Dachau

Bericht vom Besuch in der KZ-Gedenkstätte in Dachau am 2.12.2006 Autor: Lothar Walter erschienen am 29.1.2007 im OVB

Gedenken an die Nazi-Opfer – aus der Geschichte lernen

Es gehöre fast zum Pflichtprogramm jeder Schule, mit jeder Klasse einmal „nach Dachau ins KZ“ zu fahren – Geschichtsunterricht mit ethischer Ausrichtung am historischen Ort des Schreckens, wobei dieser „Schulausflug“ mit mehr oder weniger großem pädagogischen Erfolg ablaufe, aber auf jeden Fall von den Lehrkräften vollen Einsatz für Vorbereitung, Aufsicht und Nachbereitung erfordere. Dies zur Begrüßung vom Kreisvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Andreas Salomon am Rosenheimer Bahnhof vorangestellt, machte sich eine Gruppe von Lehrern und Lehrerinnen verschiedener Schul-arten, verstärkt durch einige Sozialpädagoginnen, auf den Weg um an einem nasskalten Wintertag die neu gestaltete KZ-Gedenkstätte in Dachau zu erkunden. Frei von Verantwor-tungspflichten für Schüler wurde die Exkursion unter der Führung von Dr. Björn Mensing, Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände des ehemaligen KZs und promovierter Historiker, zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Zu Beginn der Führung zollte die Lehrergruppe den Gequälten und Ermordeten Ihren Respekt. Nach der Kranzniederlegung und Schweigeminute wies Kreisvorsitzender Andreas Salomon in einer kurzen Ansprache darauf hin, dass eine Politik des Sozialabbaus, wie sie gegenwärtig betrieben werde, auch eine Voraussetzung für den Aufstieg des Nationalsozialismus gewesen sei und knüpfte an die jüngsten Waffenfunde bei Rechtsextremisten im Rosenheimer Raum an – ein faschistisches Terrorpotenzial sei auch heute noch oder schon wieder vorhanden. Stellvertretender Kreis-vorsitzender Reiner Schober erinnerte daran, dass die geistigen Vorväter der heutigen rechtsextremen Waffensammler „Gewerkschafter wie uns“ ins KZ gebracht hätten. Sodann folgten die Lehrergewerkschafter auf der Führung dem gleichen Weg, den auch die Häftlinge nehmen mussten. Er beginnt an der Rampe, führt durch das Jourhaus mit dem „Arbeit macht frei“ – Eingangstor zum Schubhaus, wo Neuankömmlinge bei erniedrigender Behandlung als Nummer registriert werden; danach geht es durch das Prügelspalier zur Dusche. Über den Appellplatz zu den Wohnbaracken. Das Gefängnis im KZ: der Bunker – der zentrale Ort des Terrors: Verhöre, Prügelstrafen, „Pfahlhängen“, Stehzellen, Dunkelhaft. Für viele Häftlinge endet die Leidenszeit im Krematorium.

Nach der Führung versammelten sich die Exkursionsteilnehmer im Gruppenraum der Ver-söhnungskirche zum Gedankenaustausch über ihre Eindrücke. Kreisvorsitzender Salomon dankte Pfarrer Mensing für die fundierte und engagierte Führung. Dachau sei aus der deutschen Geschichte nicht mehr auszulöschen, der Name sei zum Synonym für den Nazi-Terror geworden. Die Nähe zu Dachau mache es uns zur Verpflichtung, aber auch zur Herzensache jedes Gewerkschafters, der jungen Generation die Lehren aus Dachau in geeig-neter Weise zu vermitteln.

Das rote Kolbermoor

Am 8.1.2006 hielt Andreas Salomon in Rosenheim in der Vetternwirtschaft einen Vortrag über das rote Kolbermoor hier die leicht gekürzte Fassung

Die Folgen des roten Kolbermoors

Es ist überhaupt keine Frage, dass die Monate der Räterepublik in Kolbermoor, das wichtigste Kapitel der Stadtgeschichte sind. Es ist auch keineswegs so gewesen, dass mit dem 3. Mai 1919 alles vorbeigewesen ist. Am 22. Mai 1919 stand im Kolbermoorer Anzeiger über die angeblichen Befreier zu lesen: „Wo ist denn die Beflaggung geblieben und die Blumen für die Befreier? Nur finstere Gesichter konnten diese sehen.“ (Landgrebe, S. 155)Und Christa Landgrebe zeigt in ihrer Doktorarbeit „Zur Entwicklung der Arbeiterbewegung im südostbayerischen Raum“ weiter auf, welche Nachwirkungen sich in Kolbermoor in den nachfolgenden Jahrzehnten beobachten ließen. So lesen wir dort: „Für die Entwicklung der Arbeiterbewegung in Kolbermoor spielte die – wenn auch letztlich fehlgeschlagene – Revolution eine sehr wichtige Rolle, hier wurden Erfahrungen gesammelt und Bewußtseinsinhalte entwickelt, die später große Teile der Arbeiterschaft resistent machen sollten gegen die nationalsozialistische Ideologie.“(S. 166)

Widerstand in Kolbermoor gegen die Nazis

Zwar versuchte die NSDAP schon frühzeitig in Kolbermoor Fuß zu fassen und Adolf Hitler hielt bereits am 19. Juni 1920 seine erste Rede außerhalb von München in Kolbermoor, was aber die Kommunistische Partei nicht hinderte in den 20er und 30er Jahren ihre Tätigkeit in Kolbermoor auszubauen. Landgrebe schreibt, dass es der KPD gelang „durch Versammlungen und Gründung von Organisationen einen größeren Teil der Arbeiterbevölkerung anzusprechen.“ (S. 163) Schon in den früher 20er Jahren entstanden Ortsgruppen der „Roten Hilfe“ und des „Rotfrontkämpferbundes“. Vor allem Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot waren die Themen, über die referiert wurde. Die Konferenzen leitete meist Ewald Thunig. „Zu Beginn der 20er Jahre“ – so Landgrebe – „läßt sich von einem wachsenden Klassenbewußtsein bei Teilen der Kolbermoorer Arbeiterschaft sprechen.“ (S. 160) Noch in den 30er Jahren heißt es im Tagesbericht des Bezirksamts Aibling an die Bayerische Politische Polizei vom 10.9.1936, dass „…die Verhältnisse in Kolbermoor…offenbar immer noch nicht als endgültig ruhig betrachtet werden (können)….“ So wurden im November 1936 acht Kolbermoorer Arbeiter „wegen Singens der Internationale bzw. antinationalsozialistischen Verhaltens“ vorübergehend festgenommen. (Landgrebe, S. 164) In ihrem Aufsatz „Chronik des Widerstands in Kolbermoor 1931-1945 zeigt Edda Kühne eine große Zahl ähnlicher Aktionen auf. (Jahrbuch zur Geschichte Kolbermoors, Bd. 1, S. 126-138)

Die letzten 20 Jahre in Kolbermoor

Erst nach dem 2. Weltkrieg gerät das rote Kolbermoor zunehmend in Vergessenheit und die Stadt macht vielmehr Schlagzeilen mit dem Erstarken braunen Gedankenguts in Gestalt der Republikaner und anderer Rassisten. Nikolaus Ziegler weist in seinem Aufsatz „Neonazis und Rechtsextremisten in Kolbermoor“ nach, was sich in der Zeit von 1986 bis 2004 an entsprechenden Aktionen bis hin zum rassistischen Mord an Carlos Fernando ereignete. (Jahrbuch zur Geschichte Kolbermoors, Bd.2, S. 199 – 205).

Wiederentdeckung der Kolbermoorer Rätezeit

Wie kam es jetzt dazu, dass die Ereignisse der Räterepublik in Kolbermoor wieder bekannt wurden. Ein erster Versuch wurde 1989 zum 70sten Tag der Ermordung von Schuhmann und Lahn durch eine Gruppe um Klaus Weber versucht, wo auch eine erste provisorische Gedenktafel aufgestellt wurde. Die durchschlagende Wirkung blieb aber noch aus.

Was es gab, war der Film „Auf den Spuren des roten Kolbermoors“, der schon 1986 im Fernsehen ausgestrahlt wurde und dann die schmachvolle Chronik von Horst Rivier.

Im Sommer 1998 sprach mich der Kolbermoorer Ortskartellvorsitzende Hans Lorenz an, ob wir von der GEW nicht einmal diesen besagten Film zeigen wollten. Zur Vorbereitung auf die Veranstaltung, die ich daraufhin organisierte, stieß ich auf Riviers Chronik und war zutiefst erschrocken, was ich dort las. Einige Kostproben:

Geschichtsverfälschung durch Horst Rivier

„Um eine ruhige Entwicklung zu verhindern, bemühte sich eine zunächst kleine Gruppe Linksstehender, die nun unzufriedene große Masse zu gewinnen, um mit dieser die Revolution zu machen.“ (S. 44)

„Aber gerade sie waren es, die in unserem bis dahin wirklich friedlichen Ort nach dem Muster eines Kurt Eisner die Revolution heraufbeschworen. Es wurden hier nun Soldatenräte, Bauernräte und Gruppen von aufgeputschten revolutionären Arbeitern zu den Massenversammlungen organisiert.“ (S. 44)

„Aus der alten Sozialdemokratischen Partei gründeten die radikalen Elemente die Ùnabhängige Sozialdemokratische Partei`(USPD); diese Richtung war aber vielen von diesen noch zu gemäßigt und die schärfsten und größten linken Fanatiker sammelten sich als `die Spartakisten`. Daß solch links extreme Hetze keine guten Früchte tragen konnte, lag auf der Hand.“ (S. 45)

Rivier schrieb weiter von „roten Auswüchsen“ (S. 46), „hysterischen Frauen“ usw. Abschließend behauptete er, seine Informationen beruhten auf Gesprächen mit Zeitzeugen, die er dann nennt. Es dauerte etwas, bis ich herausfand, dass alles erstunken und erlogen war. Rivier hatte einfach bei einem anderen Chronisten abgeschrieben, nämlich bei Albert Loher, der seinerzeit Prokurist bei der Spinnerei war und natürlich aus vorurteilsbeladener Sicht der herrschenden Klasse schrieb.

Neuanfang der Geschichtsschreibung nötig

Damit war für mich klar, dass die Geschichte neu geschrieben werden musste. Als kurz darauf auch der DGB eine Veranstaltung in Kolbermoor zum gleichen Thema durchführte und der DGB-Kreisvorsitzende Lorenz Ganterer direkt aufforderte, sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen, war der Startschuss gefallen. Das war im September 1998. Durch Zufall kam ich darauf , dass der kommende 4. Mai 1999 der 80. Todestag von Schuhmann und Lahn war. Damit war ein Zeitpunkt gegeben, um entsprechende Ergebnisse zu präsentieren.

