische Bildung Auszüge mit Handreichungen für Schulen in Millionen-Auflage. Ein 7-köpfiges Wissenschaftler-Team arbeitet sehr akribisch an der Neuausgabe; anerkennend bemerkte Weber, dass der Startschuss unter der schwarz-gelben Bundesregierung fiel. Quasi jede Zeile aus „Mein Kampf“ wird daraufhin überprüft, was Hitler an wissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Zeit wissen konnte und welche Belegstelle es gibt. Webers Resümee: Hitler hat kaum originäre Gedanken entwickelt, allerdings bündelt er den grassierenden Antisemitismus seiner Zeit und treibt ihn auf eine massenmörderische Spitze. Weber bedauerte, dass diese kommentierte Neuausgabe so spät komme, diene sie doch der Entmystifizierung eines hetzerischen Machwerkes und zeige die Banalität des Bösen. In der sehr breiten Diskussion trat Weber der Auffassung entgegen, dass „Mein Kampf“ das Werk eines Irren, deshalb wirr und schwer verständlich sei. Wenn man die Grundannahmen teile, so Weber, argumentiere Hitler durchaus logisch, also nicht verwirrt. Der erste Teil (über die Juden) wende sich eher an Parteigenossen und sei in einem „Proletenjargon“ geschrieben – was sich zwar, so Weber, mit einem bildungsbürgerlichen Anspruch nicht decke, aber gerade deswegen leicht zu lesen sei. Deshalb wurde von mehreren Diskutanten gefragt, ob dieses Buch „gefährlich“ sei. Nach Weber sei „Mein Kampf“, das subjektivistische Geschreibsel über die eingebildete nationale Drangsal, nicht konstitutiv für den Nationalsozialismus. In millionenfacher Auflage vorhanden, hätte es angeblich fast niemand gelesen. Aber seine ideologischen Konstrukte des Antisemitismus und des Konzepts eines Volks ohne Raum waren damals allgegenwärtig. So fragte auch Kreisvorsitzender Andreas Salomon in seinem Schlusswort, auch wenn und weil heute der Antisemitismus nicht manifest ist, was an judenfeindlichen Vorurteilen in der Gesellschaft vorhanden sei. Er sehe in der kommentierten Neuausgabe einen wichtigen Beitrag zur politischen Aufklärung. Es sei aber auch die Stadt Rosenheim gefordert, ihren Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte zu leisten. Salomon erinnerte an das Gedenken an Elisabeth Block durch eine Namensgebung der städtischen Realschule wie auch an die Aktion Stolpersteine vor den ehemals jüdischen Kaufhäusern in Rosenheim.

Bilder aus dem Kreisverband

Andreas Salomon auf Bildungsreise

Elserdenkmal in Königsbronn
Andreas will auch mal Pfarrer sein
Radlparkplatz
Mit Sandalen und Aktenmappe ins Hochgebirge:
Andreas und Wolfgang in Oberaudorf
Wolfgang hat sich zum ersten Mal in seinem Leben die Bild gekauft.
Er liest nicht nur Bild, er trinkt auch Duce-Grappa
Abends in Flossenbürg
Schläfer, nach anstrengendem Programm
Bleibst, wo’s hi g’erst?
Der Zug ist auf der Heimfahrt wegen der Wiesen-Besucher restlos überfüllt
Andreas will es so haben (Barlach-Ausstellung)
Grabpflege
an der Friedhofsmauer
Mid’n Huat bist guat
Da müssen wir aussteigen.
Andreas erkundet die Stollen
„Ich will hier rein!“
Auf den Bus kannst du lange warten
GEW-Treffen beim Bardentreffen in Nürnberg
Helmut nach der Radltour auf dem Irschenberg
Andreas ist stolz, mit einer Veranstaltung ins Kuko zu kommen
Geburtstagsfeier bei Anita
Geburtstagsfeier bei Anita
Helmut erklärt den Gruppen-IQ

Helmut erklärt den Gruppen-IQ

Stellungnahme des Kreisvorstandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu den Schmierereien auf der Schuhmann-Gedenktafel in Kolbermoor

