Jahreshauptversammlung 2008

Pressebericht, erschienen im OVB am 25.1.2008 GEW jetzt mit drei Spitzen Neuwahlen bei der Jahreshauptversammlung

Auf ein erfolgreiches Jahr konnte der Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Salomon, auf der Jahreshauptversammlung zurückblicken. Es wurde die Zahl der Mitglieder gesteigert und die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert. So wurden 2007 zwölf gut besuchte Veranstaltungen durchgeführt. Auch gewerkschaftliche Themen seien, so Salomon, nicht zu kurz gekommen, wie die Kritik am achtjährigen Gymnasium, die Forderung nach Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems und die Gesundheit in pädagogischen Berufen. Für 2008 sind neben einer Exkursion zur KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg eine Veranstaltung mit dem Pädagogen und Psychotherapeuten Prof. Dr. Singer geplant sowie ein Rundgang durch Kolbermoor auf den Spuren des früheren Volksratsvorsitzenden Georg Schuhmann und von Alois Lahn. Wiederholt wird die satirische Radl-Wallfahrt nach Tuntenhausen. Bei den Neuwahlen wurden drei Vorsitzende gewählt: Wolfgang Orlowski vom Gymnasium Neubeuern, Andreas Salomon von der Privaten Wirtschaftsschule Dr. Kalscheuer und Reiner Schober von der St.-Georgs-Volksschule Bad Aibling. Die Pressearbeit bleibt bei Lothar Walter, die Kulturarbeit bei Helmut Pritschet, die Kasse führt Toni Reil

Bezirksvorsitzender Peter Caspari dankt Andreas Salomon
mit einem Buchgeschank für seine hervorragende Arbeit
Peter Caspari mit der Vorstandschaft

Leserbriefe

Andreas Salomon, Kreisvorsitzender, Kolbermoor

Alfons Döser – „schmutzige Gesinnung“

Das „Oberbayerische Volksblatt veröffentlichte kürzlich einen ausführlichen Nachruf auf Maria Bergmann, die sich als „Stimme der Behinderten“ in Rosenheim einen ausgezeichneten Namen gemacht hatte. Es wird zurecht darauf verwiesen, dass das Schicksal „es nicht immer gut“ mit ihr meinte. Weiter heißt es: „Als Kind musste sie erleben, wie ihr Vater im KZ Dachau inhaftiert wurde.“ Und: „Der Zeitungsverleger baute sich später eine neue Existenz in der Gastronomie auf.“

Offen bleibt die Frage, warum ihr Vater Heinrich Bergmann seine Zeitung „Wendelstein“ nicht weiterführen konnte, als er aus dem KZ kam und was für eine Zeitung das überhaupt war. Dazu muss man wissen, dass Bergmann mit seinen Publikationen, vornehmlich einem katholischen Zeitungsblock zur Abwehr des Nationalsozialismus, einer der schärfsten Kritiker der Nazis war. Wegen „staatsfeindlicher Umtriebe“ landete er schließlich in Dachau, wo er in einer Strafkompanie bis zur Erschöpfung arbeiten musste.

Als er endlich freikam, war sein Verlag in große wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht worden und die NSDAP bemüht, ihn vollends zu zerschlagen. Bergmann sah sich immer stärkerem politischen Druck ausgesetzt und wollte an auswärtige Interessenten für 100.000 Reichsmark verkaufen. Da trat das NSDAP-Mitglied Alfons Döser in Erscheinung (NSDAP-Mitgliedsnummer: 4007128, Parteieintritt am 1.5.1937) und drückte den Preis immer weiter bis auf 1.000 Reichsmark. Bergmann, so sein Anwalt, lag damals mittellos mit seiner fünfköpfigen Familie auf der Straße und nahm deshalb notgedrungen diese Summe an. „Auf diese Weise“, so Bergmanns Anwalt Dr. Schülein 1948, „hatte man den Antragsteller auf billige Weise aus der Firma, seinem Lebenswerk, ausgebootet, dem er 23 Jahre gedient hatte.“

Im Spruchkammerurteil vom 17. September 1949 (Registratur-Nummer 759/49) wird Alfons Döser als „Belasteter“ eingestuft. Er wird an 300 Tagen zu Sonderarbeiten herangezogen, muss Wiedergutmachung leisten, wird für unfähig erklärt ein öffentliches Amt zu bekleiden und vieles mehr. In der Begründung heißt es: „Der Betroffene ist beschuldigt auf Kosten eines politisch Verfolgten unmittelbar oder mittelbar, insbesondere im Zusammenhang mit einem Zwangsverkauf …, übermäßige Vorteile für sich erlangt oder angestrebt zu haben.“ Die Spruchkammer spricht von „einer schmutzigen Gesinnung“.

