Radltour nach Götting

3. GEW Radltour am 16.7.2005 von Kolbermoor nach Götting Thema: Widerstand gegen
das NS-Regime in der Provinz Leitung: Reiner SchoberPressemitteilung von Lothar Walter
vom 09.08.2005 (erschienen 22.8.2005 im OVB) Bilder: Helmut Pritschet

Radtour in die Zeitgeschichte nach Götting

Zu einer zeitgeschichtlichen Exkursion per Fahrrad lud der Kreisverband der Rosenheimer GEW. Vom Treffpunkt Kolbermoor radelten die Teilnehmer entlang der Mangfall nach Götting. Der Ort war Schauplatz einer Gräueltat des Nazi-Regimes kurz vor Kriegsende. Kreisvorstandsmitglied Reiner Schober führte in die St. Michaelkirche und erhellte den Hintergrund und die Umstände der Ermordung von Pfarrer Josef Grimm und Hauptlehrer Hangl durch eine vorübergehend im Ort stationierte SS-Einheit.

Ermuntert durch eine Radio-Ansage der „Freiheitsaktion Bayern“ entfernte Hangl in aller Herrgottsfrüh die Hakenkreuzfahne vom Kirchturm und hisste die bayerische Fahne.

Rasch wurden er und der Hausherr der Kirche, Pfarrer Grimm, von den SSlern ergriffen und nach Misshandlungen binnen Stunden ermordet. Pfarrer Grimm, wohl um unnötiges Aufsehen zu vermeiden, wurde in dem Wald auf dem Weg nach Irschenberg hingerichtet. Dort steht heute ein Steindenkmal und Holzkreuz am authentischen Ort – was auch der nächste Halte- und Umkehrpunkt der Exkursion war. Beifällig bemerkten die Gewerkschafter die frischen Blumen am Denkmal; sicher ein Zeichen des wertschätzenden Erinnerns innerhalb der Bevölkerung.

Am Ende der Radtour wurde, wieder in Götting, im Schwoagerwirt eingekehrt. Kreisvorsitzender Andreas Salomon dankte Reiner Schober für die detaillierte Informationen und wies auf die Verantwortung gerade von Lehrern und Erziehern hin, das Wissen um solche lokalgeschichtlichen Ereignisse und das ehrende Gedenken daran lebendig zu halten und an die junge Generation weiter zu geben.