Seminar: Neue Rechtschreibung

Pressemitteilung über das Seminar zur neuen Rechtschreibung am 15.3.2007
von Lothar Walter

Lehrstunde bei der GEW Rosenheim

Die Tücken der Rechtschreibreform – höherer Korrekturaufwand für Lehrer

Nun wird es ernst – ab 1. August ist die Schonfrist vorüber und die neue, pardon neueste Rechtschreibreform muss von Lehrern bei Korrekturen strikt angewendet werden. Ob dieses Ernstfalls wurde die jüngste Mitgliederversammlung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in einen Abendkurs mit Übungsaufgaben und Tests umgewandelt. Kreisvorsitzender Andreas Salomon war zugleich Referent, hat er doch als studierter Germanist und Deutschlehrer die Reform seit ihren Anfängen kontinuierlich in ihren wiederholten Vor- und Rück-schritten verfolgt. Alle mit der Reform beabsichtigten Ziele seien gescheitert, so Salomon. Schüler lernen richtiges Schreiben heute nicht leichter, sie machen andere Fehler.

Was nun Fehler ist, ist für Lehrer aber schwerer zu erkennen, muss er doch bei der Korrektur die Vielzahl der erlaubten Varianten kennen. So darf nun aufwendig -von aufwenden abgeleitet- wie auch aufwändig – von Aufwand- geschrieben werden. Das von den Reformern favorisierte Lautprinzip wurde aber nicht konsequent angewandt: Die eigentlich logisch richtige Schreibweise Ältern ist falsch, es heißt weiterhin Eltern. Wenn der Tollpatsch in der Schänke auf wackligen Beinen steht, weil er aus dem Ungarischen kommend einen weiten Weg zurücklegte, da er doch nur einfacher Fußsoldat ist und dafür den Spottnamen tolpas hat, zeigt das nur die gescheiterte Gründlichkeit der Sprachreformer, denn die frühere Schreibweise Tolpatsch war die etymologisch richtige. Übrigens darf man auch weiterhin in der Schenke einkehren, wo vom Ausschank Bier wie üblich ausgeschenkt wird, auch wenn der jetzt unlogisch richtige Stammlaut nicht zu dem voreiligen Schluss führen darf, dass das Bier vom Wirt geschenkt ist.

Jemand konnte bis 1996 eislaufen, danach war nur noch Eis laufen möglich, was aber in der neuesten Reform 2006 wieder zu eislaufen wurde; aber immer schon konnten alle Eisläufer jederzeit Eis schlecken. Der Regelungsbereich der Zusammenschreibung sei durch die Reform nicht einfacher geworden, so der Referent. Heimlich wurde in der Reform von 2006 die bis dahin geltende Steigerbarkeitsregel durch die Akzentregel ersetzt: Bei kaltstellen, feststehen oder zum Beispiel gutschreiben liegt der Hauptton auf dem ersten Wortteil. Es wird dann zu-sammengeschrieben, wenn eine neue Gesamtbedeutung vorliegt. Es wird also jemand kaltgestellt, während weiterhin der Pudding kalt gestellt wird.

Groß- und Kleinschreibung werde trotz Reform und Reform der Reform ein Regelbereich mit vielen Fallstricken bleiben. Großgeschrieben werden nun die Bezeichnungen von Tageszeiten nach Adverbien, also z. B. heute Morgen, morgen Nachmittag oder gestern Abend, aber es darf weiterhin, aber jetzt regelwidrig bei morgen früh bleiben. Zwar darf jetzt die Einen, die Anderen großgeschrieben werden, aber bei die beiden ist nur Kleinschreibung erlaubt. So ge-be es eine Fülle von Beispielen, deren Rechtschreibung mit einfacher Logik nicht nachzuvollziehen sei, so Andreas Salomon. Der Korrekturaufwand für Lehrer steige damit erheblich.