In der Nacht zum 1. Juni 2014 wurde in Kolbermoor die Gedenktafel, die an den am 4. Mai 1919 ermordeten Kolbermoorer Volksratsvorsitzenden Georg Schuhmann und seinen Kampfgenossen Alois Lahn erinnert, von Unbekannten mit schwarzer Farbe beschmiert. Sie schrieben: „Noske, do it again!“ und dazu hinterließen sie zwei große Hakenkreuze. Ein weiteres Hakenkreuz wurde in der Tonwerksunterführung, die zu der Gedenkstelle führt, an die Wand gesprüht. Im Namen unserer Gewerkschaft habe ich bei der Polizei in Bad Aibling Anzeige erstattet. Dies ist bereits der dritte Anschlag in Kolbermoor auf die Erinnerungsarbeit der GEW an die Kolbermoorer Rätezeit. Die erste Tafel wurde im Januar 2000, also nicht einmal ein Jahr nach der Errichtung mit blauer Farbe so zugesprüht, dass wir sie ersetzen mussten. Am 10. Mai 2009 führte ich einen Rundgang durch Kolbermoor auf den Spuren der Räterepublik durch, an dem auch zwei junge Männer in der Tracht der Weißgardisten teilnahmen. Einer von ihnen trug auf dem Rücken eine Schreibmaschine. Dies war eine ungeheure Provokation, wurde doch Alois Lahn, der der Schreiber von Schuhmann war, mit einer Schreibmaschine der Schädel eingeschlagen. Ich ließ mich damals nicht irritieren und ließ sie mitgehen – in der Hoffnung, dass sie was dazulernen würden. Sie verhielten sich ruhig, zogen danach ab und stiegen in ein Auto, in dem NPD-Flugblätter lagen. Der jetzige dritte Anschlag spricht ebenfalls eine deutliche Sprache. Als es um die Niederschlagung der Revolution von 1918/19 ging, war es allen voran der Polizeiminister Noske, der zuerst in Kiel und sodann im Reich mit äußerster Brutalität vorging, wobei Hunderte von Menschen ermordet wurden. „Einer muss der Bluthund werden, ich scheue die Verantwortung nicht.“ Rücksichtslos schlug er den Spartakusaufstand nieder, wobei er auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht umbringen ließ. Wenn die Nazis in Kolbermoor auf die Tafel schmierten, Noske solle es doch noch einmal tun (do it again), so ist das eine unmissverständliche Aufforderung, dass es wieder jemanden brauche, der mit Gewalt sich alle fortschrittlichen Kräfte entledige. Der Anschlag auf die Tafel in Kolbermoor ist ein Anschlag auf uns alle. Er enthält eine Morddrohung an uns, die wir nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Derartigen Aktionen der Nazis müssen wir entschieden entgegentreten und vor allem geschlossen. Unsere ganze Wachsamkeit ist gefordert, den braunen Umtrieben keinen Raum zu lassen und für Freiheit und Demokratie einzutreten.

Inklusion

GEW Rosenheim bleibt am Ball

Film und Diskussion zur Inklusion

Ein aktuelles pädagogisches Schlagwort: Inklusion – die Homepage des Kultusministeriums bietet hierzu viele Seiten Information an, doch was kommt „unten“ an? Der Kreisverband Rosenheim der GEW beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit diesem Thema, und nach dem Besuch der inklusiven Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal, der einzigen weit und breit, vor einiger Zeit, luden die GEWler zur Filmvorführung „Schule Berg Fidel“ ins „Z“ ein. Kreisvorsitzender Andreas Salomon konnte zur gut besuchten Veranstaltung Lehrer verschiedener Schularten, betroffene Eltern, Physiotherapeuten und die Leiterin der Privaten Grundschule, Frau Rita Mechtl, begrüßen. Der Film begleitet vier Schüler der vierten Klasse der Grundschule Berg Fidel, einem Stadtteil von Münster, während des Schuljahres: behindert, nichtbehindert, hochbegabt, lernschwach. Mit dem Ende des Schuljahres ist die Inklusion vorbei und die Schüler werden auf weiterführende Schulen verteilt. Als Fazit aus Film und lebhafter Diskussion, teilweise auch auf Grund persönlicher Erfahrung, war zu folgern: Inklusion, also die gemeinsame Beschulung von Kindern mit ohne Beeinträchtigung ist wünschenswert und möglich, allerdings bei einem hohen finanziellen, materiellen Aufwand und mit hohem persönlichen Einsatz. Frau Mechtl hob u. a. auch hervor, dass Inklusion nicht nach der vierten Klasse enden darf und bis zum Schulabschluss weitergeführt werden muss. In seinem Schlusswort bedankte sich Kreisvorsitzender Salomon für die engagierten Beiträge und fragte, ob Inklusion mit dem bayerischen, vielfach gegliederten Schulsystem möglich sei. Die Antwort der GEW wäre: möglichst lange gemeinsam zur Schule gehen, idealerweise „eine Schule für alle“.

