Mediale Inkompetenz

Realsatirische Gedanken von Helmut Pritschet

Realsatirische Gedanken von Helmut Pritschet Die GEW wollte für alle bayerischen Gymnasial-Lehrer eine Plattform zum Meinungsaustausch schaffen und hat an die in Frage kommenden Kollegen eine Mail geschickt. Darin war deutlich zu lesen, dass eine Antwort auf diese Mail an alle anderen Teilnehmer geht. Für eine automatische Lösung aus der Liste war eine andere E-Mail Adresse angegeben. Die Mail war so gemacht, dass die anderen Adressen nicht erkennbar waren, nur der Absender.

Innerhalb kurzer Zeit haben sich etliche Leute abgemeldet, aber nicht über die vorgesehene Adresse, sondern als Antwort, und somit an alle anderen. Ein paar andere wollten interessante Diskussionen anleiern und Probleme ansprechen, die sind aber in der Flut der Löschungswünsche untergegangen.

Die nächsten Löschungswünsche wurden mit der Spam-Flut begründet, und haben selber damit an der Spam-Flut mitgewirkt.

Dann gab es welche, die haben nur auf die richtige Adresse zum Löschen hingewiesen, „Leute, bitte, wenn ihr euch abmelden wollt, dann an diese Adresse …“, was die Spam-Flut und somit auch die öffentlichen Löschungswünsche nur noch verstärkt hat.

Jetzt haben sich Leute fälschlich beschwert, dass ihre Adresse veröffentlicht wird, haben aber genau das durch ihre Beschwerde an alle selbst gemacht.

Es wollten Leute mitten in der Nacht über die öffentliche Plattform gelöscht werden, und haben nicht daran gedacht, dass auch die GEW nachts nicht arbeitet und Mails abruft, also haben sie sich 2 Stunden später nochmals beschwert. Wieder andere wollten nicht nur gelöscht werden, sondern gleich aus der GEW austreten, oder sie haben mit rechtlichen Schritten gedroht. Schreiben, können sie, die Lehrer, nicht aber lesen.

Mittlerweile haben sich andere Beiträge über die mediale Inkompetenz von Gymnasial-Lehrer Gedanken gemacht, wieder andere haben ein Dossier geschrieben, woran diese Inkompetenz liegt. Die daraus entstandene Diskussion führte erneut zu einem kurzzeitigen Anstieg der öffentlichen Austrittswünsche.

Meine Frau hat, wenn sie in mein Arbeitszimmer kam, nur noch gefragt „Na, wie viel haben sich schon wieder abgemeldet?“ und hat sich über die mangelnde Lesekompetenz der GEW-ler einen Ast gelacht.

Wieder andere schlugen vor, dass die ganze Plattform eingestellt wird, das wollte aber ich nicht, irgendwie brauch ich doch Stoff für meine Satire.

Chiemseemaler

Pressebericht zum Besuch der Bilderausstellung „Chiemsee, Künstler, Leben… und immerfort die Sehnsucht“ in der städtischen Galerie Rosenheim

Text: Andreas Salomon

Gewerkschafter besuchen Chiemsee – Ausstellung

Großes Interesse rief die Einladung des Kreisverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hervor, gemeinsam die Ausstellung „Chiemsee, Künstler, Leben… und immerfort die Sehnsucht“ zu besuchen. Das Selbstverständnis der Rosenheimer Bildungsgewerkschaft ist sehr breit gefächert und Kunstausstellungen erfreuen sich immer wieder großer Beliebtheit.

Die Zuschauer waren begeistert von den ausgesprochen sehenswerten Bildern und ließen sich einfangen von den Darstellungen der zauberhaften Landschaft rund um den Chiemsee. Aufmerksam nahmen sie die vielen wissenswerten Informationen während der Führung auf und vertieften sich in die Geschichte der Chiemseemalerei vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Manch einer der Lehrer ließ sich inspirieren, um mit einer Schulklasse in den Tagen danach die Ausstellung erneut zu besuchen.

Die Idee des Kurators, des Galeristen und Chiemseemalerexperten Franz Gailer, keine reine Bilderschau zusammenzustellen, sondern eine Erlebnisausstellung zu kreieren, begeisterte die Anwesenden.