Ich griff zum Telephonbuch. Gibt es noch Nachfahren von Schuhmann oder Lahn? Und stieß auf eine Frau Lahn-Obermüller, die mit einem Bruder von Alois verheiratet war. Ich ging zur Stadt und ließ mir die Melderegister von Schuhmann heraussuchen. Ich suchte die Gräber auf dem Friedhof, die Wohnungen, fand die Schuhmannstraße und bekam mit Mühe heraus, wann diese Straßenbenennung stattfand. Das war am 7.2.1947 gewesen. In der Begründung finde ich den bemerkenswerten Satz: „Herr Schuhmann, der in der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges infolge seiner demokratischen Gesinnung das Leben lassen musste, soll dadurch geehrt werden, dass die Straße seines Geburts- bzw. Wohnhauses seinen Namen erhält“. Der Stadtratsbeschluss war einstimmig! Ich ging zum Pfarrer, der mir die Sterberegister heraussuchte. Und eine sensationelle Entdeckung: Am Rand steht eine viele Sätze lange handschriftliche Bemerkung, die zwar schwer zu entziffern ist, aber viele wichtige Informationen enthält.

Erste Recherchen

Georg Schuhmann, Beruf Installateur, 1. Vorsitzender des revolutionären Arbeiterrates, Kopfschuß, Beerdigung mit 3 Geistlichen auf Forderung der Arbeiterschaft. Geboren 6.März zu Bamberg, wurde bald Führer der radikalen Arbeiterbewegung, nach dem Tode Eisners 1. Vorsitzender des neuen Volksrates, seit 29. April des revolutionären Arbeiterrates. Und später heißt es: „Herr Dr. Solleder ersuchte um kirchliche Beerdigung, um die Erregung eines großen Teiles der Bevölkerung nicht noch mehr zu steigern.“

Über Alois Lahn stand am Rand, wo erwohnte, Ludwigstraße 9, dass er ledig war. Geboren am 27. März 1901, Sohn der Fabrikarbeitereheleute Lahn, zugleich mit Schuhmann erschossen.

Erste Mosaiksteine waren zusammengetragen. Nun ging ich ins Kolbermoorer Stadtarchiv. Hatten die Räte irgendetwas hinterlassen? Nach den Darstellungen bei Rivier schien dies ja nicht der Fall zu sein. Doch welche Überraschung: Ich entdeckte das Beschlussbuch der Räte, das Protokollbuch all ihrer Sitzungen und obendrein noch weitere wichtige Dokumente.

Nun war erstmalig die Möglichkeit gegeben, nachzuprüfen, was die Räte wirklich gemacht hatten. Nun konnte man dem vorurteilbeladenen Geschwätz von Rivier und seinen Anhängern etwas entgegensetzen. Langsam schälte sich heraus, was damals wirklich passiert war und ich beschloss, es der Öffntlichkeit bei einem historischen Rundgang durch Kolbermoor am 4. Mai 1999 bekannt zu machen, den ich sorgfältig mit entsprechender Pressearbeit vorbereitete. Denn mir war klar, hier ging es nicht nur darum ein historisches Kapitel der Stadtgeschichte wieder sichtbar zu machen, sondern es ging gleichzeitig um den Kampf, das bewusst Verdrängte, das Unangenehme zu beleuchten und damit um ganz konkrete Tagespolitik.

Der Kampf um die Gedenktafel

Ständig schrieb ich Leserbriefe und kleine Artikel im Mangfall-Boten, um für das Thema den Weg zu bereiten. Dann stellte ich über die Grüne Liste im Stadtrat den Antrag, eine Gedenktafel zu errichten, so dass sich der Stadtrat mit diesem Thema beschäftigen musste. Als er abgelehnt wurde, wenn auch knapp, wiederholte ich den Antrag zusammen mit dem DGB-Ortskartellvorsitzenden, wobei ich auch stets sichtbar machte, dass hinter mir die GEW stand, deren Mitglieder mich auch in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützten. Nun kam es aber nicht mehr zur Abstimmung, weil der 2. Bürgermeister Schrank herausgefunden hatte, dass der Grund, auf dem die Tafel stehen sollte, gar nicht der Stadt gehöre. Man war froh, aus dem Schneider zu sein. Im April starteten wir eine ganze Leserbrief Serie, die dann die eigenmächtige Aufstellung der Tafel vorbereitete. Einen langwierigen Schriftverkehr mit der Bahn AG wollten wir uns ersparen – es fehlte auch die Zeit, denn der 4. Mai rückte immer näher.

Der historische Rundgang am 4.Mai 1999

Um dem Rundgang die nötige Breitenwirkung zu verleihen bat ich den CDU-Bürgermeister Reimeier um die Eröffnungsansprache. Sämtliche Fraktionen wurden angeschrieben mit der Bitte, einen Sprecher zu stellen. Die Bundestagsabgeordnete Angelika Graf wurde um Stellungnahme gebeten usw.. Wichtig war für mich auch Prof. Dr. Klaus Weber miteinzubeziehen. Zum einen hatte er sich schon lange vor mir mit der Räterepublik beschäftigt, zum anderen war er Kolbermoorer und zum Dritten wusste ich aus alter Freundschaft, dass bei ihm das Thema in guten Händen war und ist.

Der Rundgang wurde ein außergewöhnlicher Erfolg mit gut 80 Teilnehmern. In der Folge führte er zur Entstehung meines Buches, einem Film, den wir gleich sehen werden und schließlich zur Gründung der Kolbermoorer Geschichtswerkstatt. Er löste auch heftigste Auseinandersetzungen mit Horst Rivier und seinen Mitstreitern vom Förderverein des Heimatmuseums aus und führte zu einer tiefgründigen Kritik von Riviers Chroniken, die wir auf Grund der unseriösen Geschichtsschreibung, der Lügen und Verdrehungen, der einseitigen, vorurteilsbeladenen Sicht der Dinge als ausgesprochen wertlos einstufen mussten, ja als gefährlich für die Leser, die das dort Geschriebene womöglich als bare Münze nehmen. Dieser Streit hält bis heute an, auch wenn sich nach Rivieres Tod die Fronten etwas zu lockern scheinen..

Unser Rundgang begann damals vor dem Schuhmann-Haus, an dem ich seinerzeit eine Gedenktafel anbringen ließ. Dort war Schuhmann am 1.2. 1919 eingezogen und drei Monate später von seinen Mördern überfallen und herausgezerrt worden. Vorher hatte er seit 15.11.1918 in der Karlsstraße gewohnt. In das Schuhmann-Haus war er zu seiner Schwester gezogen. Heute steht dieses Haus nach einem Brand als Ruine da und soll abgerissen werden. Es fehlt das historische Bewusstsein, dieses Gebäude zu erhalten und vielleicht zu einer Gedenkstätte an die Räterepublik in Kolbermoor und insgesamt im Landkreis Rosenheim umzugestalten.

Historische Grundlagen der Kolbermoorer Räterepublik

Natürlich ist die Kolbermoorer Räterepublik nur zu verstehen, wenn man sie historisch in die Zeitumstände einbaut, denn hier konnte sich nur das abspielen, was nach dem verlorenen 1. Weltkrieg insgesamt in Deutschland auf der Tagesordnung stand. Und was Schuhmann und seine Weggefährten durchführten, war nur möglich auf dem Hintergrund einer vergleichsweise weit entwickelten Arbeiterbewegung vor Ort.

Im November 1917 verzeichnen wir die sozialistische Oktoberrevolution in Russland, deren Ideen weit ausstrahlten. Am 19.10.1918 meuterten in Wilhelmshaven die Matrosen und machten Kaiser Wilhelm dafür verantwortlich, dass der Krieg weiter andauerte. Ihr Aufstand breitete sich wie ein Lauffeuer über das Land. Die Novemberrevolution in Bayern 1918 war die Folge einer kolossalen Verschärfung der sozialen Lage der arbeitenden Bevölkerung im Gegensatz um besitzenden Adel und Großbürgertum. Die anfängliche Kriegsbegeisterung war längst dahin. Am 7.11.1919 hatte die SPD in München zu einer Massenversammlung gegen den Kaiser und für Frieden auf der Theresienwiese aufgerufen , an der auch die Freien Gewerkschaften und die USPD teilnehmen. Unter Führung von Kurt Eisner zog man zu den Münchner Kasernen, wo sich die meisten Soldaten anschlossen. Am Abend wurde ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat mit Eisner als Vorsitzendem gebildet und die Monarchie gestürzt. Die wichtigsten Stellen wurden besetzt und die demokratische bayerische Republik proklamiert.

Die Ereignisse in Kolbermoor

Auf diesem Hintergrund rief 4 Tage, am 11.11.1918 später in Kolbermoor die hiesige SPD zu einer Massenversammlung in den Mareissaal, die von allen Schichten der Bevölkerung besucht wurde. Der Saal war dicht besetzt. Hier wurde der 1. Volksrat gegründet, der 25 Mitglieder hatte, die aus allen Schichten kamen. 1. Vorsitzender war der Gastwirt Franz Sperber, 2. Vorsitzender der Bürgermeister Edmund Bergmann. Der Volksrat wurde als ein Kontrollorgan aufgefasst, „um die Tätigkeit der hiesigen amtlichen Stellen zu überwachen und Missstände abzustellen.“ (Beschlussbuch, S. 5). Die Ärztefrage wird behandelt sowie die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Missstände bei der örtlichen Lebensmittelzuteilung werden beklagt. Ein gewählter Lebensmittelaussschuss soll die Geschäfte überwachen. Und zur Sicherheit wird ein Wachkommando vorgeschlagen.

Immer wieder geht es um die gerechte Verteilung der Lebensmittel. Gerügt werden zu hohe Preise für bestimmte Genussmittel und Kleidungsstücke. Und Vorschläge werden gemacht, wie durch Beschaffung von Notstandsarbeiten der Arbeitslosigkeit zu begegnen sei. Aber auch zahlreiche andere lokale Probleme werden diskutiert. Kritik wird am Gemeinderat laut, der sich um manches zu wenig kümmere und es wird beschlossen, drei Beobachter zu den Sitzungen des Gemeindeausschusses zu schicken..

6 Wochen später, am 2.1.1919, tritt der Volksrat zurück, weil aus eigenen Reihen an seiner Arbeit Kritik geübt worden war und weil zu viele „bürgerliche Elemente, sogar zwei Kommerzienräte und Kriegsgewinnler“ (S. 27) in ihm säßen. Hier bahnte sich bereits 6 Wochen früher als in Rosenheim und in München der Weg zu einer radikaleren Richtung an.

Am 8. Januar wird ein neuer Volksrat gewählt. Wieder ist der Mareissaal prall gefüllt. Jetzt werden sechs Vertreter der Arbeiterschaft, ein Bürgerlicher, ein Lehrer und ein Vertreter der Landwirte gewählt. Gewählt wurde auch Georg Schuhmann, der in der ersten sich anschließenden Sitzung 1.Vorsitzender wird. Schuhmann ist 32 Jahre alt und gerade aus dem Krieg in die so genannte Sanierung zwischen Rosenheim und Kolbermoor gekommen, ein Auffanglager für Kriegsheimkehrer, die hier entlaust und neu eingekleidet wurden. Welche politische Ausbildung Schuhmann hatte und welche politischen Erfahrungen, konnte bisher nicht erforscht werden. Außer dem Beschlussbuch hat er keinerlei Aufzeichnungen hinterlassen. Nicht eine seiner Reden ist bekannt. Eine einzige kann ihm wahrscheinlich zugeschrieben werden.