Helle Empörung über Stellenstreichungen

Zurücknahme gefordert Eine recht überschaubare Zahl an Mitgliedern war zur diesjährigen wahlfreien Jahreshauptversammlung gekommen, die mit der Einladung versandte Kurzfassung des Rechenschaftsberichts des Kreisvorsitzenden Andreas Salomon schien informativ genug. Dabei waren seine mündlichen Ergänzungen erhellend und interessant und die Aussprache wurde sehr solidarisch und zielorientiert geführt. Für Empörung sorgte die Ankündigung des Kultusministeriums, 800 Lehrerstellen zu streichen. Am Ende verteilte Salomon nun schon zum neunten Mal das von ihm persönlich zusammengestellte Jahrbuch der GEW Rosenheim und kündigte dabei sein letztes Jahr als Vorsitzender an. Vor einem Jahr, so Salomon in seinem Rückblick, stand auf der Tagesordnung, die Studiengebühren zu Fall zu bringen. Diese sind zwar mittlerweile Geschichte, aber das Ergebnis der Landtagswahl sei so, „dass eine Änderung des Schulsystems in unserem Sinne nicht einmal ansatzweise zu erwarten ist.“ Unter den vielen Aktivitäten hob er deshalb auch den Besuch der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal hervor. Hier zeige sich exemplarisch, was ein auf Hochleistung und Selektion getrimmtes Schulsystem anrichte; die Herausgefallenen und Zurückgelassenen blieben mit mehr oder weniger Glück, sprich Finanzkraft, der privaten Initiative überlassen. Die private Grundschule wurde gegründet, weil das bestehende öffentliche Schulsystem Inklusion nicht ermögliche. Diese hervorragende Einrichtung sei ausgesprochen förderungswürdig. Sie nehme unter schwierigen Bedingungen einiges an Visionen der GEW-Bildungspolitik vorweg. Andreas Salomon, als Vorsitzender zugleich Vertreter der GEW im Kreisvorstand des DGB, lobte dessen harmonische Zusammenarbeit. Ein Schwerpunkt bleibe weiterhin der kritische Umgang mit der Geschichte. Er mahnte die bleibende Erinnerung an das Schicksal des verfolgten jüdischen Mädchens Elisabeth Bloch an und berichtete über die geplante Aktion Stolpersteine: Bodenplaketten vor den ehemals jüdischen Kaufhäusern. Er hoffte auf einen aufgeschlosseneren Stadtrat und nannte als Negativbeispiel die Gemeinde Dietramszell. An die Neujahrsansprachen erinnernd, deren vielfacher Tenor „2014 wird ein gutes Jahr“ war, hielt Salomon es mit Bertolt Brecht: Solche Verheißungen der Herrschenden geben immer Anlass zu größter Sorge. Wie zur Bestätigung kam die Ankündigung des Kultusministeriums 800 Lehrerstellen zu streichen – nach der Nichtübernahme von 600 erfolgreich ausgebildeten Lehrer die nächste Horrornachricht. In der Diskussion erinnerten mehrere Redner an das Versprechen der Regierungspartei vor der Landtagswahl, dass alle Planstellen, die durch die so genannte demographische Rendite angeblich nicht mehr gebraucht würden, im Bildungssystem verbleiben werden. Ganztagesbetreuung, Individualisierung und Inklusion als Großbaustellen des Bildungswesens bräuchten mehr und nicht weniger Lehrer. In einer Blitzumfrage berichtete fast jeder Anwesende von Unterrichtsausfall und fachfremden Unterrichtsvertretungen, wie z. B. Englischunterricht durch Wirtschaftslehrer. Angesichts dieser gewaltigen Reformaufgaben widersprechen Stellenstreichungen der Fürsorgepflicht des Dienstherrn. Die Versammlung forderte die Rücknahme der geplanten Stellenkürzung. „Wir sind kein Sparverein“ – so eröffnete Kassier Toni Reil seinen Finanzbericht. Nach zwei Jahren eher prekärer Finanzen und entsprechender Sparbemühungen konnte Reil eine gefüllte Kasse vorweisen und erhielt einstimmige Entlastung. Als Delegierte für die Landesvertreterversammlung wurden dem GEW Bezirksverband Andreas Salomon und Michael Mende, als Ersatzdelegierter Wolfgang Orlowski vorgeschlagen. In seinem Schlusswort dankte Salomon seinen Mitstreitern im Vorstand für die geleistete Arbeit, er sehe die Rosenheimer GEW auf einem guten Weg. Ob 2014 ein gutes Jahr werde, hänge von uns, den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen ab. Eine Entscheidung hierzu werde es mit den bevorstehenden Tarifauseinandersetzungen im Öffentlichen Dienst geben.

PISAker 2013

Bericht über das Lehrerkabarett „Die PISAker“ mit ihrem 7. Programm „Nachsitzen!“ am 28.6.2013 auf der Bühne im Lokschuppen

Bericht: Lothar Walter

Die PISAker mit ihrem siebten Programm Nachsitzen bei der GEW Rosenheim

Zu einer Doppelstunde Nachsitzen lud die GEW Rosenheim in den Saal des Stadtjugendrings im Lokschuppen ein. Statt eines Nachhilfelehrers kam das Lehrerkabarett „PISAker“ mit ihrem siebten Programm „Nachsitzen“. Vielleicht wegen eines Missverständnisses über nicht existente Karten – „Es gibt keine Karten“ meinte der Eintritt war frei, nicht dass die Vorstellung ausverkauft sei – waren die Stuhlreihen nur zu einem Drittel besetzt, weit überwiegend von noch aktiven und ehemaligen LehrerInnen. Aber Kleinkunst lebt von der Unverdrossenheit und so meinte GEW-Kreisvorsitzender Andreas Salomon ob der doch etwas enttäuschenden Resonanz bei seiner kurzen Begrüßung, so lange das Ensemble gegenüber den Zuschauern nicht in der Überzahl ist, könne nicht von einem Reinfall gesprochen werden. Es sei aber anerkennenswert, dass doch etliche Kollegen und Kolleginnen bereit seien, zu ihrer Selbstwahrnehmung im Beruf einen Blick in den Spiegel der nicht immer schmeichelhaften Fremdwahrnehmung zu riskieren, ach was, sich lustvoll hinzugeben.