Überrascht erfuhren die Lehrer und Erzieher, dass über 2500 Künstler schon am Chiemsee gezählt worden seien. Aber nicht nur die Bilder allein waren sehr ausdrucksstark, sondern ihre volle Wirkung entfalteten sie oft erst durch die Geschichten über das Leben der Menschen, die dargestellt wurden, und das der Maler. Besonders große Aufmerksamkeit erfuhr das Gemälde „Begräbnis einer Klosterschwester auf Frauenchiemsee“ aus dem Jahre 1891. Bei diesem monumentalen Werk handelt es sich um eine Leihgabe des Mittelrhein-Museums in Koblenz. Auf einer Breite von fast vier Metern und einer Höhe von fast zwei Metern hielt der Chiemseemaler Hermann Koch (1856-1939) die Beerdigung in Öl auf Leinwand fest. Bevor er das Bild malte, hatte er die Szene heimlich photographiert.

Die Zeit des Nationalsozialismus kommt in der Ausstellung leider etwas kurz. Eine nackte Mädchenskulptur des Bildhauers Josef Thorak zeugt von dem Geschmack der brauen Machthaber. Dahinter sieht man an der Wand formuliert Hitlers Kampfansage gegen die moderne Kunst.

Insgesamt aber waren die zahlreichen Lehrer und Erzieher ausgesprochen angetan von der überaus sehenswerten Ausstellung und der GEW – Kreisvorsitzende Andreas Salomon bedankte sich herzlich für die Sonderführung. Auch die knappen philosophischen Erkenntnisse an den Wänden der Räume stimmten nachdenklich, so der Vers von Heraklit: „Das Leben ist nur einen Flügelschlag der Zeit.“

Kinder brauchen Grenzen

Pressemitteilung vom 29.10.2010 von Lothar Walter zum Vortrag von Prof. Dr. Klaus Weber bei der GEW Rosenheim

„Kinder brauchen Grenzen – brauchen Kinder Grenzen?“

Kinder und die Probleme, die Eltern und Lehrer mit deren Erziehung haben, sind in aller Munde. Für die einen sind sie „Tyrannen“, denen die Erziehenden nichts entgegenzusetzen haben, für die anderen „kleine Menschen“, die Hilfe und Schutz benötigen, um „in die Gesellschaft hineinzuwachsen“. Pädagogen und Psychologen scheinen zu wissen, wie viel Disziplin Kinder brauchen, damit sie auch zu dem werden, was man von ihnen erhofft. Landauf, landab hört man von den Grenzen, welche Kindern unbedingt gesetzt werden müssten.

Zu diesem aktuellen Thema sprach auf Einladung des Kreisverbandes Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Professor Dr. Klaus Weber, der an der Hochschule München für angewandte Sozialwissenschaften Psychologie und Suchttheorien lehrt. Kreisvorsitzender Andreas Salomon knüpfte in seinen einführenden Worten an die banale Tatsache an, dass jeder Erwachsene rechtliche und moralische Grenzen einzuhalten habe, sonst er mit Konsequenzen rechnen müsse. Das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit in der Erziehung und Setzen von Grenzen müsse jede Generation immer wieder neu bestimmen, so interpretierte Salomon das Fragezeichen im Vortragsthema.

Professor Klaus Weber betonte, dass es unmöglich sei, die Leitfrage mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten. Das Kind solle sich in seine Umwelt einfügen und lernen Pflichten zu erfüllen. Die Ratgeberliteratur widerspreche sich oft und biete Erziehern und Eltern kaum echte Hilfe. Professor Weber untersuchte nun in seinem Vortrag die vom Bayerischen Staats-ministerium für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen kostenlos an alle Kinderärzte verteilte CD-ROM bzw. DVD, die diese bei der FrüherkennungsuntersuchungU7a zum dritten Geburtstag des Kindes den Eltern überreichen. Diese DVD gibt praktische Erziehungstipps und beruht auf dem Konzept Freiheit in Grenzen des emeritierten Psychologieprofessors Klaus Schneewind.

