Leserbriefe 2007

Andreas Salomon Kreisvorsitzender, Kolbermoor am 30.6.2007 im OVB

Die Zukunft lautet: „Eine Schule für alle“

Der Ansturm auf die Gymnasien wird im nächsten Schuljahr größer sein als erwartet, berichten die Medien. Auf den ersten Blick sicher eine gute Nachricht, denn in keinem Bundesland machen so wenig Schüler eines Jahrgangs Abitur wie in Bayern. Aber leider wird gleich mitgeteilt, dass keineswegs mehr Gelder für die Bildung freigemacht werden, um entsprechend mehr Lehrkräfte einzustellen. So wird es vielerorts zu gigantischen Klassenstärken von über 30 Schülern kommen, wo es einfach nicht mehr möglich ist, jedem einzelnen Kind gerecht zu werden. Und auch die Belastung der Lehrer wird damit noch weiter steigen. Außerdem seien alle die Probleme in Erinnerung gerufen, die mit der übereilten, wenig durchdachten Einführung des G 8 verbunden sind. So ist schon jetzt vorauszusehen, dass viele Schulkinder diesem immensen Druck nicht gewachsen sein und bald wieder nach unten durchgereicht werden.

Sehen sollte man aber auch, dass der starke Zug zu den Gymnasien natürlich im Umgekehrschluss heißt, dass es ganz offensichtlich einen immer größeren Drang weg von den Hauptschulen gibt. Die vielfältigen Maßnahmen der bayerischen Regierung, das Image dieser „Rest“-Schulen aufzubessern, kommen bei der Bevölkerung nicht an. Es ist schlicht und einfach für jeden sichtbar, dass Hauptschüler sich bei der Lehrstellensuche ganz besonders schwer tun. Die Reform der Hauptschule wird deren Akzeptanz langfristig nicht verbessern.

Es ist davon auszugehen, dass die Dreigliedrigkeit des bayerischen Schulwesens auf die Dauer nicht zu halten ist. Verschiedene Schulleistungsstudien haben bewiesen, dass das integrative System der Grundschule (alle Kinder noch beieinander) dem selektiven System der Sekundarstufe I deutlich überlegen ist. Die Trennung der Kinder nach der 4. Klasse begrenzt nicht nur die Leistungsfähigkeit vieler Schüler, sondern zeigt leider auch, dass Kinder aus bildungsferneren Schichten eine um siebenmal geringere Chance zu einer gymnasialen Schullaufbahn haben.

Die Zukunft wird darin bestehen, alle Schüler bis zum mittleren Bildungsabschluss zusammenzulassen. Die Länder, die sich längst vom überholten Begabungsbegriff gelöst haben und „Eine Schule für alle“ anbieten, belegten bei der Pisa-Studie alle vordere Plätze. Deutschland mit seinem dreigliedrigen System war bekanntlich weit abgeschlagen.

Dass diese Erkenntnisse nicht ganz neu sind, beweist die Aussage des großen Pädagogen des 17. Jahrhunderts Johann Comenius: „….man solle die langsamen unter die Geschwinden, die Schwerfälligen unter die Wendigen, die Hartnäckigen unter die Folgsamen mischen. Wenn der Lehrer einen Begabteren entdeckt, so soll er ihm zwei oder drei Langsamere zum Belehren anvertrauen.“

Andreas Salomon Kreisvorsitzender, Kolbermoor

Klimakatastrophe kommt nicht überraschend

Aus den Medien könnte man den Eindruck gewinnen, wie eine biblische Plage habe uns plötzlich die Klimakatastrophe heimgesucht. Dabei sind alle wesentlichen Fakten nicht erst seit Jahren, sondern bereits seit Jahrzehnten bekannt gewesen und alle entsprechenden Warnungen von Wissenschaftlern immer und immer wiederholt worden.