In dem flotten zweistündigen Programm in zwölf Sketchen und sechs Liedern -alte Schlagermelodien mit neuen Texten- wurden die bekannten Lehrertypen – den „Dampfhammerlehrer“, den schrulligen Altachtundsechziger, den durchsetzungsunfähigen Schöngeist usw. – in skurril überzeichneten Situationen des Klassenkampfes im Klassen- und Lehrerzimmer vorgeführt. Das Publikum wusste bei „Nomen est Omen“ die Satire auf die Entwicklung sprachlich immer anspruchsvollerer Lehrpläne, die in einem mehrstufigen Prozess aus einem Vogelhäuschen im Werkunterricht ein ornithologisches Domizil macht, während der Lehrer im Unterricht dankbar auf den High-Tech-Trichter Nürnberger Provenienz zurückgreift, der alle Inhalte aller Fächer sekundenschnell in lerngerechte Papierstreifen zerschnipselt – in einer gelungenen Persiflage auf den Typus amerikanische Verkaufsshow witzig dargeboten. Andere Szenen strapazierten die Vorstellungskraft des Absurden schon sehr. So wenn sich der nicht zu Wort kommende neue Kollege als mobile Reserve mit Zusatzqualifikation für Kriseninterventionen entpuppt, in dessen Geigenkasten eine Maschinenpistole für alle Fälle bereit liegt. Oder wenn Rektorin bzw. Rektor der Förderschule bzw. der Mittelschule und die Gymnasialdirektorin um Ali als neuen Schüler bei der Mutter konkurrieren und als Gegenleistung Bügeln, Obststandaufbau oder die Steuererklärung für Alis Papa sich abpressen lassen, um im globalen Kampf um schrumpfende Humanressourcen ihre Schule nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen. Nach kräftigem Applaus und Dank an das Ensemble bat Kreisvorsitzender Andreas Salomon die Zuschauer um einen Obolus, den das Publikum großzügig

Maikundgebung 2013

„Die Entwürdigung der Arbeit stoppen“

Karsten Kuttnik von der IG Metall plädiert bei der Maikundgebung des DGB in Rosenheim für höhere Löhne

Rosenheim – Sehr emotional verlief die Kundgebung zum Tag der Arbeit des DGB-Kreises Rosenheim. Festred-ner Carsten Kuttnik, Projektsekretär für Luft- und Raumfahrt der IG Metall, der gemeinsam mit der DGB-Kreis-und Stadtverbandsvorsitzenden Ingrid Meindl-Winkler den Demonstrationszug durch die Innenstadt anführte, war überrascht von der Atmosphäre. Von der Mädchenrealschule, die Elisabeth Block in der NS-Zeit besuchte und als Jüdin verlassen musste, marschierte der Zug mit über 200 Gewerkschaftern und Unterstützern zunächst zum ehemaligen Gewerkschaftshaus an. der Gießereistraße, wo Meindl-Winkler auf die Geschichte der Gewerkschaften in Rosenheim verwies. Vor dem Gewerkschaftshaus in der Brixstraße trafen inzwischen weitere Besucher der Maikundgebung ein. Lie-dermacher Martin Piper verkürzte die Zeit bis zum Eintreffen des Demozuges. Inzwischen war die Zuhörer-zahl auf über 400 angewachsen. Meindl-Winkler wollte den außergewöhnlichen Ablauf der Kundgebung als Bei-trag zur Geschichte der Stadt verstanden wissen. Ihr Vorschlag, die Mädchenrealschule mit dem Namen Elisabeth Block zu verbinden, fand nachhaltigen Beifall. Landrat Josef Neiderhell ging in seinen Grußworten auf den 2. Mai 1933 ein, als um 10 Uhr SA-Truppen das alte Gewerkschaftshaus stürmten und Gewerkschafter verhafteten: „Das darf nie wieder geschehen.“ Festredner Carsten Kuttnik war „überwältigt von – der emotionalen Stimmung dieser Maidemo, die Mut macht und gefällt“. Er sprach sich klar für ein Verbot der NPD aus und erhielt dafür von den Zuhörern breite Zustimmung. Die Lage am Arbe itsmarkt schilderte Kuttnik eher düster: „Seit den 80er Jahren erleben wir eine Entwürdigung von Arbeit. Die Arbeitsarmut nimmt immer mehr zu.“ Deshalb müsse man dem Niedriglohnsektor und schlechter Arbeit entgegentreten. Während die Gewerkschaften laut Kuttnik wachsen, allein 2012 um 900 Mitglieder, entzögen sich die Arbeitgeber zunehmend der Mitgliedschaft in den Arbeitgeberverbänden und damit der Anwendung von. Tarifverträgen. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Betriebsrat und in den Aufsichtsräten sei gelebte Demokratie. Doch. mit der Agenda 2010 sei der Kündigungsschutz deutlich verschlechtert worden. „Der Kündigungsschutz muss wieder ausgebaut werden. Und wir brauchen bessere Bildung“, forderte der Redner. 2,2 Millionen junge Menschen im Alter von 20 bis 24- Jahren hätten keine abgeschlossene Ausbildung. Das Volksbegehren gegen Studiengebühren habe gezeigt: „Das Volk kann der Staatsregierung Beine machen.“ Hingegen breite sich die sogenannte atypische Beschäftigung immer mehr aus: Befristungen, Leiharbeit, Minijobs. „Während die Mieten „explodierten“, arbeiteten fünf Millionen Menschen. zu Hungerlöhnen unter 8,50 Euro – und über eine Million sogar zu Stundenlöhnen unter fünf Euro“, so Kuttnik.