Weber analysierte zunächst, dass die Filmszenen in einer Familie der wohlhabenden Mittel-schicht spielen und somit für die Bevölkerungsmehrheit, also für Familien in engen wirt-schaftlichen Grenzen, kaum bedeutsam seien. Es werde ständig an den Gefühlen der Kinder „herumgepolt“. Die Eltern sollen das Einmaleins des Gefühlsmanagements beherrschen. Damit können sie erreichen, dass Kinder das, was sie tun sollen, auch tun wollen. Weber kritisierte dies als eine Erziehung zur Herstellung von Untertanen.

Professor Weber lehnt also eine „Pseudo-Partnerschaft“, in der die „Machtverhältnisse ausgeblendet werden“, ab. Letztlich gebieten doch die Eltern über die Kinder. Er plädierte für eine ehrliche und liebevolle Erziehung. Die Grenzen, die Eltern tagtäglich selbst erfahren und ihren Kindern weitergeben müssen, sollten den Kindern einsichtig gemacht werden. Kinder brauchen keine Regeln an sich, so Weber, sondern begründete Regeln.

Tolstoj-Ausstellung

GEW Rosenheim im Münchner Haus der Literatur Besuch der Tolstoj-Ausstellung Bericht Lothar Walter

Samstag im Advent. Eine knapp 20-köpfige Schar von GEWlern einschließlich Angehöriger (in München werden noch weitere Interessierte hinzukommen) drängt sich in den überfüllten Zug nach München. In München entscheidet sich die Gruppe zu einem Fußmarsch zum Haus der Literatur. Unterwegs am Justizpalast vorbei, wo Reiners spontaner Einfall, die Gedenktafel für die Geschwister Scholl zu besichtigen, an der verschlossenen Eingangstür scheitert.

Gut in der Zeit. Wir kommen eine Stunde vor Führungsbeginn an und können uns so im Café des Literaturhauses aufwärmen und stärken. Anlass der Ausstellung „`Ein Licht mir aufgegangen´- Lev Tolstoj und Deutschland“ ist der 100. Todestag des Dichters (am 7. November 1910) und hat als Schwerpunkt Tolstojs Beziehungen zu Deutschland.

Die Ausstellungsführung beginnt und dauert etwa eine Stunde. Die Ausstellung zeigt viele Bilder und Dokumente (meist Repliken), Texttafeln, auch einen Originalfilm und besteht aus sechs Stationen zu leitmotivischen Fragen, die den Dichter beschäftigten und die er in seinen Werken abarbeitete, u. a. „Wer bin ich?“, „Wozu leben wir?“, „Wie sterben Soldaten?“, „Was lernt man in/von Deutschland?“, „Wer ist schuld?“, „Worin besteht mein Glaube?“. Anfang und Ende des Rundgangs ist Tolstojs namenloses Grab im Wald bei seinem Landgut.

Die Ausstellung erhellt die engen geistigen und persönlichen Beziehungen Tolstojs zu deutscher Sprache (er verwendet viele deutsche Wörter und Redewendungen in seinen [russischen] Texten), Kultur, Literatur (er wurde stark vom Schriftsteller Berthold Auerbach beeinflusst) und Philosophie (Arthur Schopenhauer); er hatte deutsche Erzieher/Hauslehrer und war mit der Deutschrussin Sofja Andrejewna Behr verheiratet.

Tolstoj stellte die herrschenden russischen Zustände in Frage, lehnte seine sozial-reformerischen Ideen an die „praktische Vernunft“ an und suchte in seinem Spätwerk eine „praktische“ Religion, die er auch mit radikaler Konsequenz für sich verwirklichte. So verzichtete er im Alter auf seinen Grafentitel und seine Autorenrechte, was zum Zerwürfnis mit seiner Frau führte. Schließlich sucht er den Tod. Am 28.10.1910 verlässt er heimlich sein Gut Jasnaja Poljana und stirbt am 7. November auf der Bahnstation Astapowo.

Kreisvorsitzender Salomon dankte der kompetenten Führung und lud anschließend die Besucherschar zum angekündigten Adventskaffee am gleichen Ort ein, d. h. wir nehmen wieder unsere Plätze im Cafe ein.

Auf dem gleichen Weg zurück zum Hauptbahnhof, bringt uns die Bahn um 19:00 Uhr wieder nach Rosenheim.