Nun werden „massive Veränderungen auf allen Kontinenten“ (SZ) beobachtet und es wird konstatiert, dass der Wandel „schon“ da sei. Der Mangfall-Bote informiert uns, dass laut eines UN-Berichtes „der Klimawandel nicht mehr zu stoppen“ sei. Der bayerische Umweltminister Schnappauf empfiehlt, es sei nun viel zu tun, wir müssten uns aber „auch an die unvermeidlichen Klimafolgen anpassen“.

Darin sind wir ja geübt. Im Anpassen sind wir absolute Profis. Längst leben wir mit dem schleichenden Waldsterben, den Überschwemmungskatastrophen unserer Flüsse, der Gefahr heimischer Atomreaktoren, der Verstrahlung durch Tschernobyl und vielem, vielem mehr. Stets warten wir, bis die von Menschen verursachten Katastrophen da sind, um dann ein großes Jammergeschrei anzustimmen, dass damit nicht zu rechnen gewesen sei.

Ist die Frage erlaubt, warum wir uns eigentlich immer im Nachhinein anpassen sollen, statt es gar nicht erst so weit kommen zu lassen? Politiker, die wirklich die Interessen ihres Volkes vertreten, hätten doch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, jegliche Gefahr rechtzeitig vom Volke abzuwenden, so schwören sie es zumindest bei ihrer Vereidigung. Wieder einmal wird sichtbar, dass die meisten Politiker eher geneigt sind, die Interessen der Wirtschaft zu vertreten als die der Bevölkerung.

Hätte man vor 30 Jahren die Warnungen der Wissenschaftler vor überhöhtem CO2-Ausstoß beim Kraftwerksbau und in der Autoindustrie beherzigt, hätten die Politiker der Industrie damals klare Vorgaben auferlegt, wären ihre vollmundigen Worte heute nicht nötig. Erst die Verseuchung der Umwelt zuzulassen und sich dann als Retter aufzuspielen, wirkt irgendwie lächerlich, zumal wenn man dann noch mit einer dicken Staatskarosse daherkommt.

Nun ist viel Zeit verloren und es bleibt zu hoffen, dass zumindest jetzt von Seiten der Verantwortlichen das Nötige geschieht – und dass die Zeit noch reicht.

Aber wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen. Wäre es nicht begrüßenswert, wenn der Mangfall-Bote in einer kleinen Serie Maßnahmen vorstellt, die jeder Privatbürger ergreifen könnte?

Mein bescheidener Tipp des Tages lautet z.B. häufiger das Auto durch das Fahrrad zu ersetzen. Nur 9 % aller Strecken legen die Deutschen per Rad zurück, im Schnitt magere 300 Kilometer im Jahr. Das ließe sich, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, ganz erheblich steigern.

Wie lautet ihr Tipp des Tages angesichts der Klimakatastrophe?

Andreas Salomon Kreisvorsitzender, Kolbermoor erschienen am 3.2.07 im OVB

Milde Strafe für Peter Hartz – großer Schaden für die Demokratie

Die bereits im Vorfeld abgesprochene „Verurteilung“ des Peter Hartz kommt einem Freispruch gleich und wird, wie man an den Reaktionen ablesen kann, von der Bevölkerung auch so empfunden.

Niemand hätte aber wohl auch ernsthaft damit gerechnet, dass einer der „Oberen“ eine gerechte Strafe bekommt und tatsächlich in den Bau einfahren muss und vielleicht mit anderen Kriminellen in einer Viererzelle einige Jahre abbrummen muss. „Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen“, ist leider kein Vorurteil, sondern eine immer wieder gewonnene Erfahrung und trägt ganz erheblich zur viel beklagten Politikverdrossenheit der Bevölkerung bei. 25.700 Euro Rente darf Hartz nun monatlich einstreichen, wie einer großen Gazette zu entnehmen war und sich in Freiheit seines Lebens freuen, während Tausende andere als Hartz (!)-4- Empfängern täglich schauen müssen, dass sie über die Runden kommen.