Es darf aber davon ausgegangen werden, dass er einiges an Erfahrung mitbrachte. Denn nur so ist es verständlich, dass er sich verhältnismäßig schnell innerhalb der Kolbermoorer Arbeiterbewegung profilieren konnte. Der Boden in Kolbermoor für eine Politik im Interesse der breiten Bevölkerung war zweifellos gegeben. Große Fabriken wie die Spinnerei und das Tonwerk hatten schon früh einen gewerkschaftlichen und politischen Zusammenschluss der Arbeiter zur Folge gehabt. Wie aber Schuhmanns Entwicklung in Kolbermoor sich im Einzelnen darstellte, weiß man nicht. Sicher ist nur, dass er bald ein unglaublich großes Maß an Anerkennung fand, ja dass er geradezu eine charismatische Figur gewesen sein muss.

Kaum war der neue Volksrat gewählt intensivierte er seine Arbeit erheblich. Immer mehr Themen stehen auf der Tagesordnung wie der Straßenbau, der Uferschutz an der Mangfall, die Verrohung der Jugend durch den Krieg. Schleichhandel oder Wucherpreise werden noch sorgfältiger verfolgt. Der 8-Stunden –Tag und entsprechende Entlohnung werden diskutiert. Entschieden bemüht sich der Volksrat um soziale Gerechtigkeit. Der Einsatz des Volksrates bezüglich seiner Kritik an schlechten Lebensmitteln hat Erfolg. Klagen und Beschwerden, die beim Volksrat eingehen, werden an die Gemeinde weitergeleitet. Der Einfluss Schuhmanns wächst immer mehr. Am 5.2.1919 beschließt der Volksrat, dass Schuhmann regelmäßig Bürostunden im Amtszimmer des Bürgermeisters abhält. Die Anträge des Volksrates werden von der Gemeinde weitgehend umgesetzt. Die Protokolle erwecken den Eindruck, dass der Volksrat immer mehr die Politik in Kolbermoor bestimmt und der Gemeinderat zur Exekutive wird. Inwieweit das tatsächlich stimmt, werde ich in den nächsten Monaten genauer untersuchen, wenn ich die Gemeinderatsprotokolle aus jener Zeit mit den Protokollen der Räte in Bezug setze.

Die Vorgänge vom 22.2.19 überraschen deshalb nicht sonderlich. Am Tage nach der Ermordung Eisners wird der Bürgermeister zur Volksratssitzung eingeladen. Schuhmann schildert ihm die Vorgänge in München und Rosenheim, die zu den Rücktritten der Bürgermeister geführt hätten und führt aus, dass nun auch „in Kolbermoor nichts zu tun übrig bliebe, als diesem Beispiel zu folgen“ (S.49) Wörtlich heißt es weiter: „Er teilte mit, daß in der Arbeiterschaft Kolbermoors eine starke Misstimmung gegen Herrn Bürgermeister Bergmann sowie gegen Herrn Sekretär Loy sich bemerkbar gemacht hätte und daß voraussichtlich auch für diese beiden Herren der Gedanke des Rücktritts in Frage käme.“ Daraufhin trat Bergmann zurück. Bei Rivier liest sich das übrigens so: „Mit einer bewaffneten Menge zog er vor das Rathaus, wo der langjährige Bürgermeister Edmund Bergmann dem Revolutionär, dem Rotgardisten Georg Schuhmann, weichen mußte.“(S. 45)

Der Volksrat setzte nun seine Aktivitäten mit ungeminderter Intensität fort, ja die Fülle der Aktivitäten nahm eher noch zu. Die Löhne von Gemeindeangestllten werden erhöht, neue Kräfte eingestellt, die Pension des Gemeindedieners erhöht, den Kriegsinvaliden zunächst je 100 DM zugewiesen, ein Tanzkurs genehmigt, beschlossen, bestimmte Gemeindewege zu reparieren, Kundenkarten für sämtliche Lebensmittel eingeführt und beschlossen gegen die Ausbeutung von Lehrlingen vorzugehen.

Und wieder dreht das Rad der Geschichte sich weiter. Ein dritter Volksrat wird am 29.4.gewählt. Einstimmig wird Schuhmann wieder gewählt, der erklärt, „nur einem aus Kommunisten gebildeten Rate vorstehen zu können“ (S. 63). Der neu gewählte Volksrat, der wieder im voll besetzten Mareissaal gewählt wird, heißt nun: Revolutionärer Arbeiterrat.

Aber dieser Volksrat traf sich nur zu einer einzigen Sitzung, dann zog sich schon der Ring der Weißgardisten rund um Kolbermoor zusammen. Wie eine Festung war Kolbermoor ausgebaut und zur Verteidigung bereit, aber die Lage war aussichtslos. Kolbermoor, die letzte rote Bastion in Bayern, musste sich ergeben. Schuhmann selber hatte erkannt, dass nur ein großes Blutvergießen die Folge eines Kampfes war und plädierte dafür sich zu ergeben. Heftige Auseinandersetzungen im Mareissaal gingen der Entscheidung voran. Dann wurden die Waffen gestreckt.

Die Ermordung von Georg Schuhmann und Alois Lahn

Georg Schuhmann und Alois Lahn wurden am nächsten Morgen, Sonntag den 4. Mai 1919 aus ihren Betten gezerrt, misshandelt, zur Tonwerksunterführung und geschleppt und dort ermordet. Alois Lahns Vater schrieb über die Ermordung seines Vaters am 17.9.1919 im „Anzeiger für Kolbermoor“: „(…) Sonntag früh, den 4. Mai 8 Uhr kam ein Trupp Weißgardisten, 11 Mann, welche nach Alois Lahn frugen. Sie rißen ihn aus dem Bett, zerrten ihn zur Türe hinaus, warfen ihn an den jenseitigen Gartenzaun, wo er sich an einem Pfosten ein Loch in den Kopf schlug. Mir, der ich nachging, wurde mit Erschießen gedroht. Mein Sohn wurde wieder in die Höhe gerissen, mit Gewehrkolben wieder niedergeschlagen, einer schlug ihm mit der Schreibmaschine die Hirnschale ein. Nachdem er wieder aufgerüttelt worden war, wurde er von zwei gehalten, während ihn drei ausplünderten (Geld, Brieftasche, Habseligkeiten).

Ein Teil des Trupps, ein Leutnant und 3 Mann sprengten währenddesssen in der Wohnung die Kästen auf, rissen aus einem das Grammophon und demolierten es. Nahmen zwei Anzüge und ein Paar Stiefel mit. Der Leutnant wollte in seinem Kampfeifer sogar noch das 4-jährige Kind erschießen. Mein Sohn wurde durch die Straßen geschleift. (…) und ohne Urteil erschossen“.

Bei der Beerdigung von Georg Schuhmann und Alois Lahn war der Freidhof schwarz von Menschen. Auf einem Foto des Grabes kann man auf Kranzscheifen lesen: „Ein letzter Gruß dem (ein Wort nicht lesbar) Kämpfer – die Arbeiterschaft der Spinnerei“ oder „Letzter Gruß unserem unvergesslichen Schuhmann“.

Studiengebühren

Presseerklärung des Aktionsbündnisses für kostenlose Bildung

Glückwunsch, Herr Goppel! Studiengebührendebatte zeigt erste Wirkungen

An der Fachhochschule Rosenheim müssen heuer die Einschreibungsfristen für mehrere Studiengänge verlängert werden. Grund: Zu wenige junge Menschen haben sich bisher für ein Studium in Ro-senheim entschlossen.

Max Meier, ein Sprecher des Aktionsbündnisses für kostenlose Bildung (AKB) sieht dafür insbesondere Wissenschaftsminister Goppel in der Verantwortung: „Die leidige Debatte um Studiengebühren schreckt viele junge Menschen bereits jetzt vor einem Studium ab! Sie befürchten, dass diese wäh-rend ihres Studiums eingeführt werden und beginnen stattdessen eine Ausbildung oder steigen ins Berufsleben ein. Goppel muss seine Pläne einstampfen, bevor schlimmerer Schaden entsteht.“ Weiter sieht Meier die BAFöG Diskussion als schädlich an. Die Pläne von Unionspolitiker/innen dieses fak-tisch abzuschaffen und auf Kredite umzustellen, seien nicht dazu geeignet, den Abiturient/innen die nötige Planungssicherheit für die vier Jahre eines Studiums zu bieten. „Wenn ich die Wahl habe, ob ich eine Ausbildung mache, Gehalt bekomme und mir vielleicht sogar etwas auf die hohe Kante legen kann, dann werde ich mich wahrscheinlich gegen ein Fachhochschulstudium entscheiden, bei dem ich nach Abschaffung des BAFöGs und Einführung von Studiengebühren mit 40.000 € verschuldet bin. Vor allem potentielle Studierende aus sozial benachteiligten Schichten sind bereits jetzt abge-schreckt,“ so Meier.

Für die Fachhochschule Rosenheim sind die Folgen bisher noch nicht voll abzuschätzen. Doch be-drohlich wirkt, dass im Bereich Informatik noch nicht einmal halb so viele Studierende eingeschrieben sein sollen wie im Vorjahreszeitraum. Momentan werden die Einschreibungsfristen verlängert. Doch sollten die Anmeldungen ausbleiben, drohen Kürzungen seitens des Ministeriums. Fatal für die IT-Region Rosenheim, die derzeit einen hohen Bedarf an Fachkräften hat. Neben Informatik sind Kunst-stofftechnik, Elektrotechnik, aber auch die traditionellen Rosenheimer Holz Studiengänge derzeit un-terbelegt. Wenn 2007 nach den Plänen des Wissenschaftsministers Studiengebühren endgültig einge-führt sein sollen, könnte sich die Situation weiter verschärfen.

Meier vom AKB fordert den FH Präsidenten Professor Leidig auf, jetzt Stellung zu beziehen: „Herr Leidig weiß genau, dass durch Studiengebühren hinterher kein einziger Cent mehr im Haushalt seiner FH ist als im Jahr 2003. Im Gegenteil – Studiengebühren bedrohen die Rosenheimer Fachhochschu-le! Es wird Zeit, dass er gemeinsam mit seinem Kollegen Huber von der Münchner Universität eine klare Front gegen die Ministerpläne aufbaut.“

Presseerklärung von Michael Mende

Am vergangenem Freitag stellte der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel gegenüber Studierendenvertreter/innen sein Modell für die geplante Einführung von Studiengebühren in Nürnberg vor. Neben Goppel referierten die Hochschulrektoren Grüske (Universität Erlangen-Nürnberg) und Eichele (Fachhochschule Georg Simon Ohm Nürnberg) darüber, wie Gelder aus Studiengebühren eingesetzt werden sollen. Der Jugendvertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rosenheim (GEW), Michael Mende, nahm stellvertretend für die StuVe der Katholischen Stiftungsfachhochschule München an dem Gespräch teil und erklärt dazu:

„Ab dem Sommersemester 2007 ist es soweit. Studierende können sich ihre Bildung für 500€ pro Semester kaufen. Sie erhalten dafür vielleicht auch einen ‚zinsgünstigen‘ Kredit unter 10%. Soziale Selektion ist dabei offenbar auch erwünscht. Denn eine Befreiung von der Gebühr beispielsweise für Menschen mit Behinderung oder aus bildungsfernen Schichten ist nach Aussage Goppels unnötige ‚Gefühlsduselei‘. Lediglich Studierende mit Kind brauchen nicht zu zahlen und möglicherweise – da liegt Goppel noch im Clinch mit der CSU Fraktion – Studierende aus kinderreichen Familien. An diesem Punkt schneidet sich neoliberale Umgestaltung des Bildungswesen mit den konservativen bevölkerungspolitischen Zielen der Staatsregierung.