Jahreshauptversammlung 2010

Pressemitteilung von Lothar Walter

Kritischer Blick auf die Bildungslandschaft

Jahreshauptversammlung der GEW Rosenheim

Einmal im Jahr sollten möglichst viele Mitglieder der Bildungsgewerkschaft GEW zusammen kommen und große Rückschau halten. Bei zufrieden stellendem Veranstaltungsbesuch konnte Kreisvorsitzender Andreas Salomon seinen ausführlichen Rechenschaftsbericht vorstellen. Kernaussage: Bei stabilem Mitgliederbestand wurde eine erstaunliche Bandbreite an Aktionen entfaltet, allerdings beschränkt sich der aktive Kreis weit gehend auf die Vorstandschaft. Einige Veranstaltungen waren nur schwach besucht. Als Krönung seines Rückblicks präsentierte Salomon das neue Jahrbuch der GEW Rosenheim – der in Papierform geronnene Nachweis aller Aktivitäten.

Leider konnte Schatzmeister Toni Reil in seinem Kassenbericht an diesen positiven Grundtenor nicht anknüpfen. Er meldete einen dramatischen Rückgang der Finanzmittel und menetekelte bei ungebremster Talfahrt den „Konkurs“ in zwei Jahren. Sollten daher die Ausgaben und damit logischerweise die Aktivitäten zurückgefahren werden? Die meisten Anwesenden verwarfen diese gedankliche Option und suchten die Lösung in einer Steigerung der Einnahmen. Dieser Weg führt aber nur über den Landesverband. Daher forderte die Jahreshauptversammlung in einem Beschluss, dass Kreisverbände, die keinen Finanzbericht abgeben, auch keinen Beitragsrückfluss mehr bekommen sollten und die so gesparten Gelder an die aktiven Kreisverbände zu verteilen seien.

Die Gewerkschaft Erziehung und Rosenheim ist zwar klein, aber fast überall drin. So bot die Jahreshauptversammlung die Gelegenheit, aus den verschiedenen Bildungsbereichen zu berichten und Erfahrungen auszutauschen. Reiner Schober berichtete von der Hauptschule, Wolfgang Orlowski vom Gymnasium, Lothar Walter aus der Berufsschule. Andreas Salomon beleuchtete die Tarifsituation an privaten Schulen und Michael Mende sprach über sozialpädagogische Berufe. Als Diskussionsschwerpunkte kristallisierten sich die Reizworte G8 und Mittelschule heraus. Die Hauptschule sei eine aussterbende Schulform, obwohl hier hoch engagierte und kompetente, aber dennoch geringer bezahlte Lehrkräfte unterrichten. Sie bringe viele junge Menschen statt auf den Arbeitsmarkt in die Arbeitslosigkeit. Sie sei eine Schule der Verliererkinder. Es stieß daher auf allgemeines Unverständnis, dass sie mit einem anderen Etikett versehen als Bildungsgang erhalten bleibe. Trotz Bewegung in der Schulstruktur bleibe das Gymnasium als scheinbar unerschütterliches Bollwerk Privilegierter bestehen. Das liege auch an dem alten Irrglauben des Bürgertums, dass ein längeres gemeinsames Lernen leistungsstarke Schüler ausbremse. Während die Hauptschule kriselt, böten integrative Systeme bessere Chancen für mehr Kinder. Sie haben zudem einen ökonomischen Vorteil: Das mehrgliedrige System ist unwirtschaftlich, weil das „knappe Gut Lehrer“ nicht bedarfsgerecht eingesetzt werden kann. Das bildungspolitische Fernziel der GEW, eine Schule für alle, sei die pädagogisch bessere und finanziell günstigere Alternative.

Die engagierte, aber harmonische Diskussionsrunde endete mit den notwendigen Neuwahlen des Vorstands. Vorsitzender bleibt Andreas Salomon, seine beiden Stellvertreter sind wie bisher Reiner Schober und Wolfgang Orlowski. Schatzmeister bleibt Toni Reil. Die Homepage betreut Helmut Pritschet, die Pressearbeit macht weiterhin Lothar Walter. Michael Mende ist Beisitzer für die sozialpädagogischen Berufe.

Schriftführer und Kassier seit Menschengedenken:
Lothar Walter und Toni Reil