Holzweg 2008

GEW Rosenheim auf dem Holzweg

Pressemitteilung von Lothar Walter

Satirische Radlwallfahrt nach Tuntenhausen

Tuntenhausen, Ziel von unpolitischen Wallfahrern und Ort männer(vereins)-politischer Manifestationen, wurde von der Rosenheimer Lehrergewerkschaft GEW für eine satirische Radlwallfahrt auserwählt. Die Gymnasiallehrer Helmut Pritschet, in der Gemeinde wohnhaft und darob zum „Zwangssatiriker“ geworden, und Wolfgang Orlowski als sein kongenialer Partner führten die sportive wie kunstsinnige Gewerkschafterschar auf einen „Holzweg in 14 Stationen“ von Kolbermoor nach Tuntenhausen und brachten an „Originalschauplätzen“ satirische Texte „in und aus Tuntenhausen wider den provinziellen Kleingeist und frömmelnde Scheinheiligkeit“ zur Aufführung.

Am Ausgangsort Kolbermoor wünschte Kreisvorsitzender Andreas Salomon geistige Erbauung und politische Erleuchtung auf dieser etwas ungewöhnlichen Wallfahrt mit 14 Holzwegstationen, aber Satire dürfe bekanntlich Alles, so Salomon. Das Stichwort zum Auftaktsketch war damit gefallen und Pritschet und Orlowski gaben lustige Spötteleien über die Wortkette Tuntenhausen-Männerverein zu Besten. Denn ein Männerverein aus Tuntenhausen habe wirklich nichts mit einer Love Parade gemein, auch wenn zitierte Gästebucheintragungen aus der ominösen Internetseite „Transvesting“ auf ein „geiles Dorf“ schließen ließen.

An einem hölzernen Wegkreuz nahm Pritschet das „Kreuz als Symbol der Toleranz“ gehörig auf die satirischen Hörner. Sein bayerischer Dialekt ließ manche harte Aussage in einem milderen Ton erklingen, so wenn er den Toleranzgehalt dieses christlichen Symbols generell in Abrede stellte. Da sei bei ihm ein „genetischer Gefühlsdefekt“, wenn sich bei ihm automatisch die Assoziation Kreuz – Kreuzzug und Inquisition einstelle. Es sei halt „a Kreiz mitm Kreuz“.

Vor dem Wegkreuz bei Jarezöd gingen Pritschet und Orlowski den Spuren „eines Heiligen namens Marx“ nach. Ein zukünftiger Erdenbürger soll, so wünscht es die Verwandschaft, auf den Namen eines Heiligen getauft werden. Der Vater (Orlowski), ein nichtgläubiger Marxist, will den Sohn, als äußerstes Zugeständnis, auf den Namen Marx taufen lassen und will dafür das Einverständnis des Pfarrers (Pritschet, im Talar). Der denkt, wie auch das Publikum, an den „Marx mit dem Kapital“ und schlägt „Max“ vor, denn den heiligen Maximilian habe er mehrfach im Angebot. Der sture Vater meint aber tatsächlich den „heiligen Marx“ und verweist auf einen Stadtplan von Wien, wo es tatsächlich einen Stadtteil mit einem berühmten Friedhof gibt, der „Sankt Marx“ heißt. Sei etwas nach Sankt Marx benannt, dann müsse es auch, so die satirische Logik, einen Heiligen namens Marx und nicht nur den Revolutionär geben und beide, Pfarrer wie Vater, könnten zufrieden sein. Sollte sich da jemand zu Zeiten des roten Wiens einen Jux erlaubt haben? Am Ende der Szene gaben die Darsteller den verdutzten GEWallfahrern des Rätsels Lösung: Den Friedhof des heiligen Markus, englisch Saint Mark’s, verballhornten die Wiener zu Sankt Marx!

Orlowski im Talar parodierte an der Kirche zu Hilperting einen bekannten Pfarrer aus der Gemeinde Tuntenhausen. Er pries das Wunder der Vermehrung von Kleinstlebewesen „in unserem Weihwasserbecken“, was bei normalem, ungeweihtem Leitungswassser nicht auftrete. Das Wunder sei förmlich mit Händen zu greifen und die Aufnahme des unerklärlichen Vorgangs in das Mirakelbuch der Wallfahrtskirche Tuntenhausen sei in Bälde zu erwarten. Orlowskis todernste Miene und seine akzentuierte Betonung ließen alle Zweifel am Wunder verblassen.

Nach weiteren Halten, unter anderem auch beim Dielt-Kreuz in Zell, und Sketchen, so auch zur Frage, warum Gauweiler nicht Vorsitzender des katholischen Männervereins werden könne, erreichten die radelnden GEWallfahrer das Ziel ihrer sportlichen Mühen und bestaunten die Votivtafel der Familie Lobkowicz in der Wallfahrtskirche zu Tuntenhausen, gestiftet für, „Maria sei Dank“, die prachtvolle Generalsanierung des Schlosses nach dem verheerenden Unwetter von 2003. Dass der Mutter Gottes gedankt werde, wo doch ganz irdisch die Feurwehr den Schaden begrenzte und die Versicherung den Schaden beglich, erzürnte den Satiriker Pritschet und spornte ihn zu einer Predigt wider Kleingeisterei und Bigotterie an.