Die Folgen der Einführung werden dabei bewusst in Kauf genommen. Junge Menschen, so denn sie sich ein Studium überhaupt noch leisten können, werden sich ihren Studiengang einseitig nach ökonomischen Erwägungen aussuchen müssen. Entscheidend ist nicht mehr ein wissenschaftliches Interesse an einem Studium, sondern die Frage, ob jemand damit später genügend verdient, um die aufgenommenen Schulden zurückzuzahlen. Insbesondere betrifft dies dann die Geistes- und Sozialwissenschaften. Ethik und Theologie werfen eben wahrscheinlich weniger ‚Profit‘ und sind im postfordistischen Kapitalismus sowieso unerwünscht. Da macht es nichts aus, dass diese Disziplinen nicht mehr studiert werden. Doch auch in den technischen Fachrichtungen wird die ungenierte Verquickung von Wissenschaft und Wirtschaft weiter vorangetrieben werden. Wahrscheinlich wird es dann keine einzige Diplomarbeit mehr geben, die nicht im Auftrag einer Firma geschrieben wird. Ökonomisieren des Studiums statt Freiheit von Forschung und Lehre. Eine Vorstellung, die dem Wissenschaftsminister wohl schon lange vorschwebt.

Die vielbeschworenen Mitspracherechte, die im Zusammenhang mit Studiengebühren dann den Student/innen zur Verfügung stehen sollen, sind dabei nicht zu erkennen. ‚Eine demokratische Hochschule wird es mit mir nicht geben,‘ so Goppel. Im Gegenteil: Die Gremien, in denen Studierende Mitsprache ausüben, werden entmachtet oder als ‚Hochschulrat‘ so umgestaltet, dass die studentische Mitbestimmungsanteile faktisch halbiert werden. Auch das ist Teil der Pläne zum neuen Bayerischen Hochschulgesetz. Den Studierenden bleibt das ‚Konsumverhalten‘ als einziges Mitbestimmungsrecht. Wem das zu abstrakt erscheint, der/die möge sich vorstellen, wie sehr er/sie bei der Gestaltung ihres letzten SONY Fernsehers mitsprechen durfte. Nun muss aber ergänzend hinzugedacht werden, dass gerade in den gefragten Studienrichtungen viel zu wenige Studienplätze vorhanden sind. Studierende haben also effektiv meist keine Wahl, welche Hochschule sie besuchen möchten.

Das Gebührenmodell Goppels sieht vor, dass das eingenommene Geld bei den Hochschulen verbleiben soll. Klingt zunächst gut. Doch bei genauerem Betrachten werden die Schwächen dieser Argumentation überdeutlich. Mit dem Geld können beispielsweise nicht neue Professor/innenstellen geschaffen werden, die für eine ernsthafte Verbesserung der Studienbedingungen dringend nötig wären. Denn diese würden kapazitätswirksam und die Hochschule müsste deshalb mehr Studierende für das betreffende Fach zulassen. Was dann logischerweise nicht zu einer besseren Betreuungsquote führen würde. Also müssen die Gelder in die Ausstattung und in Tutorien fließen. Die Vorschläge des Nürnberger Fachhochschulrektors Eichele zur Verwendung der Mittel dokumentieren dabei den Hohn dieser Maßnahme: Die zusätzlichen Gelder sollen für neue Bücher und Fachzeitschriften, längere Bibliotheksöffnungszeiten und Tutorien Verwendung finden. All diese Posten wurden seit Anfang 2004 gekürzt – wegen der Einsparmaßnahmen der bayerischen Staatsregierung. Studiengebühren werden also dazu herangezogen, um die Mittel für Hochschulen zu generieren, die Goppel und Faltlhauser seit der Landtagswahl 2003 bei den Hochschulen eingespart haben.

Für die Zukunft könnten Wissenschafts- und Finanzministerium dazu versucht sein, weiter bei den Hochschuletats zu kürzen und Studiengebühren dafür zu erhöhen. Auch das trägt zu einen ausgeglichenen Haushalt bei, der volkswirtschaftlich sinnlos ist und für viele eine soziale Katastrophe bedeutet.

Applaus Herr Goppel, Herr Stoiber, Herr Faltlhauser!“

Pressemitteilung des AKB Rosenheim von Melina Staudacher

Minister stellte Studiengebühren vor

Schlimmste Erwartungen des AKB treten ein

Gegenüber Studierendenvertretungen stellte Wissenschaftsminister Goppel am Freitag sein Modell für Studiengebühren vor. Aus Sicht des Aktionsbündnisses für kostenlose Bildung Rosenheim (AKB) ist dieses vollkommen unzumutbar.

Die Pläne des Ministers sehen allgemeine Studiengebühren von 500 € pro Semester vor, welche sofort zu bezahlen sind; dabei ist keinerlei soziale Absicherung vorgesehen. Lediglich studierende Eltern werden von den Gebühren befreit. Kredite werden zu annähernd marktüblichen Zinssätzen zwischen 4 und 10% gewährt.

Eine Sprecherin des AKB hierzu: „Dieses Goppel-Modell geht völlig an der sozialen Lebensrealität von Studierenden vorbei! 1000 € Abzocke pro Jahr ist im Vergleich zur finanziellen Leistungsfähigkeit von Studierenden eine Unverschämtheit!“

Studierende sowohl aus sozial benachteiligten Schichten, als auch aus der Mitte der Gesellschaft würden so mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Studium abgeschreckt. Denn auch die Aussicht später mit 10 000 € bis 20 000 € Schulden ins Berufsleben zu starten, erscheine nicht gerade rosig.

Das AKB spricht sich generell für kostenfreie Bildung von der Kindertagesstätte bis zur Rente aus. Bildung ist ein Menschenrecht und wird durch Studiengebühren zur Ware degradiert. Bildungsgebühren – egal welcher Art- verschärfen die soziale Selektion innerhalb einer Gesellschaft.

Abi – und jetzt Studium?

Ein Plädoyer für gebührenfreie Hochschulen!

Im Herbst diesen Jahres möchte die CSU in Absprache mit dem Wissenschaftsministerium das Baye-rische Hochschulgesetz novellieren. Der Entwurf sieht dabei Eingriffe in die Freiheit von Forschung und Lehre, eine voranschreitende Entdemokratisierung der hochschulischen Gremien und weitere Einschnitte bei der studentischen Mitbestimmung vor. Dies verblasst oftmals aber an einem weiteren Vorhaben: Die Einführung von Studiengebühren.

Diese soll im September 2005 erfolgen. Spätestens ab dem Wintersemester 2007 sollen die Hoch-schulen die Gebühren dann erheben. Derzeit ist vorgesehen, dass eine FH oder Uni mindestens 300€ (pro Halbjahr) erheben muss, maximal 500€ einziehen darf. Ob die Begrenzung langfristig Bestand hat, darf stark bezweifelt werden. Die bundesweite Hochschulrektorenkonferenz (HRK) fordert einen offenen Rahmen bis zu 3000€ pro Semester.

Die Gebührenbefürworter/innen ziehen dabei so manches gut klingende Argument an Land. Die Be-dingungen für Forschung und Lehre könnten damit verbessert werden, zum Beispiel. Klingt schlüssig – ist es aber nicht. Denn die Erfahrung in anderen Ländern hat gezeigt, dass sich der Staat nach der Einführung von Gebühren stets spürbar aus der Bildungsfinanzierung zurückgezogen hat. In Bayern bereits zuvor – so wurden die Mittel, die jetzt von Studis eingetrieben werden sollen, bereits in der Kürzungsorgie Ende 2003 weggespart, auch das „Innovationsbündnis 2008“ gibt bei näherer Be-trachtung keine verlässliche Zusage von Mitteln. Ein Teil der Studiengebühren würde zudem durch erhöhten Verwaltungsaufwand verzehrt.

Weiter wird argumentiert, Studiengebühren seien internationaler Standard. Das mag sein. Aber wer „A“ sagt, darf „B“ nicht vergessen. Denn das BAföG ist definitiv nicht internationaler Standard. In kaum einem anderen europäischen Land ist das Verhältnis zwischen maximaler staatlicher Unterstützung und tatsächlichen Lebenshaltungskosten so schlecht wie in der BRD. In den meisten Ländern werden sozial benachteiligte Studierende vom Staat mit etwa der Summe gefördert, die sie benötigen um ihre monatlichen Ausgaben zu decken. Etwaige Studiengebühren inbegriffen. Die Differenz zwischen Le-benshaltungskosten und BAföG Höchstsatz läge nach der Einführung von Studiengebühren bei etwa 200€ monatlich. Und dabei ist das deutsche BAföG hinsichtlich seiner Darlehensquote (50% Rück-zahlung) Schlusslicht in der Eurozone.

Das schlechteste aller Argumente für Studiengebühren aber ist das der „sozialen Gerechtigkeit“. Der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS):

„Im Moment bezahlt der weit überwiegende Bevölkerungsanteil von Nichtakademikern, die im Durch-schnitt weniger verdienen, das Studium der Akademiker mit dem dann entsprechend höheren Gehalt; gleichzeitig finanzieren einkommensschwache Familien, aus denen unterproportional viele Kinder stu-dieren, das Studium der Kinder aus einkommensstärkeren Familien.“

Die Frage nach dem Warum wird hier nicht gestellt. Warum haben nur ein Drittel der Studierenden an der Uni München einen Vater, der selbst keine Hochschulreife hat? Die Antwort wäre möglicherweise peinlich: Sie liegt zum einen im Dreigliedrigen und sozial selektiven bayerischen Schulsystem. Zum anderen an der Schwierigkeit ein Studium zu finanzieren, wenn Eltern nicht reich sind – was durch Studiengebühren weiter verschärft würde.

Noch weiter verdrängt wird aber die Frage, warum Hochschulen aus den Steuern von Einkommens-schwachen finanziert werden. Dies könnte in der Feststellung gipfeln, dass hohe Einkommen und Unternehmensgewinne schlicht und ergreifend zu niedrig besteuert werden. Ein Gedankengang, der dem RCDS freilich fern liegt. Professor Hartmann von der TU Darmstadt rechnet dabei vor, dass er durch die Senkung des Spitzensteuersatzes auf 42% (geschehen in den letzten 5 Jahren) weitaus mehr profitiert als er je Studiengebühren für seine Kinder bezahlen könnte.

