Neuorganisation der Kreisebene. Antrag an die LVV

Antragsteller: KV Rosenheim

Antrag beschlossen am: 8.1.2020

bei (Ausschuss- oder Vorstandssitzung/Versammlung): Vorstandssitzung

Betreff (Kurz-Titel/Thema): Neuorganisation der Kreisebene

Antragstext/Antragsbegehren:

Der Vorstand des KV Rosenheim stellt den Antrag, dass die LVV sich mit der Tatsache auseinandersetzt, dass die Kreisebene der GEW Bayern seit Jahren erodiert und inzwischen bereits zunehmend eingebrochen ist. Wir halten es für notwendig, darauf angemessen zu reagieren, indem als erstem Schritt in allen Bezirken durch den jeweiligen Vorstand eine sorgfältige Analyse des Ist-Zustands erstellt wird. So wird sichtbar, welche KVs ihre bisherige Arbeit fortsetzen können und für welche eine neue Struktur geschaffen werden muss. Wir schlagen im letzteren Fall ein System von Bezirksbetreuern und auf Kreisebene von Obfrauen/-männern  vor.

Begründung:

Die Gewerkschaftsarbeit liegt, soweit wir das erkennen können, in den meisten Kreisverbänden Bayerns im Argen. Ein Blick auf die Rückseite der DDS zeigt, dass zahlreiche KVs dort gar nicht mehr auftauchen, andere nur noch Treffen „nach Vereinbarung“ abhalten und weitere sich längst mit anderen zusammengeschlossen haben. Zudem ist es nicht unwahrscheinlich, dass in einer Reihe von KVs sich im Wesentlichen nur noch Veteranen regelmäßig treffen, aber die eigentliche gewerkschaftliche Arbeit nicht mehr hinreichend gewährleistet ist. Das kann auf Dauer nicht  so bleiben. Denn zum einen besteht dadurch die Gefahr, dass wir infolge dieser relativen Inaktivität auf Kreisebene   Mitglieder verlieren und zum anderen, dass wir auf Dauer nicht hinreichend attraktiv  für neue Kolleginnen und Kollegen sind. Die sich so ergebende Fluktuation  (die jetzt schon sicher nicht nur in unserem KV zu beobachten ist)  müssen wir unbedingt einbremsen.

Natürlich muss die Organisationsform der GEW zu den aktuellen Gegebenheiten passen. Das ist inzwischen ganz offenbar nicht mehr der Fall. Dazu braucht es aber noch  genauere Erhebungen, als wir sie von Rosenheim aus anstellen können. Selbstverständlich darf kein wirkungsvoll arbeitender KV in seiner Arbeit eingeschränkt werden. Aber es muss der Versuch gemacht werden, die zahlreichen KVs, die aus eigener Kraft nicht mehr funktionieren, wieder zu beleben und deren Mitglieder zu betreuen. Deshalb braucht jeder Bezirk einen eigenen „Bezirksbetreuer“ (BB). Das Team dieser BBs entwirft in Zusammenarbeit mit dem LV ein Konzept (Vorträge, Kampagnen, Ehrungen usw.),wie die Belebung der KVs von Statten gehen kann. Vor Ort (in den KVs) muss es jeweils einen Ansprechpartner geben, dem die Betreuung der Mitglieder des KVs obliegt und der bei Veranstaltungen usw. die Logistik organisiert.

Um geeignete  Bezirksbetreuer und Obleute zu finden, muss Geld in die Hand genommen werden, da von ehrenamtlicher Tätigkeit in Zukunft nicht mehr in dem Maße wie bisher auszugehen ist. Die Höhe der Bezahlung (und damit auch das Ausmaß der Betätigung der Bezirksbetreuer) hängt davon ab, wie viel Geld als Folge aller toten und brach liegenden KVs frei wird. Zu diskutieren wird auch sein, ob es die Bezirksebene in dieser Form dann überhaupt noch braucht oder ob auch deren (nicht unerhebliche) bisherige finanzielle Ausstattung sowie deren Barvermögen für die Bezahlung der Bezirksbetreuer und Obleute eingesetzt werden sollten.

Das Team der Bezirksbetreuer würde dann gewissermaßen die Bezirksebene ersetzen. Die Bezirksbetreuer müssten deshalb auch dafür sorgen, dass ein politischer Austausch zwischen den Kreisverbänden ihres Bezirks in geeigneter Form weiterhin gewährleistet ist.

Die Obfrauen/-männer auf Kreisebene werden von den Kreisversammlungen gewählt, die der Bezirksbetreuer organisiert. Die Bezirksbetreuer sind von Delegierten der Mitglieder des Bezirks  zu wählen.   Der LV wird wie bisher auf einer LVV von Delegierten der KVs gewählt.

Uns ist klar, dass dieses von uns vorgeschlagene System damit steht oder fällt, ob jeweils geeignete Kandidaten gefunden werden und ob die finanziellen Mittel reichen.

In einer Zusammenlegung zu Kreisgruppen, wie es vorgeschlagen wird, sehen wir allerdings keine überzeugende Alternative zur jetzigen Situation. Eine Belebung der einzelnen Kreisverbände kann so kaum erreicht werden, lediglich eine Verwaltung des momentanen Missstandes. Ein formaler Zusammenschluss setzt zudem voraus, dass ein Konzept für eine Zusammenarbeit entwickelt ist, was wir nicht erkennen können. Wir befürchten allerdings aus eigenen Erfahrungen, dass schon allein die großen Entfernungen zwischen den einzelnen Kreisen eine ersprießliche Zusammenarbeit nicht möglich machen.

Gewerkschaftliche Arbeit ist demokratische Arbeit und sie steht oder fällt mit der Arbeit an der Basis. Unser Konzept stellt einen brauchbaren Weg zu deren Wiederbelebung dar.