Rückblick auf den 1. Mai 2010 in Rosenheim

Gedanken von Andreas Salomon
Bilder: Helmut Pritschet

Die Gestaltung des 1. Mai in Rosenheim wurde in den letzten Jahren der politischen Bedeutung dieses Tages immer weniger gerecht. Ein immer kleiner werdender Kreis von aktiven Gewerkschaftern traf sich vor dem Gewerkschaftshaus hörte sich ein mehr oder weniger interessantes Maireferat an, erlebte ein wenig Kultur, trank ein Bier und ging wieder nach Hause. Der 1. Mai wurde in der Öffentlichkeit weitgehend nur noch als Familientag wahrgenommen.

Ingrid Meindl-Winkler

Dieses Jahr wurde erstmals seit Jahren in Rosenheim eine Weiche anders gestellt. Man begann im Kreisvorstand des DGB sich zu entsinnen, dass seit dem 1. Mai 1890 Menschen an die Öffentlichkeit, sprich auf die Straße gehen, um für bessere Lebensbedingungen und gegen die ungerechten kapitalistischen Lebensbedingungen zu kämpfen.

Die Verhältnisse in Deutschland haben sich inzwischen so dramatisch verändert, dass der DGB-Kreisvorstand es für notwendig hielt, erstmals seit Jahren wieder zu demonstrieren. Der Tenor im DGB Kreisvorstand war: Die Öffentlichkeit muss den Protest der Gewerkschaften sehen, muss erkennen, dass die Gewerkschaften, die zunehmende Verschlechterung der Lebensverhältnisse nicht einfach duldend hinnehmen, sondern sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind, dem neoliberalen Wirtschaftskurs entschieden entgegenzuwirken.

Folgt man dem OVB-Artikel vom 3. Mai, so konnte man meinen, alles sei wie bisher abgelaufen. Dass es gleich zwei Demonstrationen gab, wird schlichtweg verschwiegen.

Luise Klemens

Am 1. Mai um 9 Uhr versammelten sich rund 150 KollegInnen vor dem Sitz der ARGE im Sozialrathaus, um ihren Unmut über die Hartz-IV-Politik zum Ausdruck zu bringen. Ausführlich wurde am Beispiel Rosenheims vor Augen geführt, welche Auswirkungen diese Politik vor Ort hat und wie sich Armut immer weiter ausbreitet.

Dann führte die Demonstration zum Gewerkschaftshaus, wo erstmals nicht der Regionsvorsitzende Günter Zellner, sondern die DGB-Kreisvorsitzende Ingrid Meindl-Winkler die Anwesenden begrüßte, wodurch die Autonomie des Kreisvorstandes unterstrichen wurde. Nach dem Referat von Luise Klemens, der Landesbezirksleiterin von Verdi Bayern, in dem ausführlich die Wirtschaftskrise analysiert und deren Verursacher gegeißelt wurden, trat mit gekonnten Beiträgen die Jugend-Theatergruppe Bruckmühl auf.

Jugend-Theatergruppe Bruckmühl

Dann ging es auf zur 2. Demonstration bis zur Vetternwirtschaft, die unter dem Motto stand „Kapitalismus ist Krise-unsere Chance heißt Widerstand“. Sie wurde unterstützt von attac, der Infogruppe u.a. Gut 200 meist jüngere Teilnehmer demonstrierten stundenlang mit zahlreichen Zwischenkundgebungen zu Armut, Leih- und Zeitarbeit, Frauenkämpfen, Bildungspolitik, der Praxis der Bundespolitik usw.. Der große Zuspruch zu den Demonstrationen zeigt, dass die Entwicklung in dieser Richtung nächstes Jahr weitergehen muss.