Wer den Begriff der sozialen Gerechtigkeit ins Feld bringt sollte beachten, dass soziale Mobilität (die Möglichkeit eines „Arbeiterkinds“ später mehr zu verdienen) nur über Bildung gewährleistet werden kann. Dabei ist festzustellen, dass das dreigliedrige bayerische Schulsystem bereits höchst selektiv ist und Kinder aus reichen Haushalten offenbar bevorzugt. Bei der Abhängigkeit zwischen sozialer Her-kunft und formalen Bildungsniveau bewegt sich der Freistaat auf dem Level von Südafrika laut Pisa Studie. Nun soll mit Studiengebühren die nächste Schranke errichtet werden. Eine, die ganz unver-blümt nach dem Geldbeutel der Eltern fragt. Folge wird sein, dass noch mehr junge Menschen von den Hochschulen ausgeschlossen werden. Genauer gesagt: Ganzen Schichten unserer Gesellschaft wird der Zugang zu Bildung versperrt. Ob das sinnvoll ist möge jede/r selbst urteilen.

Zu guter letzt sei das Menschenrechtsanspruch auf kostenfreie Bildung genannt. Wohlwissend um den geringen Stellenwert von Menschenrechten in kapitalistisch organisierten Gesellschaften.

Autor: Max Meier – Aktionsbündnis für kostenlose Bildung Rosenheim – (Das AKB trifft sich jeden zweiten und vierten Montag im Monat um 18:00 Uhr im Turmcafe)

Pressemitteilung des Aktionbündnis für Kostenlose Bildung Rosenheim (AKB) zu den Verbalentgleisungen des Wissenschaftsminister Goppel am 17.5.2005

AKB Rosenheim fordert Rücktritt Goppels

In der Auseinandersetzung um Studiengebühren setzte der bayerische Wissenschaftsminister Goppel (CSU) einen neuen traurigen Höhepunkt: Statt seine Position mit Argumenten zu belegen, verglich er den kreativen Protest Studierender der Katholischen Universität Eichstätt mit NS Methoden. Hinsichtlich dieser Entgleisung fordert das Aktionsbündnis für kostenlose Bildung Rosenheim (AKB) Goppels Rücktritt.

Denn dies war nicht das erste Mal, dass Goppel Studierende öffentlich diffamiert. Im April vergangenem Jahres brüllte er Anwesenden Gebührengegner/innen an der KSFH München entgegen, diese können genauso gut mit Maschinengewehren durch die Straßen laufen. Im Herbst warf er Studierenden aus sozial benachteiligten Schichten vor, sie missbrauchten die Universität als Wärmestube. Letzte Woche bezeichnete Goppel die Proteste von Studierenden indirekt als Nazimethoden. Diese hatten nichts weiter getan, als dem Minister übermäßig Beifall zu klatschen, was diesen zu seinem schlecht improvisierten Redebeitrag veranlasste. Michael Mende vom AKB Rosenheim hält die Fahnenstange für erreicht. Er fordert Goppel zum Rücktritt auf: „Der NS Vergleich ist ja nur die Spitze eines Eisbergs. Hinzu kommen noch die skandalösen hochschulpolitischen Verfehlungen der Ministers.“

Die größten Leistungen in der Amtszeit des Ministers seien demnach die Etatkürzungen an den Hochschulen, die Einführung einer Verwaltungsgebühr, die dem Finanzminister zu Gute kommt, und die Ausrottung von Dutzenden von Studiengängen an bayerischen Hochschulen. Die Umsetzung des Bologna Prozesses erfolge nur in Millimeter Schritten, die Gestaltung der Bachelor Studienordnungen an Fachhochschulen beschränke sich zumeist auf die ideenlose Streichung eines Praxissemesters und eine fortschreitende Herabsenkung des wissenschaftlichen Anspruchs. „Die ‚größte‘ Leistung des Ministers ist die Eröffnung des ‚Elitenetzwerk Bayern‘, einer dubiosen Kaderschmiede, die auf Kosten von 99% der Studierenden geht. Den Grundstock dafür hat Goppel aber noch nicht einmal selbst gelegt – dieser geht auf den Vorgänger Zehetmaier zurück,“ so Mende weiter. Nach Auffassung des AKB hat der Minister demzufolge auf ganzer Linie versagt und muss deshalb zurücktreten.

Dabei ist es um das Demokratieverständnis des Ministers selbst nicht gerade zum Besten bestellt. Im Gegensatz zu allen nördlichen Bundesländern, gibt es in Bayern weiterhin keine Verfasste Studierendenschaft, von paritätisch besetzten Gremien ganz zu schweigen. Diese Forderungen der Studierenden stellen dabei das Grundgerüst des Modells einer demokratischen Hochschule dar. Mende weiter: „Wer sich das Kloster Banz Papier und die Vorstellungen der ‚Mittelstraß Kommission‘ ansieht, bekommt schnell einen Überblick über die Demokratie Vorstellungen konservativer Hochschulpolitiker/innen in Bayern: Gewählte Gremien sollen entmachtet und stattdessen eine nahezu allmächtige Führungsfigur installiert werden. Die Mitsprache von Studierenden wird nach diesen Vorstellungen auf ein Minimum reduziert und nicht – wie von Gebührenbefürworter/innen behauptet – in irgend einer Weise ausgebaut. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach defizitärem Demokratieverständnis wohl etwas anders!“

Zivildienst – was sonst !

Informationen von Andreas Salomon

An vielen Schulen kommt regelmäßig die Bundeswehr ins Haus, um Werbung zu betreiben. Dabei hegt sie die Hoffnung, Schüler, die wegen schlechter Noten von Arbeitslosigkeit bedroht sind, für den Dienst an der Waffe zu gewinnen.

Jugendliche, die am Zivildienst interessiert sind, müssen meist selbst versuchen, sich irgendwo kundig zu machen. Diesem Missstand wollen wir abhelfen.

Die Musterung

Zunächst geht es um die Musterung, bei der die Tauglichkeitsfeststellung erfolgt, die auch für den Zivildienst erforderlich ist, um zu klären, was für eine Arbeit ein Zivildienstleistender leisten darf und was für eine nicht. Man unterscheidet 4 Tauglichkeitsklassen: 1= volltauglich, 2=normal tauglich, 3= (gibt es nicht mehr), 4= vorübergehend untauglich (erneute Musterung nach ein bis zwei Jahren) und 5= dauerhaft untauglich. Vom Kreiswehrersatzamt wird bei der Musterung ein Musterungserfassungsbogen angelegt, auf dem jeder eine PK-Nummer (Personenkennziffer) erhält und es wird geklärt, welcher Tätigkeit der zu Erfassende zurzeit nachgeht. Geprüft wird die körperliche Tüchtigkeit, um festzulegen, für welche militärische Gattung man geeignet ist und getestet wird dabei auch die geistige Beweglichkeit, im Volksmund „Depperltest“ genannt.

Entziehen kann man sich dieser ganzen Prozedur nicht, denn es gibt laut Grundgesetz die allgemeine Wehrpflicht (GG Art.12a). Wer sich nicht mustern lassen will, gilt als fahnenflüchtig und wird mit Gefängnis bestraft.

Antrag auf Kriegsdienstverweigerung

Wer nun, statt zur Bundeswehr zu gehen, Zivildienst ableisten möchte, muss einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung (KDV) stellen. Dies kann man vor, während und nach der Musterung tun und sollte bedenken, dass man im Kriegsfall bis zur Vollendung des 45. Lebensjahr eingezogen werden kann, als Offizier sogar bis zum 60 Lebensjahr.

In diesem Antrag, den man an das zuständige Kreiswehrersatzamt schicken muss und der aus nur einem oder zwei Sätzen bestehen kann, muss man sich auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beziehen, und zwar auf den Artikel 4, Absatz 3. Dort heißt es: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“

Lebenslauf und schriftliche Begründung

Außerdem muss man dann noch einen Lebenslauf (persönlich unterschrieben, mit Bild) und eine ausführliche, individuell-persönliche Begründung für die Gewissensentscheidung einreichen. Dies kann aber später geschehen und die Begründung muss also nicht gleich mit dem Antrag mitgeschickt werden. Das ganze Verfahren wird schriftlich im Bundesamt für den Zivildienst abgewickelt, das die Anträge von den Kreiswehrersatzämtern erhält. Von dort wird dann auch die Anerkennung ausgesprochen.

Den Antrag kann man auch schon mit 17 ½ Jahren stellen, wenn man noch gar nicht erfasst ist. Dann fällt bei der Musterung der „Depperltest“ weg. Man hat dann aber bereits einen Rechtsschutz, so dass die Bundeswehr einen nicht einziehen kann, bis das Verfahren entschieden ist.

Allerdings ist zu bedenken, dass von beispielsweise 450.000 Männern des Jahrgangs 1990 nur 56.400 für den Wehrdienst gebraucht werden. 161.000 werden untauglich sein, 2.500 werden aus bestimmten Gründen freigestellt, 21.000 absolvieren andere Dienste, 137.500 werden Kriegsdienstverweigerer sein und 61.100 werden einfach nicht gebraucht, obwohl sie eventuell voll tauglich sind. Gehört man zu letzterer Gruppe, braucht man überhaupt keinen Dienst absolvieren. Hat man aber schon frühzeitig seinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung eingereicht, ist die weitere Marschrichtung vorgezeichnet.

Die Gewissensentscheidung

Bei der individuellen Begründung ist die Gewissensentscheidung von ganz besonderer Bedeutung. Das Gewissen gilt als ein Steuerungsinstrument, was jemand als gut und was er als böse bewertet. Die Frage nach dem Wert des menschlichen Lebens spielt dabei eine wesentliche Rolle. Das individuelle und persönliche Schreiben muss dem jeweiligen Bildungsgrad entsprechen. Begründungen sollten nicht aus dem Internet herausgesucht werden – diese sind natürlich bekannt und werden als nicht persönlich formuliert zurückgewiesen. Es sind ethisch humanitäre Gründe gefragt. Die allgemeine Ablehnung von Krieg und dessen Folgen reicht nicht aus. Denn wer ist schon für einen Krieg? Ein derartiges Schreiben umfasst ca. 2 Seiten.

Die Begründung soll deutlich machen, wie die eigene Gewissensentscheidung zustande gekommen ist. Hier kann man sich auf die Erziehung beziehen, auf Familienschicksale, Kriegserlebnisse und -erinnerungen in der Familie, besondere Anregungen durch die Schule, den Freundeskreis, persönliche Erlebnisse, Besuch von Kriegsgräber- oder Gedenkstätten und Beschäftigung mit Themen wie Frieden / Krieg während Reisen, durch Bücher, Filme, Ausstellungen usw.. Außerdem sollten die Wertvorstellungen (moralisch, ethisch, religiös) beschrieben werden, die für die eigene Person verbindlich sind.

Berater in Rosenheim

In Rosenheim gibt es zwei Berater, die jungen Leuten, die Zivildienst leisten möchten, behilflich sind. Diesen darf man auch seine Begründung vorlegen, damit sie sie auf ihre Stichhaltigkeit prüfen.

