Professor Singer

Pressemitteilung von Lothar Waltererschienen im OVB am 31.5.05 über den Vortrag von Professor Dr. Kurt Singer im Kuko

Sisyphos „Schutzpatron der Lehrer“ – Professer Dr. Kurt Singer sprach bei der Gew Rosenheim

Nun, Professor Dr. Kurt Singer, der als Emeritus immer noch psychotherapeutisch stressgeplagte Lehrer und Lehrergruppen betreut, verstand seinen Vortrag nicht als Fortbildung, nach der man, mit Patentrezepten ausgestattet, den Lehreralltag problemfrei bewältigen könnte. Vielmehr wollte Professor Singer zum Nachdenken und zur Selbstwahrnehmung ermutigen: Bin ich so, wie ich sein möchte? Bin ich der Lehrer, die Lehrerin, den oder die ich mir als Schüler gewünscht habe? Selbstwahrnehmung stehe am Anfang von Selbstveränderung, diese gehe einer Veränderung voraus.

Diese sei angesichts des täglichen tausendfachen Unrechts in der Schule, so Professor Singer, dringend notwendig. Die Schüler würden normiert, sortiert, gleichgeschaltet – und jährlich bleiben 250 000 Sitzenbleiber auf der Strecke. Im täglichen Machtkampf im Klassenzimmer plädierte Singer für Abrüstung. Hierbei hätten Lehrer, als helfender Beruf, Vorleistungen zu erbringen. Sie gewönnen dadurch aber die Impulse und positive Rückmeldung, die ihre Berufszufriedenheit erhöhten.

So sei unbedingt Ordnung im Schulalltag notwendig, sie führe zu guten Gewohnheiten. Ordnung dürfe aber nicht angeordnet, sondern müsse in der Schüler-Lehrer-Beziehung vereinbart und eingeübt werden.

Für die notwendige Geduld und Frusttoleranz empfahl Singer seinen persönlichen „Schutzheiligen“ Sisyphos der antiken Sage. Der glückliche Steinewälzer habe auch immer wieder von Neuem beginnen müssen. Denn Lehrerarbeit ist Sisyphusarbeit.

Wer aber glaubte, sich wie Sisyphos mit den Gegebenheiten abfinden zu sollen, kannte Professor Singer schlecht. Sozialer Fortschritt sei ohne sozialen Ungehorsam nicht zu haben. Als Anwalt der päda-gogischen Vernunft erteilte Singer am Ende seines Vortrages allen PISA gestützten Forderungen nach Leistungserhöhungen eine klare Absage. Er plädierte für langes gemeinsames Lernen – am besten in einer Schule für alle.

Andreas Salomon dankt Prof. Singer für seinen engagierten Vortrag
Nach der Veranstaltung stellte sich Prof. Singer
in einem Lokal weiteren Fragen