Ergänzender Bericht von Andreas Salomon

zur Startveranstaltung vor der Städtischen Mädchenrealschule in Rosenheim sowie zum Verlauf der Demonstration

Da die Startveranstaltung der diesjährigen 1.- Mai – Demonstration von der GEW organisiert wurde, soll darüber auch kurz berichtet werden. Im November 2012 wurden während einer Feierstunde im Rosenheimer Rathaussaal von Prof. Treml die Tagebücher der Elisabeth Block der Stadt zur Aufbewahrung im Stadtarchiv übergeben. In diesem Zusammenhang äußerte Prof. Treml den Wunsch, dass die Rosenheimer Städtische Realschule für Mädchen den Namen Elisabeth Block tragen möge. Diesen Gedanken machte ich mir zueigen. Das jüdische Mädchen Elisabeth Block aus Niedernburg bei Rosenheim besuchte in der Nazizeit diese Schule, bis sie sie als Jüdin verlassen musste. Auf keine Weise könnte die Erinnerung an Elisabeth Block und ihr schreckliches Schicksal sowie damit das Schicksal aller Juden besser wachgehalten werden als durch eine Schulbenennung. Immer neue Generationen von Schülern würden informiert werden, was es mit dem Namen ihrer Schule auf sich hat, ja ständig wäre der Name Elisabeth Block in aller Munde. Ich bekräftigte diese Forderung in einem Leserbrief im „OVB“ und schlug im DGB – Kreisvorstand vor, die diesjährige DGB – Demon-stration vor dieser Schule mit entsprechender Forderung beginnen zu lassen. Der Gedanke fand allgemeine Zustimmung. In einem Gespräch mit der Schulleiterin Frau Ramm, bei der auch unser GEW – Kollege Wolfgang Lentner, Lehrer dieser Schule, anwesend war und sich produktiv in die Unterhaltung einbrachte, wurden weitere Modalitäten geklärt. Es solle die Schulsprecherin an Elisabeth Block „erinnern“ und Wolfgang Lentner war bereit, passende Lieder herauszusuchen, die der Ansprache einen Rahmen geben sollten. Überraschend viele Menschen folgten dem Aufruf des DGB und versammelten sich auf dem Hof vor der Schule. Ich konnte die Schulleiterin Frau Ramm, die Schülersprecherin Anna sowie Wolfgang Lentner und alle Versammelten begrüßen. Auch die Schulleiterin selbst hieß uns alle herzlich willkommen. Wolfgang hatte zwei antifaschistische Lieder ausgewählt und entsprechende Liedzettel zum Mitsingen verteilt. Zunächst wurden „Die Moorsoldaten“ gesungen, ein Lied, das in einem KZ entstand, die Mühen und Plagen der Häftlinge beschreibt und der Hoffnung auf ein Leben danach Ausdruck verleiht. Dann hielt die Schülersprecherin eine alle sehr beeindruckende Rede und erinnerte an Elisabeth Block und wie schwer es für heutige Schüler nachvollziehbar sei, was damals vor aller Augen passierte. Frau Ramm war so beeindruckt, dass sie spontan das Mikrofon ergriff und ihr dankte. Wir Gewerkschafter schlossen uns diesem Dank an. Dann sangen wir zur Gitarrenbegleitung von Wolfgang Lentner das Partisanenlied „Bella chiao“. Damit hatte der 1.Mai 2013 einen so berührenden Beginn genommen wie noch nie und der Wunsch und die Hoffnung, dass die Nazis nie wieder die Macht übernehmen dürfen, ließ uns die Demonstration beginnen, an der mehrere hundert Menschen teilnahmen – soviel wie lange nicht. Die Demonstration, bei der unzählige Transparente zu sehen waren, zog dann in einem unendlich langen Zug durch die Stadt, wozu revolutionäre Lieder über Lautsprecher gespielt wurden. Das nächste Ziel war der Ort in der Salinstraße, an dem 1933 das Versammlungshaus der Gewerkschaft stand, das am 2. Mai (wie es überall in Deutschland geschah) von den Nazis überfallen und geplündert wurde. Die DGB-Kreisvorsitzende Ingrid Meindl-Winkler legte dort Blumen nieder und schilderte ausführlich, was sich seinerzeit dort abgespielt hatte. Eine Gedanktafel konnte an dem Haus (das Kathrein gehört) leider nicht angebracht werden, da dieses abgerissen werden soll. Man wird sich für den 1. Mai 2014 etwas Passendes überlegen. Dann zog die Demonstration weiter zum Gewerkschaftshaus in der Brixstraße, wo schon viele Menschen auf den Beginn der Ansprachen warteten.