Es sind dies:

  • Herbert Holzner, Pfarrer und Religionslehrer, 83135 Schechen- Pfaffenhofen, Kirchgasse 1, Tel.: 08031/82011
  • Josef Klinger, Pastoralreferent, 83024 Rosenheim, 08031/809461 oder an
  • seiner Arbeitsstelle im Krankenhaus: 08031/363763

Zivildienststellen

Wenn man seine Anerkennung hat, muss man sich selbst eine geeignete Stelle suchen. Zivildienst kann man im gesamten sozialen System leisten, also z.B. in Krankenhäusern, Sozialstationen, Behinderteneinrichtungen, im gesamten Bereich der stationären und ambulanten Altenhilfe, aber auch im Umweltschutz. Dabei gibt es ein breites Spektrum an Tätigkeitsfeldern. Nicht jeder, der in einem Krankenhaus arbeitet, muss dies im Bereich der Pflege tun. Es gibt auch Tätigkeiten in der Hausmeisterei, Versorgungstätigkeiten in der Küche und Wäscherei oder die Pflege der Außenanlagen. Besonders beliebt bei den Zivis sind Fahrdienste wie Essen auf Rädern oder Kranken- und Behindertentransporte. Einen Zivi-Platz bekommt man am besten über die Wohlfahrtsverbände, die über ihre Verwaltungsstellen für den Zivildienst die Vermittlung der Plätze organisieren.

Der Verdienst

Die Zeit beim Bund bzw. beim Zivildienst ist wahrlich keine Zeit finanzieller Bereicherung. Der Sold ist mehr als karg, und zwar für Soldaten wie Zivildienstleistende gleichermaßen. Pro Tag gibt es die ersten drei Monate 7,43 Euro, vom vierten bis sechsten Monat 8,18 Euro und für die restlichen drei Monate 8,95 Euro. Die Arbeitszeit entspricht der Zeit, die an der jeweiligen Dienststelle üblich ist. Hinzu kommt noch ein Essensgeld von 7,20 Euro am Tag sowie ein tägliches Kleidergeld von 0,69 Cent und 0,49 Cent für die Reinigung der Kleidung.

Zivis genießen große gesellschaftliche Anerkennung

Zivis sind heute aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken und erfahren überall höchste Anerkennung. Der soziale Dienst am Not leidenden Menschen, wie ihn die meisten Zivildienst leistenden Menschen ausüben, hat ihnen viel Respekt verschafft. Zivildienst leistende junge Menschen üben einen wichtigen Dienst für die Allgemeinheit aus und sammeln dabei wesentliche Erfahrungen für ihr weiteres späteres Leben. Während dem Bund zurecht das Image anhaftet, dort nur seine Zeit zu vertun, sind die Tätigkeiten der Zivis erfüllend und ausgesprochen bereichernd.

Weltfrauentag – noch viel zu tun!

Leserbrief von Andreas Salomon
zum Weltfrauentag

Anlässlich des Weltfrauentages berichtete das OVB, dass die Zahl der Frauen mit Vollzeitstellen immer mehr zurückgehe, während der Anteil von Teilzeit-Jobs mit sehr kurzer Arbeitszeit stark zugenommen habe, was sich später bei der Rente sehr negativ auswirken werde.

Seit 95 Jahren gibt es den Internationalen Frauentag inzwischen und nach wie vor werden die Frauen besonders in der Arbeitswelt stark diskriminiert. Deutschland nimmt dabei im europäischen Vergleich einen unrühmlichen Platz auf den hinteren Rängen ein. Die Differenz zwischen durchschnittlichen Männer- und Frauenlöhnen ist fast nirgendwo größer als bei uns, was sich später bei den niedrigen Frauenlöhnen widerspiegelt. Aus dem aktuellen Gleichstellungsbericht der Europäischen Kommission geht hervor, dass die Kluft europaweit 15 % betrage, in Deutschland aber 23 %.

Ebenso schlecht sieht es bei Frauen in Führungspositionen aus. Frauen als Vorstandsvorsitzende eines Konzerns, als Rektorin einer Universität, aber auch als Vorsitzende einer Einzelgewerkschaft muss man mit der Lupe suchen. Nur 2,5 % der Spitzenpositionen in der Wirtschaft sind von Frauen besetzt. Die EU-Kommission will jetzt einen Fahrplan entwickeln, damit die Gleichstellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt zügiger als bisher vorangeht.

Frauen sind in Europa auch stärker von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. Die Politik scheint daran nichts ändern zu wollen, wie man an der Ausweitung des Niedriglohnsektors erkennen kann, der bekanntermaßen zu zwei Dritteln von Frauen besetzt ist.

Im Frühjahr stehen wieder Betriebsratswahlen an. Nach der Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes vor vier Jahren hat sich der Frauenanteil an den Betriebsräten deutlich verbessert und ist von 18 % auf 23 % gestiegen. Aber das ist noch immer viel zu wenig. Von Seiten der Frauen ist noch mehr Engagement gewünscht und von Seiten der Männer, dass sie die Frauen in ihrem Wunsch nach Gleichberechtigung unterstützen.

Fremdarbeit in Oberbayern

Veronika Diem: Fremdarbeit in Oberbayern Zwangsarbeit in Rosenheim und Kolbermoor 1939-1945 Bericht von Andreas Salomon

Die Debatte über die Entschädigungszahlungen an ehemalige ZwangsarbeiterInnen , die über Jahre hinweg unter erniedrigenden Bedingungen für deutsche Firmen arbeiteten, hat dazu geführt, dass sich viele Historiker in regionalen Studien damit beschäftigen, was sich vor 60 Jahren an Ort und Stelle abspielte.

So konnte der Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Andreas Salomon die Münchner Historikerin Veronika Diem in Rosenheim begrüßen, die kürzlich ihre Magisterarbeit vorlegte, in der sie die Zwangsarbeit in Rosenheim und Kolbermoor näher untersuchte.

Die Arbeit gestaltete sich für die Historikerin nicht einfach. Von 20 angeschriebenen Firmen aus Rosenheim und Kolbermoor habe sich nur eine einzige bereit erklärt, „Zugang zu den firmeneigenen Unterlagen“ zu gestalten. Keinen Zugang gewährte auch die Firma Kathrein, die bis heute jede Form der Entschädigung an die wenigen noch lebenden Zwangsarbeiter verweigert.

Diem hat für ihre Arbeit mehr als 20 Zeitzeugen, vor allem aus Osteuropa angeschrieben und einige davon zu einem Interview besucht.. Gerade durch die Beschreibungen der Opfer wird deutlich, wie grausam und hart das Alltagsleben der meist verschleppten Zwangsarbeiterinnen gewesen war. In einem der größten Zwangsarbeitslager im Raum Rosenheim, der Mangfallbaracke in Kolbermoor, die von der Gasmaskenfabrik Roekl (heute: Handschuh Roeckl) geleitet wurde, war Pauline G. untergebracht. Sie erzählt von den Bedingungen der Arbeiterinnen und ihrer Kleinkinder: „Die hatten ein kleines Zimmer mit Stroh. Die Mütter mussten arbeiten, viele Kinder sind gestorben. Die Deutschen haben die jungen Frauen, als sie auf der Suche nach Brot waren, weil sie nichts zu essen hatten, geschnappt.“ Allein in Kolbermoor waren über 1000 ZwangsarbeiterInnen eingesetzt.

Am Beispiel der Gemeinschaftswerkstätten der Rosenheimer Schuhmacher zeigt Diem, dass das Handwerk ebenfalls keine Scheu zeigte, sich die ZwangsarbeiterInnen dienstbar zu halten: Fast 20 Ukrainer und Franzosen, untergebracht in der Turnhalle in der Kaiserstraße und im Lager Schießstätte, mussten für die Deutschen Schuhe reparieren.

Aber auch die Städte und Gemeinden profitierten von Zwangsarbeitern. Die Gemeinde Kolbermoor hatte 60 und die Stadt Rosenheim fast 500 eingesetzt.

Eine 72-Stunden-Woche war bei den industriellen Zwangsarbeitern nicht selten und das bei kärglicher Ernährung, unzureichender Kleidung und primitivster Unterbringung mit Strohlagern in Baracken.

Die Passagen, die Veronika Diem aus ihrer Magisterarbeit vorlas, bestachen nicht nur dadurch, dass sie an den wichtigsten Stellen Zeitzeugen zu Wort kommen lässt. Sie versteht es auch, die jeweiligen wirtschaftlichen, sozialen und militärpolitischen bedingten Hintergründe für den Einsatz von ZwangsarbeiterInnen so darzustellen, dass der historisch nicht vorgebildete Leser über diesen Aspekt des Nationalsozialismus etwas lernen kann.

Veronika Diem gelang es, die Besucher im vollbesetzten Raum der „Historischen Weinlände“ in ihren Bann zu schlagen, woraus sich eine lebhafte Diskussion entwickelte. GEW-Kreisvorsitzender Andreas Salomon bedankte sich bei der Historikerin mit einem Geschenk für den interessanten Abend und wünschte ihr bei der ihrer momentanen Arbeit an ihrer Doktorarbeit viel Erfolg.

Diems Buch wurde von der Geschichtswerkstatt Kolbermoor verlegt und trägt den Titel „Fremdarbeit in Oberbayern. Studien zur Geschichte der Zwangsarbeit am Beispiel Rosenheim und Kolbermoor 1939 bis 1945“. Es ist in Rosenheimer Buchhandlungen zum Preis von 14.90 Euro erhältlich.

Rechenschaftsbericht des Kreisverbandes Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wisenschaft für das Jahr 2006

Liebe Kolleginnen und Kollegen,                                                                      Januar 2007   

in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist es laut Satzung üblich, alle zwei Jahre einen Rechenschaftsbericht vorzulegen und Neuwahlen durchzuführen. Aufgrund unserer zahlreichen Aktivitäten bin ich dazu übergegangen, bereits am Ende eines jedes Jahres Bilanz zu ziehen und auf der jeweiligen Jahreshauptversammlung einen entsprechenden Bericht vorzulegen. Für das Jahr 2005 ist dies auf der Jahreshauptversammlung  am 16. Februar 2006 geschehen. Die Ereignisse des ersten Jahres dieser Periode sollen daher nur ganz knapp in Erinnerung gerufen werden.

Es wurden 2005 8 Rundbriefe verschickt, 7 Veranstaltungen durchgeführt und erstaunlicherweise gelang es uns 16-mal Presseartikel unterzubringen. Ich darf an unseren Besuch bei der Waldorfschule in Prien erinnern, an die sehr gut besuchte Veranstaltung mit Prof. Singer, unsere beiden Radl-Touren rund um den Chiemsee und nach Götting sowie die Kunstaustellung „Stets gern für Sie beschäftigt.“ Und als besonders wichtiges Ereignis sei auf die Einrichtung unserer Homepage durch Helmut Pritschet verwiesen.

Doch nun zum Jahre 2006! Gleich zu Beginn des Jahres ging der 1.Rundbrief raus, in dem ich noch einmal die bevorstehende Veranstaltung  „Fremdarbeit in Oberbayern. Studien zur Geschichte der Zwangsarbeit am Beispiel Rosenheim und Kolbermoor 1939 – 1945“ in Erinnerung rief. Bereits traditionsgemäß enthält dieser 1. Rundbrief auch einen knappen Rückblick auf das gesamte Jahr, damit auch die Mitglieder, die nicht zu unserer Jahreshaupt-versammlung kommen können oder kommen wollen, die Möglichkeit haben, noch einmal in komprimierter Form Rückschau halten zu können. Es wird auf diese Weise gezeigt, wie vielfältig unsere Aktivitäten sind und wie sehr wir uns bemühen, den Interessen aller

Mitglieder gerecht zu werden. Außerdem finden hier auch immer die Ehrungen statt.