Der Schaden, den Peter Hartz angerichtet hat, ist überhaupt nicht abzusehen. Bei der Bestechung eines Betriebsratsvorsitzenden geht es um viel mehr, als jemanden mit viel Geld und in diesem Fall auch noch zusätzlich mit unmoralischen Offerten, auf seine Seite zu bringen. Jemandem seine Meinung abzukaufen, ihn durch gigantische Geldsummen zu Fall zu bringen ist nur die vordergründige Seite des verwerflichen Handeln. Viel schlimmer ist dies, wenn man genau weiß, dass man hiermit jemanden zum Betrüger an seinen Wählern macht, also an den VW-Arbeitern, die den Betriebsratsvorsitzenden Volkerts im Vertrauen gewählt haben, dass er konsequent ihre Interessen vertritt.

Aber am schlimmsten ist der Schaden, den die Demokratie nimmt. Jemanden korrumpieren heißt wörtlich (lat. corrumpere), ihn vernichten, ihn verderben. Und in der Tat ist in diesem Fall mit Erfolg ein Stück lebendiger Demokratie vernichtet worden. Im Paragraph 119 des Betriebsverfassungsgesetzes wird gezielt jede Begünstigung oder Benachteiligung des Betriebsrates unter schwere Strafe gestellt. Dies gilt z.B. bereits, wenn jemand daran gehindert wird, während der Arbeitsszeit die Sprechstunde seines Betriebsrates aufzusuchen. Wird aber ein Betriebsratsvorsitzender mit Geld auf die Gegenseite gezogen, wird dadurch de facto der gesamte Betriebsrat als Institution ausgehebelt.

Peter Hartz offenbart hiermit, was er von demokratischer Mitbestimmung hält – nämlich gar nichts. Und zeigt gleichzeitig, wie man sich ihrer entledigen sollte, nämlich auf kriminelle Weise. Wenn so jemand dann mit einer Bewährungsstrafe und einer für seine Verhältnisse lächerlichen Geldsumme davonkommt, offenbart auch die Justiz ihr wahres Gesicht.

Übrigens ein Jugendlicher aus unserem Landkreis, der im Alkoholrausch eine Pylone (Hütchen zur Absperrung bei Baustellen), die nicht mehr benutzt wurde, mitnahm, musste wegen Diebstahls 16 Sozialstunden in einem Jugendzentrum ableisten.

KZ-Außenlager Mühldorf

Besuch des KZ-Außenlagers in Mühldorf am 23.6.2007 Pressebericht von Lothar Walter

GEW – Fahrt zum Bunkergelände

Unterirdische Fabrikhallen, überwölbt mit meterdicken, bombensicheren Betondecken, versteckt im Wald, wo Tausende KZ-Häftlinge für Hitlers Endsieg – Rüstungsprogramm litten und starben – dorthin führte die diesjährige Exkursion des Kreisverbandes Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Von Reiner Schober, stellvertretender Kreisvorsitzender, gut vorbereitet, trafen sich fünfzehn, mit Fahrrad und Proviant ausgerüstete GEWler am Mühldorfer Gleis des Bahnhofs Rosenheim. Ziel der Exkursionsteilnehmer war der Mühldorfer Hart, wo sich auf dem weitläufigen Gelände Reste des Außenlagers des Konzentrationslagers Dachau befinden. Am Zielort wurden die Gewerkschafter von Peter Müller, Gymnasiallehrer und Initiator des Gedenkvereins, empfangen und zu den verschiedenen Stationen im Wald: Massengrab, Sommerlager, Winter-lager und Bunker, geleitet. Peter Müller hat vor 26 Jahren erstmals die Geschichte des Mühldorfer Harts an die Öffentlichkeit gebracht und entscheidend dazu beigetragen, dass dieser Ort des Grauens dem Vergessen entrissen und zu einer vorläufigen Gedenkstätte hergerichtet wurde.

Die GEW Rosenheim besucht seit einigen Jahren Orte des Erinnerns an die Nazi-Herrschaft und des Widerstands. Dies sei, so Kreisvorsitzender Andreas Salomon, als Hilfe für engagierte Lehrer und Lehrerinnen gedacht, um mit Schulklassen sinnvolle Ausflugsziele zu besuchen.