Meinungsaustausch zum Thema Sitzenbleiben

Leserbrief Andreas Salomon 2.3.2013

Sitzenbleiben abschaffen!

Über dem Eingang einer finnischen Schule fanden Besucher den Satz: „Kein Kind darf verloren gehen.“ In unserem nordischen Nachbarland gibt es kein Sitzenbleiben mehr und die PISA-Sieger fahren sehr gut damit. Auch in Deutschland reift zunehmend die Einsicht, das Sitzenbleiben abzuschaffen.

Der Leistungsabfall eines Schülers – oft in der Pubertät – hat in aller Regel erkennbare Ursachen. Frühzeitig muss in jedem Einzelfall Klärung erfolgen und frühzeitige Hilfe organisiert werden. Eltern, Lehrer und auch die Schüler selbst sind gefragt zu handeln. Meist sind es ja nur wenige Fächer, in denen Probleme auftreten. In Finnland wird den betroffenen Schülern in Kleingruppen kostenlose Nachhilfe angeboten. Manchmal lockern sich aber Lernblockaden schon, wenn häusliche Probleme, die die Kinder belasten, eine Lösung erfahren oder durch persönliche Zuwendung der Lehrkräfte begehbare Wege gefunden werden. In Einzelfällen kann auch ärztliche Hilfe sinnvoll sein bzw, die Unterstützung durch Psychologen und Therapeuten. Schüler sitzenbleiben zu lassen ist eine pädagogische Bankrotterklärung. Diese Maßnahme ist Ausdruck des Unvermögens, dem betroffenen Kind rechtzeitig geholfen zu haben. Allein schon die Gefahr des Sitzenbleibens am Ende des Schuljahres produziert unnötige Ängste, die den Leistungsabfall noch verstärken. Zu Hause gibt es bei jeder neuen schlechten Note dann auch noch Zank und Streit, Strafen werden verhängt und unbeschadet davon nimmt die drohende Katastrophe ihren Lauf, ja nimmt durch den Stress zu Hause erst richtig an Fahrt auf.

Schüler sitzenbleiben zu lassen ist eine teure disziplinarische bildungspolitische Maßnahme des Staates, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Pädagogisch sinnvoll ist diese Vorgehensweise nicht und human schon gar nicht. Das bayerische Schulsystem ist auf Aussortierung und Abstieg programmiert, auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Sinnvoll wäre es aber, niemanden zurückzulassen, niemanden zu demütigen und zu kränken und keinen zu zwingen, ein Jahr wiederholen zu müssen.

Antwort von Helmut Pritschet

Es ist immer das Gleiche: Es gilt, die eigene Ideologie durchzusetzten, da setzt man Scheuklappen auf, um von Gegenargumenten nicht verunsichert zu werden, da verwendet man in der Argumentation absolute Formulierungen wie „alle“ , „keiner“, „muss“ oder „darf nicht“, da werden mit einer falschen Logik Schlüsse gezogen, da verschweigt man Alternativen und Folgen werden einfach ignoriert. Auf die gleiche Weise wird der Einsatz für die Gesamtschule zu einem fundamentalistischen Gesamtschulismus.

Wie unseriös Gesamtschulbefürworter gegen jegliche Erkenntnistheorie verstoßen, möchte ich hier an einem häufig zitierten Beispiel zeigen:

Wenn zwei Kennzeichen A und B korrelieren

  1. kann A eine Folge von B sein.
  2. Es kann aber auch umgekehrt B eine Folge von A sein.
  3. Beide können aber auch völlig unabhängig voneinander sein.
  4. Oder beide sind von einem dritten Faktor C abhängig.

Welcher Zusammenhang besteht nucn zwischen Gesamtschulen in Skandinavien und den Pisa-Ergebnissen?