Die Jubilare allerdings nur knapp zu erwähnen, befriedigt mich nicht, und hier sollten wir bald einen anderen Modus schaffen. Ich denke dabei daran, allen eine entsprechende Urkunde zukommen zu lassen und denen, die der GEW 25 Jahre treu sind, auch ein ansprechendes Geschenk. Zum Einstieg sollten wir dann aber auch alle diejenigen bedenken, die bisher seit über 25 Jahren dabei sind. Das sind zurzeit 35 Mitglieder.

Natürlich ist dies auch eine finanzielle Frage, aber ich bin sehr bemüht, wo immer es geht, Zuschüsse an Land zu ziehen. So läuft momentan ein Antrag von mir an den Landesvorstand, uns 750 Euro aus der Kasse der brachliegenden Kreisverbände in Bayern zuzuweisen. Auch die Kosten für die Personalratswahlen in Höhe von 750 Euro habe ich auf Antrag vom Bezirk wieder zurückgeholt. In Fragen unseres Kassenstandes berufe ich mich gerne auf eine Äußerung unseres Landeskassieres Larry Gersy, der auf der LVV in Regensburg letztes Jahr sagte, man müsse stets darauf achten, dass der Kassenstand gleich bleibe, man also so viel einnehme, wie man ausgebe. Mit diesem seinem Satz hoffe ich nun bei ihm mit unsrem Antrag offene Türen einzulaufen.

Noch bevor die Veranstaltung zur Fremdarbeit lief, nämlich am 8. Januar, wurde ich als GEW-Kreisvorsitzender von der Rosenheimer Info- Gruppe zu einem Vortrag über „Das rote Kolbermoor“ eingeladen. Diese Veranstaltung, die in der Vetternwirtschaft stattfand, war 2006 die bestbesuchte  überhaupt. Denn es kamen ca. 50 Menschen, einige mussten sogar stehen. Der Beifall war überaus lang und herzlich, und es zeigte sich, dass unsere Bemühungen von vor ein paar Jahren, die Zeit der Kolbermoorer Räterepublik wieder in Erinnerung zu rufen, nach wie vor auf großes Interesse stoßen. Mich freut es dabei immer besonders, wenn auch zunehmend junge Leute historisches Bewusstsein entwickeln und erkennen, dass das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss.

Kaum 10 Tage später, am 17. Januar,  hatten wir die Münchner Historikerin Veronika Diem eingeladen, die in der gut besuchten „Historischen Weinlände“ in Rosenheim die Ergebnisse ihrer Magisterarbeit einem interessierten Publikum darlegte. Die Gemeinde Kolbermoor hatte zur Nazizeit 60, die Stadt Rosenheim 500 Zwangsarbeiter eingesetzt. Diem führte aus, dass die 72-Stunden-Woche bei industriellen Zwangsarbeitern nicht ungewöhnlich war und die Versorgung und Unterbringung meist in primitiven Baracken stattfand. Veronika Diems umfangreiche Nachforschungen boten einen eindrucksvollen Blick in den national-sozialistischen Alltag der Ausbeutung durch Zwangsarbeit in unserem Raum.

Der Pressebericht dazuvon Lothar Walter erschien im „Oberbayerischen Volksblatt“ am 8. Februar unter der Überschrift „Fremdarbeit Thema bei der GEW“ .

Zwei Wochen nach der Veranstaltung, am 4. Februar,  lud ich mit dem 2. Rundbrief zur Jahreshauptversammlung für den 16. Februar erneut in die „Historische Weinlände“ ein. Auf der Tagesordnung standen der Rechenschaftsbericht für das Jahr 2005,  ein Bericht der Rosenheimer Verdi-Vorsitzenden Ingrid Meindl-Winkler zu den aktuellen Streikaktionen, ein Bericht von Michael Mende zur Hochschulsituation sowie ein weiterer Bericht von Reiner Schober zu den Personalratswahlen.

Die Einladung von Ingrid Meindl-Winkler war mir besonders wichtig, um den Kontakt zu unserer Schwesterngewerkschaft zu intensivieren. Der Bericht von den Hochschulen, an denen sich sehr viel bewegt, ist für uns auch immer sehr wichtig, weil wir davon nicht allzu viel mitbekommen und mit Michi Mende einen ausgesprochenen Experten in unseren Reihen haben. Reiners Ausführungen schließlich zu den Personalratswahlen waren ebenfalls von ausgesprochener Bedeutung, weil sie gewissermaßen den Auftakt zu diesen Wahlen darstellten, in die wir uns mit ungewöhnlich großem Engagement begeben haben. Wir haben wahrlich keine Kosten und Mühen gescheut, um unseren einen Sitz wiederzugewinnen, sind aber, wie vorweggenommen werden darf und ja jeder weiß, leider gescheitert. Den größten Aufwand haben Reiner und ich getragen, und ich möchte Reiner als Spitzenkandidaten noch einmal herzlich danken für seinen wirklich sehr großen Einsatz. Auf der Hauptversammlung führten wir die Diskussion, ob Konrektoren auch kandidieren dürften oder nicht. Der GEW-Landesverband hatte einen Beschluss vorgelegt, der diese auschloss, was letztlich auch von uns gebilligt wurde. Auch im Nachhinein war es sicher von uns konsequent, es zu keiner Interessenskollision kommen zu lassen. Auch unsere Glaubwürdigkeit hat dadurch sicherlich gewonnen.

Der Presseartikel von Lothar Walter zur Jahreshauptversammmlung erschien im OVB am 17. März 2006. Überschrift: „Ereignisreiches Jahr für Gewerkschaft. Jahreshauptversammlung der GEW“

Um diese Zeit, genauer am 11. Februar, war ich auf einem 5-stündigen Seminar zum Thema „Wie weiter mit den Tarifverträgen?“ Peter Jonas und Jockel Graf waren die Referenten.

An dieser Stelle möchte ich auch ein Schreiben von unserem Mitlied Margot Hank erwähnen, das stellvertretend für ähnliche Schriftsätze stehen soll und das ich am 16. Februar erhielt. Nachdem sie auf meine Anfrage hin, ob sie für die Personalratswahlen kandidieren möchte, dieses verneint, ergänzt sie: „Ich verfolge Deine Briefe immer mit Interesse und habe z.B. den Nachruf auf Lukas Pronath, der ein guter Freund war, lang aufbewahrt. Danke für Deine tapfere Arbeit.“ Immer wieder höre ich ein derartiges Echo auf die Rundbriefe, was mich bestärkt, so weiterzumachen.

Drei Tage später, am 19. Februar ging bereits der 3. Rundbrief raus, mit dem offiziell die Personalratswahlen angekündigt werden und unsere Kandidatur auf der Liste Rosenheim / Land für Grund- und Hauptschulen. Außerdem bieten wir einen Zuschuss zu einem Seminar zum Thema Mobbing / Burnout an, das von Angelika Semmelrock und Siegfried Stäbler durchgeführt wurde und an dem mehrere GEW-Mitglieder –  unter anderem ich  selbst – dann auch teilnahmen.

Für die Personalratswahlen kandidierten auf Platz 1 Reiner Schober, dann Margit Sievi, Rosi Schnell,  Sebastian Klan und Lutz Zebner. Alles um die Personalratswahlen machte Probleme. Es war schwierig die Liste voll zu bekommen. Es gab erneut einen Riesenwirbel mit der Einreichung dieser Liste, weil der Personalratsvorsitzende Basitta uns immer wieder neue Steine in den Weg legte. Termine waren einzuhalten, irrwitzige  Formvorschriften zu beachten. Dennoch gelang es nicht, uns bereits im Vorfeld aus dem Rennen zu werfen. Unsere KandidatInnen standen für die Forderungen:

  • Runter mit den Klassen- und Kursgrößen
  • Hilfe bei großen und schwierigen Klassen!
  • Gegen Unterrichtsausfall und Mehrarbeit!
  • Schafft die Dienstliche Beurteilung und den Leistungsbericht ab!
  • Transparenz bei der Vergabe der Leistungsprämie!
  • Statt Unterrichtsverdichtung wirkliche Ganztagskonzepte!
  • Gesundheitsfürsorge statt ruinöser Arbeitsbedingungen!
  • Eine Schule für alle statt permanenter Auslese!

Wir führten eine gigantische Verschickungsaktion im Landkreis mit Werbematerial (55 Schulen) durch und fuhren viele Schulen selbst an. Alle Schulen bekamen zwei Ratgeber, 30 Flyer und 1 Plakat. Die  Rosenheimer Schulen fuhr ich alle persönlich an.

Um diese Zeit, also im März, erschienen auch zwei Leserbriefe von uns. Am 4. / 5. 3. schrieb unser Mitglied aus Prien Gunnar Herr unter der Überschrift „Verzicht auf Notendruck und Sitzenbleiben“. Er bezieht sich dabei auf die Munozstudie, die unterstreicht, wie sozial ungerecht das deutsche Schulsystem ist, was vor allem an der veralteten Struktur liege. Vehement wendet er sich gegen „die viel zu frühe Selektion der Kinder bereits nach der vierten Klasse“ und verweist auf die erfolgreichen Länder bei der PISA-Studie.

Von mir erscheint im OVB ein Leserbrief am 18. / 19. März unter der Überschrift „Immer noch viel zu wenige Frauen vorn.“ Anlässlich des Weltfrauentages habe ich darauf hingewiesen, dass Frauen besonders in der Arbeitswelt noch immer stark diskriminiert werden. Deutschland liegt dabei innerhalb von Europa ganz weit hinten. Fast nirgendwo ist die Differenz zwischen durchschnittlichen Männer- und Frauenlöhnen größer als bei uns.

Am 4. April ging der 4. Rundbrief raus mit den Einladungen zu dem Treffen mit unseren Wasserburger KollegInnen und der DGB-Kundgebung zum 1. Mai. Traditionsgemäß führen wir inzwischen jedes Jahr einmal ein Zusammensein mit unserem GEW-Ableger in Wasserburg durch. Unser Mitglied Thomas Kemme hat diese Treffen immer vorbildlich organisiert, so auch dieses Mal.

Mit dem 5. Rundbrief vom Ostermontag (16.4) schickten wir allen Mitglieder unseren sehr guten „Ratgeber Schule“ zu sowie als kleines Geschenk einen kleinen Block mit GEW-Emblem und einen GEW-Bonbon. Wir haben uns angewöhnt, im Rahmen der Mitgliederpflege, jedes Jahr unseren Mitgliedern ein kleines Geschenk zu überreichen.

Am 27. April fand dann das Treffen in Wasserburg statt. Es begann mit einer hervorragenden Stadtführung um 17 Uhr, dem ein gemeinsames Essen im Gasthaus „Bella Italia“ folgte. Durch diese gemeinsamen Besuche gelingt es zunehmend, die Wasserburger enger an Rosenheim anzubinden, was sich auch darin zeigte, dass doch hin und wieder Kollegen aus Wasserburg sich zu Veranstaltungen auf den langen Weg nach Rosenheim machten. Ich möchte hier ganz ausdrücklich Thomas Kemme danken für die jahrelange gute Zusammenarbeit, die nun leider endet, da er in den Ruhestand gegangen  und fortgezogen ist.