Nach einer mehrstündigen Radtour mit vierzehn Szenen über Holzwege menschlichen Kleingeistes und Kleinmuts dankte GEW Kreisvorsitzender Andreas Salomon den beiden Darstellern für die mühevolle Kleinarbeit der Vorbereitung und den gekonnten Vorführungen, was durch kräftigen Applaus der GEWler unterstützt wurde.

Kiefersfelden

Ein Fahrradausflug – zwei Aufsätze (Bilder: Helmut Pritschet)

Der Erlebnisaufsatz (von Reiner Schober)

Gleich vorweg, wer beim diesjährigen Schuljahresausklang nicht dabei war, hat etwas versäumt, nämlich einen absolut gelungenen Radlausflug ins Inntal. Bei besten Wetterbedingungen traf sich unsere kleine, aber feine Gruppe begeisterter Radler, um in guter Stimmung und begleitet von der flatternden GEW-Fahne, auf dem Innradweg nach Kiefersfelden zu fahren.

Dank der guten Kondition der Teilnehmer erreichten wir in Kürze Erl in Tirol, wo wir einen ersten Zwischenstopp einlegten und die Blaue Quelle und den idyllisch gelegenen Wasserfall aufsuchten.

Nach so viel Natur bestand das dringende Bedürfnis nach Kultur und so wurde auch dem naheliegenden Festspielhaus ein kurzer Besuch abgestattet. Guter Dinge und mit einem fröhlichen „Schwestern, zur Sonne, zur Freiheit..“ auf den Lippen rollten wir weiter und schließlich bei Reisach über die Zollbrücke, um dann beim Wallerwirt das ersehnte Mittagsmahl einzunehmen.

Frisch gestärkt – dem Schatzmeister sei Dank – machten wir uns dann auf die letzte Etappe entlang des Flusses und der kaiserlichen Berge und erreichten wohlbehalten das Blaahaus in Kiefersfelden. In diesem Holzhaus aus dem 17. Jahrhundert ist eine reichhaltige, interessante Sammlung zur Geschichte Kiefersfeldens und des Inntals untergebracht, die eine Fundgrube für Heimatkundler und geschichtlich Interessierte ist. Der Museumsverwalter führte uns bereitwillig durch die Räume und erklärte uns detailliert die Geschichte der heimischen Eisenerzverarbeitung und der Innschifffahrt. (Für Interessierte: das Blaahaus ist donnerstags und sonntags von 14 – 17 Uhr geöffnet, Herr Plattner (80!!!) macht gerne ausführliche Führungen).

Schließlich aber mussten wir uns auf den Rückweg machen und genossen die kurze, aber schöne Überfahrt mit der Fähre auf das Ostufer des Inns. Dort rollte das durchtrainierte GEW – Radteam geschlossen in beeindruckender Form gegen den berüchtigten Erler Wind wieder zurück in die Heimat. Besonders beeindruckend, aber dank der guten Organisation nicht verwunderlich war, dass wir weder Ausfälle hatten noch Teilnehmer verloren gingen. So endete dieser Ausflug harmonisch und ließ uns schon Vorferienfreuden genießen.

Der Bericht (von Andreas Salomon)

GEW besucht Heimatmuseum in Kiefersfelden

Der Ausflug zum Schuljahresabschluss führte Mitglieder und Freunde der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft diesmal ins Inntal. Bei besten Wetterbedingungen machte sich die Gruppe begeisterter Radfahrer auf nach Erl in Tirol, wo ein erster Zwischenstop eingelegt und ein idyllisch gelegener Wasserfall aufgesucht wurde. Bei Reisach ging es über die Zollbrücke auf die andere Innseite, um beim Wallerwirt einzukehren.

Danach fuhr die Gruppe entlang des Flusses und der kaiserlichen Berge zum Blaahaus nach Kiefersfelden.

In diesem Holzhaus aus dem 17. Jahrhundert ist eine reichhaltige, interessante Sammlung zur Geschichte Kiefersfelden und des Inns untergebracht – eine wahre Fundgrube für Heimatkundler und geschichtlich Interessierte. Der ausgesprochen sachkundige Museumsverwalter führte durch sämtliche Räume und erläuterte detailliert die Geschichte der heimischen Eisenerzverarbeitung und der Innschifffahrt. Für die Gewerkschaftskollegen war es besonders interessant zu erfahren, unter welchen harten Arbeitsbedingungen in früherer Zeit der Lebensunterhalt verdient werden musste. (für Interessierte: Das Blaahaus ist donnerstags und sonntags von 14-17 Uhr geöffnet, Herr Plattner macht gerne ausführliche Führungen.)

Dann ging es zurück mit der Fähre auf das Ostufer des Inns, wo die Radlergruppe sich jetzt gegen den berüchtigten Erler Wind stemmen musste, um wieder nach Rosenheim bzw. Kolbermoor zurück zu gelangen.