  1. Die Pisa-Ergebnisse sind in den skandinavischen Ländern, in denen es Gesamtschulen gibt, gut ausgefallen. Die GEW zieht mit dem Slogan „Von den Siegern lernen“ den Schluss, dass die Gesamtschulen Ursachen für die guten Pisa-Ergebnisse sind. Wäre dies der Fall, könnte man mit dem gleichen Recht mit dem Schlagwort „Von den Verlierern abschrecken lassen“ gegen die Gesamtschulen argumentieren, immerhin sind Berlin und NRW mit ihren Gesamtschulen im unteren Bereich der Tabelle zu finden.
  2. Nicht selten berichten Skandinavien-Reisende begeistert von der menschenfreundlichen Atmosphäre in diesen Ländern. Gäbe es diesen Menschenschlag bei uns öfter, würde es den Reisenden nicht auffallen. Man könnte folglich auch zu dem Schluss kommen, dass sich Finnland und Schweden wegen ihrer motivierten Schüler Gesamtschulen leisten kann.
  3. Für die schlechten Pisa-Ergebnisse in Deutschland spielt es sicher auch eine Rolle, dass viele unserer unmotivierten Kinder nur durch Notendruck zu besonderen Leistungen zu bewegen sind. Fehlt der Notendruck oder die Sorge vor dem Durchfallen, tun die Kinder nichts.
  4. Pisa-Sieger sind Länder wie Kanada, Australien oder Skandinavien. Das sind alles Länder mit einer geringen Bevölkerungsdichte. Auch innerhalb Deutschlands schneiden Länder mit einer geringen Bevölkerungsdichte besser ab. Eigentlich schaut es doch so aus, als sei nicht das Schulsystem für die Pisa-Ergebnisse verantwortlich, sondern ganz andere Faktoren wie die Bevölkerungsdichte. Lehrer aus dem Bayerischen Wald wissen zu berichten, dass menschenleere Waldgebiete beruhigend aufs Gemüt und den Unterricht wirken. Eine Enge wie in unseren Ballungsgebieten führt nicht nur bei Ratten zur Aggressivität. Mir wurde von Münchner Großbetrieben berichtet, die wegen der mangelnden Motivation keine Azubis aus der Stadt, sondern nur noch aus der Region nehmen. Finnland würde mit jedem Schulsystem gut abschneiden und in Ballungsgebieten helfen nicht einmal Gesamtschulen.

Beim Thema Sitzenbleiben wird ähnlich schludrig argumentiert:

„Kein Kind darf verloren gehen“, zitiert Salomon finnische Pädagogik. Klar, beim Klassenausflug darf keiner verloren gehen. Was ist aber zu tun, damit keiner verloren geht?

  • Man teilt die Kinder in Leistungsklassen, damit jeder in seinem ihm angemessenem Tempo marschieren kann. Beim Sport, bei Kursen aller Art, werden die Teilnehmer in möglichst homogene Gruppen aufgeteilt, damit man jedem gerecht werden kann. Da fühlt sich keiner beschämt, wenn er in der C-Klasse Fußball spielt. Nur der Gesamtschulismus verpönt diese Maßnahme als „Trennung von Spreu und Weizen“. Selbst Gesamtschulen trennen in Leistungsgruppen, der eine lernt Integralrechnung, der andere bleibt bei der Prozentrechnung stecken. Im Berufsleben geht es weiter, der eine bekommt eine attraktive Lehrstelle, der andere nicht, der eine macht Mikro-, der andere Kartoffel-Chips. In Berlin und Hamburg, wo die von der GEW propagierte Gesamtschule die Regelschule ist, wird tatsächlich die Spreu vom Weizen getrennt, dort schicken die Besserverdiener, denen an einer guten Schulbildung liegt, ihre Kinder auf private Gymnasien. Dies ist umso mehr verwunderlich, als es ein Anliegen der GEW ist, dass nicht nur die Kinder der Reichen eine gute Schulbildung bekommen.
  • Damit keiner verloren geht, bestimmt der Langsamste das Tempo. Dann geht aber das Potential der Schnellsten verloren. Ist es wirklich in unserem Sinne, Schüler, die beim Lernfortschritt mit dem ICE fahren können, in die Bimmelbahn zu setzen?
  • Die dritte Möglichkeit, niemanden zurück zu lassen, besteht darin, den langsamen Schülern zu helfen. Und hier zeigt sich die Unredlichkeit der Salomonschen Argumentation, er weiß zwar, dass das Sitzenbleiben teuer ist, erwähnt aber nicht, dass die von ihm vorgeschlagenen Hilfen wesentlich mehr kosten, besonders dann, wenn sie wie in Finnland, für die Eltern kostenlos sind.

Salomons Leserbrief suggeriert, dass das Sitzbleiben die Schüler demütigt und die Schule versagt hat. Er verschweigt, dass es für viele Kinder eine Chance zum Neuanfang bedeutet und dass viele Schüler Hilfen gar nicht annehmen wollen. Mit dem Begriff „demütigen“ kann man ja sehr gut Propaganda für einen -ismus machen.

