Schulversuche

Leserbrief von Andreas Salomon zum Thema Schulversuche
7.6.2008

Nicht in Schulversuchen verzetteln

Seit geraumer Zeit versucht der Freistaat Bayern mit einer groß angelegten Hauptschulinitiative das ramponierte Image dieser Schulart wieder aufzubessern. Dazu hat er auch allen Grund, denn was hilft ein Schulabschluss, der in den Augen der Wirtschaft kaum mehr etwas wert ist und die meisten Jugendlichen in die Arbeitslosigkeit entlässt. Andere Bundesländer haben daraus längst den Schluss gezogen, auf die Hauptschule zu verzichten.

Nicht so die bayerischen Schulpolitiker, die jetzt versuchen durch einen neuen Schulversuch den sogenannten „spätberufenen“ Hauptschülern in noch zwei weiteren Jahren die Möglichkeit zum mittleren Bildungsabschluss anzubieten. Und wieder mischt Peter Pelzer mit. Dieser ist bereits maßgeblich für den bildungspolitischen Rückschritt verantwortlich, dass der Übertritt auf die Realschule um zwei Jahre vorverlegt worden ist, was unübersehbar der Hauptschule zum Nachteil gereichte.

Nun will er mit „9 plus 2“ Wiedergutmachung leisten, und diese Idee wird als neuestes Ei des Kolumbus verkauft. Dabei ist sie längst verwirklicht, denn viele Qualischüler (ca. 50 jährlich in Rosenheim und 60 in Bad Aibling) besuchen seit Jahren einen eigens an den Wirtschaftsschule dafür eingerichteten zweistufigen Zweig und erwerben einen auf dem kaufmännischen Ausbildungsmarkt sehr gut anerkannten Bildungsabschluss. Kaufmännische und allgemeinbildende Lerninhalte werden hier kompetent von Diplomhandelslehrern und Lehrkräften für das höhere Lehramt vermittelt.

Wenn schon an der Hauptschule festgehalten wird, dann wäre es angezeigt, sich um eine Stabilisierung und größere Akzeptanz der M-Klassen auf dem Ausbildungsmarkt zu kümmern, statt für diese eine neue Konkurrenz an der eigenen Schulart aufzubauen. Ein Verzetteln der unterschiedlichen Abschlussmöglichkeiten führt mit Sicherheit nicht zu der klaren Struktur, die die angeschlagene Hauptschule in Bayern so dringend benötigt. Profilierungsgier einiger Kommunal- und Verbandspolitiker und hektischer Aktionismus helfen der Hauptschule nicht weiter.

Andreas Salomon