Der Presseartikel von Lothar Walter erschien unter der Überschrift „Diskussion folgte auf Stadtführung“ Anfang Mai. An dieser Stelle sei Lothar Walter ein ganz besonders Lob ausgesprochen sowie unser herzlichster Dank für seine hervorragenden Artikel, die er auch immer im OVB unterzubringen weiß.

Am 1. Mai nahm unsere Kernmannschaft wie in den letzten Jahren wieder an der DGB-Kundgebung teil, bei der ein ganz ansprechendes Referat zu hören war.

Am 19. Juni ging der 6. Rundbrief raus mit den Einladungen zum Besuch des Gefängnisses Bernau und der Teilnahme an der satirischen Radl-Wallfahrt von Kolbermoor nach Tuntenhausen. Hier wurden auch die Ergebnisse der Personalratswahlen bekanntgegeben.  So stimmten an der FOS mehr als die Hälfte aller Lehrer, die an der Wahl teilnahmen, für die GEW und am Aiblinger Gymnasium waren es stolze 25 %. An den Berufsschulen lag unser Anteil jeweils bei ca. 20 %, an den übrigen Gymnasien bei 10 % – was nicht übersehen werden soll, wenn man bedenkt, dass wir an manchen Gymnasien nicht ein einziges Mitglied haben.

Zwischenzeitlich erfolgte auch eine rege Arbeit der Jungen GEW. Dies zeigt sich unter anderem an zwei Presseerklärungen (30.6.) zur Kindergeldkürzung und zum Steueränderungsgesetz 2007, die Michael Mende verfasste. Er kritisiert im Namen der GEW die Kindergeldkürzung von 27 auf 25 Jahre und verweist darauf, dass davon besonders Studierende in der Abschlussphase betroffen sind und solche, die über den zweiten Bildungsweg an die Hochschule kommen, was an der FH Rosenheim geradezu die Regel sei. In der zweiten Presseerklärung wird u.a. kritisiert, dass die Pendlerpauschale wegfällt und das Arbeitszimmer der Lehrer nicht mehr abgesetzt werden kann.

Am Rande sei hier erwähnt, dass auch immer wieder (alle 2 Monate) in München Treffen des Bezirksausschusses stattfanden. Meist ist dies freitags von 17 Uhr bis 20 Uhr der Fall. Hier treffen sich die Kreisvorsitzenden der 16 oberbayerischen Kreisverbände. Bezirks-vorsitzende war bislang Gertrud Neidiger aus Freising, die jetzt durch Peter Caspari aus Erding abgelöst wurde. Hier berichten die einzelnen Vertreter aus ihren Kreisen, wählen Delegierte für die LVV oder planen eigene Seminare und Bezirksvertreterkonferenzen, die im bestimmten Turnus durchgeführt wurden. An der letzten BVV nahmen am 18.11. aus Rosenheim Wolfgang Orlowski und ich teil. Zwei weitere Vertreter hätten wir noch mitnehmen dürfen, fanden aber keine. Gertrud Neidiger legte hier für den Bezirk einen herausragenden Rechenschaftsbericht vor, der auch auf unserer Homepage nachzulesen ist. Zu den München-Treffen, die früher Lukas Pronath besuchte, ist anzumerken, dass sie mit gehörigem Aufwand verbunden sind (5 –6 Stunden) und am Wochenende stattfinden, wenn ein Normalmensch sich gerne etwas ausruht. Aber es lässt sich wirklich kaum anders machen. Und die Vernetzung mit München ist unerlässlich. Ich darf an dieser Stelle betonen, dass auf diesen Treffen sich auch feststellen lässt, wie umfangreich und umfassend unsere Arbeit ist, während viele Kreisverbände in Oberbayern nicht unerhebliche Probleme haben, etwas auf die Beine zu stellen.

Am Samstag, den 8. Juli fand unsere originellste Veranstaltung statt, die satirische Radl-Wallfahrt von Kolbermoor nach Tuntenhausen. Idee und Ausführung: Helmut Pritschet, könnte man sagen. Unser Zwangssatiriker Helmut lief zusammen mit seinem Partner Wolfgang Orlowski zu ganz großer Form auf. Über den ganzen Tag hin wallfahrte unser Fahrrad-Korso in 14 Holzweg-Stationen zu dem berühmten Wallfahrtort Tuntenhausen. In hervorragender schaustellerischer Manier wurden die witzigsten und ausgefallensten Texte nicht nur vorgetragen, sondern gleichzeitig auch gespielt. Unvergessen sicher Wolfgang als Pfarrer Lehner (mit richtigem Talar) im Angesicht einer Kirche. Erstmals gelang es, mit dem von mir geschriebenen Artikel eine ganze Seite in der Verbandszeitung DDS zu bekommen. Lothar musste zwangspausieren. Auf der Anfahrt zu unserer Veranstaltung war er gestürzt und hatte sich den Arm gebrochen.

Mein Artikel für das OVB wurde nie gedruckt, ganz offensichtlich fiel er der Zensur zum Opfer, was nicht verwundert.

Und schon kurz darauf kam der zweite „Knaller“: der Besuch des Gefängnisses Bernau. Am 13. Juli fanden sich fast 20 LehrerInnen, SozialpädagogInnen und ErzieherInnen vor dem Bernauer Gefängnis ein und begehrten um Einlass. Schon im Vorfeld waren strenge Auflagen erteilt worden. Eine Namensliste war einzureichen, Hinweis auf Waffen- und Handyverbot usw. Wir waren (wahrscheinlich) alle zum ersten Mal in einer derartigen Einrichtung und obwohl wir sicher nur die Sonnenseite zu sehen bekamen, waren alle tief beeindruckt. Von meiner eigenen Schule war es gelungen, acht Kollegen mitzunehmen, die mir am nächsten Tag noch ein Geschenk machten, so bewegt waren sie.

Ein Presseartikel  erschien dazu im OVB unter der Überschrift „Gewerkschafter im Gefängnis“ am 26./27.7..

Nun kam die verdiente Sommerpause. Mit Schuljahrsbeginn ging am 1. September der 7. Rundbrief raus, mit dem ich auf die nächsten Aktionen hinwies und dem ein kleiner Jahreskalender als Geschenk beilag.

Am 10. Oktober verschickte ich den 8. Rundbrief, der unseren Aufruf zur Teilnahme an der Kundgebung und Demonstration gegen die Sozialpolitik der Regierung beinhaltete. Am 21. Oktober machte sich dann auch ein Grüppchen wackerer Demonstranten auf den Weg nach München. Von Rosenheim fuhren immerhin 3 Busse. Eine derart große Demonstration hatte München und auch wir schon lange nicht mehr gesehen. Es war uns nicht möglich, bis zum Marienplatz vorzudringen. Allerdings konnten wir über eine Großleinwand die Reden verfolgen.

Am 3. November verschickte ich den 9. Rundbrief mit der Einladung zum Besuch der Montessori-Schule in Rohrdorf und fügte ihm entsprechendes vorbereitendes Material bei. Am 17. November waren wir dann in Rohrdorf zu Besuch, wo wir ausgesprochen herzlich aufgenommen wurden. Bei Kaffee und Kuchen wurden wir mit der Rohrdorfer Montessori-Schule und der entsprechenden Pädagogik vertraut gemacht und anschließend von der Schulleiterin Frau Huber und ihrer Vertreterin, unserem GEW-Mitglied Marlies Berninger, durch die verschiedenen Räumlichkeiten geführt. Eine Veranstaltung, von der jeder etwas für seinen Schulalltag mitnehmen konnte.

Mit dem 10. und letzten Rundbrief  vom 17. November 2006 luden wir dann zum gemeinsamen Besuch der KZ-Gedenkstätte in Dachau ein. Es war uns gelungen, den Pfarrer der ev. Versöhnungskirche auf dem Gelände des ehemaligen KZs, Dr. Björn Mensing für eine Führung zu gewinnen. Bei eiskaltem Wetter erlebten wir ein dreistündiges, überaus interessantes, beeindruckendes Ereignis. Zuvor hatten wir ein Gebinde niedergelegt, mit dem wir an alle GewerkschaftskollegInnen erinnerten, die im KZ Dachau leiden mussten.

Am 1./2.12. erschien von mir noch ein Leserbrief zum Thema „Mobbing an Schulen“, in dem ich mich gegen die im OVB vorgetragene Behauptung zur Wehr setzte, Lehrer würden dem Mobbing von Schülern nichts entgegensetzen.

Meine letzte gewerkschaftliche Aktion, die aber genauso eine private war, war der Besuch des Jahresgottesdienstes am 3. Dezember für unseren viel zu früh verstorbenen Kollegen und Freund Beppo Bergmeister. Reiner hat in unserem Namen an seinem Grab Blumen niedergelegt.

Unser letzter Presseartikel  – wieder von unserem gesunden Lothar Walter – erschien am 28.12. im OVB nach einiger Wartezeit mit der Überschrift „Von anderen Schulen lernen. GEW-Kreisverband bei Montessori.“

Nun abschließend danke ich allen, die solange zugehört haben und denjenigen, die auf unserer Homepage dies alles nachgelesen haben für ihre Geduld.

Es war wieder einmal ein Jahr voller Aktivitäten. Schon vor einem Jahr meinte ich, wir könnten uns nicht mehr steigern, seien am Limit angekommen, aber 2006 haben wir doch noch einmal zugelegt. Mir erschien alles so umfassend zu sein, dass ich erstmalig ein GEW-Jahrbuch unseres Kreisverbandes zusammengestellt habe. Ich vermute mal, dass dies in Bayern einmalig ist. Da es 70 Seiten umfasst, ist es mit erheblichen Fotokopierkosten verbunden und mit entsprechendem Herstellungsaufwand. Deswegen erhalten es nur die Vorstandsmitglieder sowie der Landesvorsitzende Oskar Brückner, der Bezirksvorsitzende Peter Caspari, die Chefin der DDS Karin Just und der Kassier des Landesverbandes, damit er sieht, dass wir dringend finanzielle Zuschüsse brauchen.

Ich danke abschließend allen für ihre sehr gute Arbeit im Jahre 2006: Reiner Schober und Wolfgang Orlowski, meinen Stellvertretern, Toni Reil, dem Verwalter unserer leider begrenzten Schätze, Helmut Pritschet, dem Macher, Verwalter und Hüter der Homepage,  Lothar Walter, dem Mann mit der geübten Feder, Michael Mende, dem unermüdlichen Hochschulkämpfer, Helmut Seifried für seine Arbeit im DGB-Regionsvorstand und allen Mitgliedern für ihre Teilnahme an unseren Veranstaltungen und für unser aller Zusammenhalt.  Und Dank nicht zuletzt auch an alle passiven Mitglieder, die durch ihre Treue zur Gewerkschaft erst unsere Arbeit möglich machten.

Mögen wir alle in Freundschaft weiter verbunden bleiben, als Schwestern und Brüder in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Andreas Salomon

(Kreisvorsitzender)

1. Januar 2007