Das Problem liegt meines Erachtens ganz wo anders: Lehrer mit längeren Berufserfahrung berichten übereinstimmend, dass sie Schulaufgaben, die sie vor vielen Jahren geschrieben haben, heute nicht mehr gehalten werden können, weil sie zu schlecht ausfallen würden. Und dies nicht, weil die Schüler dümmer würden, sondern weil die Leistungsbereitschaft sinkt. Dafür steigt sie Erwartungshaltung an die Schule. Viele Schüler wollen sich nicht anstrengen, aber Alles auf dem Silbertablett serviert bekommen. Die letzte Motivation mehr zu lernen, ist für Viele das Bestehen des Klassenziels. Für viele Lehrer ist die drohende Wiederholung der Klasse das letzte Mittel, Disziplin zu halten. Und genau dieses Mittel soll jetzt wegfallen. Und wenn ein Schüler nicht die Noten zum Durchkommen oder zum Übertritt bekommt, zweifeln manche Eltern nicht die Motivation des Kindes an, sondern beauftragen einen Rechtsanwalt, der die Sache richten soll. Ist es tatsächlich im Sinne der GEW, dass deshalb das Sitzenbleiben abgeschafft werden soll, weil man vor denen einknickt, die sich einen Rechtsanwalt leisten können?

Mir ist ein Fall einer Schule bekannt, in der das Sitzenbleiben nicht offiziell aber de facto abgeschafft wurde. Unterricht mit dem Ziel eines mittleren oder höheren Abschlusses ist dort nicht mehr möglich. Kein Wunder, dass das durchschnittliche Verfallsdatum der Lehrer weit unter 60 Jahren liegt. Dabei frage ich mich, wer die Lehrer in so einer Situation unterstützt, die GEW offenbar nicht, der geht es offenbar nur um die Würde der Schüler. Lieber sendet man das falsche Signal, indem man im Fall des Sitzenbleibens vom „Unvermögen“ der Schule spricht.

Die Kinder sollen nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen. Und so erscheint es mir zweifelhaft, ob man die Kinder wirklich aufs Berufsleben vorbereitet, wenn ihnen der Eindruck vermittelt wird, dass sie immer wieder aufgefangen werden. Es gibt schon genügend junge Leute, die bei den geringsten Problemen ihre Berufsausbildung abbrechen, weil sie an der Schule nicht ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz erworben haben.

Es ist klar, dass man mit der Forderung, das Sitzenbleiben abzuschaffen, die Zustimmung vieler Eltern erreicht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es einer mittleren Katastrophe gleich kommt, wenn sich abzeichnet, dass das Kind wiederholen muss. Die Schüler selbst sehen das anders, ein Großteil spricht sich für das Sitzenbleiben aus, wahrscheinlich weil sie wissen, dass sie ohne Druck nicht lernen würden und weil ihnen nicht geholfen ist, wenn ihnen alle Hürden aus dem Weg geräumt werden. Befürworter der Abschaffens, Otto Herz, meint dazu: „Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihre Metzger selber.“ Die Frage muss gestattet sein, was das für ein Pädagoge ist, der 80% der Schüler mit den allerdümmsten Kälbern vergleicht.

Was will man als Nächstes abschaffen, damit keiner beschämt oder gedemütigt wird? Noten? Abschlussprüfungen? Soll die Zukunft etwa so aussehen: Diejenigen, die für die Arbeitswelt geeignet sind, erwirtschaften das Bruttosozialprodukt und der Rest bleibt bis zur Promotion in der Ausbildung, um dann schließlich Reformpädagoge zu werden.

KV-Versammlung Februar 13


Pressemitteilung Nr. 3/2013

Solidarisch mit Streik im öffentlichen Dienst Auf dem Mitgliedertreffen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Kreisverband Rosenheim, berichtete Michael Mende über die Streikaktivitäten von Ver.di. Auch wenn die GEW in Bayern noch nicht streikt, war allen Anwesenden bewusst, dass die streikenden Ver.di-Mitglieder auch für die Lehrer den Kopf hinhalten. Aktuell geht es um eine Lohnforderung von 6,5 % und um die Abwehr der Urlaubskürzung von vier Tagen bei neu eingestellten Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes. Für die Lehrergewerkschaft kommt noch als wichtiges Problem hinzu, die Eingruppierung der Lehrkräfte durch Tarifvertrag zu regeln und nicht wie bisher durch einseitige Festlegung des Dienstherrn. In diesem Zusammenhang berichtete Kreisvorsitzender Andreas Salomon von Fällen von Lohndumping im Privatschulbereich. Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt drehte sich um die aktuellste schulpolitische Forderung: Inklusion. Damit ist die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung gemeint, wobei -im Unterschied zur „bloßen“ Integration – nicht die Behinderten sich den Gegebenheiten anzupassen hätten, sondern sich die Schule auf die besonderen Bedürfnisse von behinderten Menschen einzustellen habe, wobei neben körperlicher Behinderung auch lernschwache, erzie hungsschwierige oder verhaltensauffällige Schüler zu verstehen sind. Mit einem gewissen Sarkas mus sahen mehrere Mitglieder Inklusion in mancher Privatschule, Mittelschule oder manchen Berufs schulklassen bereits als realisiert an. Tenor der intensiven Diskussion war, dass die Idee gut und zu begrüßen sei, aber eine große Skepsis herrschte hinsichtlich ihrer bildungspolitischen Umsetzung. Ohne ausreichende materielle und personelle Ressourcen würde die flächendeckende Einführung der Inklusion nur auf dem Rücken der Lehrer geschehen.